.^' vi' • "^r ■■ »J *:$*r: i-^i M:Ä fe-^^^.^l.^ VERGLEICHENDE ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DER GESCHLECHTSINDIYIDUEN DER HYDROPOLYPEN VON A. GOETTE MIT 18 TAFELN LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1907 Inhaltsverzeichnis. I. Beschreibender Teil. Athecata. Seite 1. Podocoryne carnea 5 A. Die Entwicklung der Medusen 6 B. Die Entstehung und Wanderung der Eizellen 20 C. Die Entstehung der Hoden 33 2. Syncoryne sarsi 35 3. Bougainvillea fruticosa 39 4. Dendroclava dohrni 42 5. Perigonimus repens (?) 45 6. Pennaria cavolinü 46 7. Tubularia mesembryanthemum 51 8. Corydendrium parasiticum 58 9. Eudendrium racemosum und E. rameum 62 10. Dicoryne conferta ' 66 11. Hydractinia echinata 69 12. Clava multicornis 78 13. Coryne pusilla 90 14. Cordylophora lacustris 96 Thecaphora. 15. Sertularia argentea 111 16. Diphasia fallax und D. rosacea 128 17. Sertularella polyzonias 135 18. Plumularia echinulata 144 19. - frutescens 150 20. - setacea 151 Aglaophenia 157 21. - myriophyllum 158 22. - helleri 164 23. - pluma 165 1 2 Seite 24. Antennidaria ramosa 166 Überblick über die Entwicklung der Gonangien der Sertulariden und Plumulariden 170 25. Halecium tenellum var. mediterranea 171 26. Campanularia verticillata 179 27. - hincksi 189 28. - calcyculata 193 29. - flextiosa 204 30. Gonothyraea loveni 210 31. Obelia geniculata, 0. dichotoma und 0. longissima 229 32. C'lytia johnstoni 245 II. Vergleichender Teil. 1. Die bisher gültige Auffassung über den phyletischen Zu- sammenhang der Geschlechtsindividuen der Hydropolypen 249 A. Der Ursprung der sessilen Keimträger 250 B. Der Ursprung der Hydromedusen 260 2. Ergebnisse der vergleichenden Entwicklungsgeschichte der Geschlechtsindividuen der Hydropolypen 263 Die Hydromedusen 263 Die sessilen Keimträger der Thecaphora 267 Die sessilen Keimträger der Athecata 278 Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Athecata und der Theca- phora 283 3. Die Hypothese von der Keimstätte- Verschiebung 292 Literatur-Verzeichnis 308 Erklärung der Abbildungen 311 Sachregister 331 I. Beschreibender Teil. Die erste genauere Darstellung von der Entwicklung der an Hydro- polypen knospenden Medusen stammt bekanntlich von L. Agassiz (Nr. 1)1 und betrifft vor allem Syncoryne {Coryne Ag.) mirahilis (a. a. 0. S. 190). Dort zeigt sich die jüngste Medusenknospe als eine kleine einfache Ausstülpung beider Körperschichten des Polypen; alsdann verdicke sich das Ectoderm am Scheitel der Knospe nach innen zu und stülpe dadurch den Entodermschlauch ' so ein, daß er die Form eines doppel wandigen Bechers (primäre Entodermlamelle Weismann) 1 Ältere Angaben über diesen Gegenstand, wie z. B. diejenigen von Gegen- BAtTB (Nr. 22), übergehe ich hier deshalb, weil sie offenbar weniger aus einer %\irk- lichen JVobaohtung der Entmcklungsvorgänge als aus der Kemitnis vom Bau der fertigen iMedusen entstammten. annehme, dessen Höhlung durch den Ectodermpfropf ( Glocken - kern, Weismann) ausgefüllt werde. Die zwei Blätter des entoder- malen Bechers verschmölzen alsdann in vier interradialen Streifen (sekundäre Entodermlamelle, Weismann) und blieben zwischen diesen, also radial getrennt, woraus die vier Radialkanäle hervor- gingen, die folglich von Anfang an durch die sekundäre Entoderm- lamelle verbunden wären. Die distalen Enden der Kanäle entsendeten innerhalb des soliden Becherrandes hohle Fortsätze gegeneinander, die sich verbinden und so den Ringkanal herstellten. Der proximale Teil der Entodermhöhle zwischen den Wurzeln der Radialkanäle und dem sich verschmächti- genden Stiel der Knospe werde zum Magen der Meduse; er stülpe sich in der Achse der Knospe in den Ectodermpfropf (Glockenkern) aus und bilde dadurch den Spadix, die entodermale Auskleidung des künftigen Manubrium. Anderseits höhle sich der Ectodermpfropf in der Weise aus, daß seine Masse zum epithelialen Überzug der Innenfläche des Entodermbechers und des Spadix werde. Der Durchbruch des Mundes an der Spitze des Manubrium, die Eröffnung der Glockenhöhle inner- halb des Glockenrandes und die über den Radialkanälen entstehenden Tentakel vervollständigen den morphologischen Aufbau der Meduse, die sich zuletzt vom Polypen ablöst. Dieser von L. Agassiz vornehmlich bei Syncoryne mirabilis, ferner aber auch bei Hyhocodon frolifer, einer Tubularie, bei Corymorfha, Boiigainvillea, Obelia usw. festgestellte Entwicklungsgang der Medusen- knospen wurde seither beinahe ausnahmslos bestätigt, namentlich von Claus, Hertwig, Böhm, Ciamician, Hamann, Weismann, v. Lenden- feld, Chun, Cerfontaine, Dendy. Abweichende Angaben von geringerer Bedeutung werden in der speziellen Untersuchung zur Sprache kommen ; dagegen sind schon hier zwei Darstellungen hervorzuheben, die in be- stimmten Gegensatz zu Agassiz treten. Nach Allman (Nr. 3, S. 76 — 78) gibt es bei der Medusenbildung von Corymorpha weder eine Entoderm- lamelle noch einen eigentlichen Glockenkern. Vielmehr wüchsen rund um den Scheitel der Knospe in gleichen Abständen vier cylindrische, aus Entoderm und Ectoderm bestehende hohle Fortsätze in die Höhe; gleichzeitig spalte sich vom Ectoderm jenes Scheitels eine innere Schicht ab und senke sich einwärts zwischen die Fortsätze ein, während das äußere Knospenectoderm zwischen ihnen in die Höhe wachse. Die vier Fortsätze seien die Radialkanäle, die eben bezeichnete, sie ver- bindende Duplikatur des Ectoderms die Umbrella, deren Höhlung zunächst noch von dem oberflächlichen Scheitelectoderm verschlossen wird. Am Boden dieser Glockenhöhle stülpt sich das Manubrium her- vor, und die angeschwollenen Enden der Radialkanäle verbinden sich zum Ringkanal. Die zweite abweichende Darstellung stammt von Fr. E. Schulze (Nr. 62). Er gibt freilich an, daß er die Medusenknospung von Sijncoryne sarsi (vielleicht identisch mit Syncoryne mirahilis Ag.) wesentlich ebenso verlaufen sah wie Agassiz; indessen nähert er sich doch in manchen Punkten ganz entschieden der Anschauung Allmans. Auch nach Schulze beginnt die Medusenbildung damit, daß ein solider Glocken- kern nach innen einwächst und dadurch das Entoderm zu einem dop- pelwandigen Becher eingestülpt wird. Die Radialkanäle sollen dagegen nicht durch Verwachsungsstreifen dieses Bechers entstehen, sondern von seinem Rande getrennt aufwachsen, Schulze vermißt ferner durchaus eine die Kanäle verbindende Entodermlamelle. Man kann daher sagen, daß er die beiden gegensätzlichen Anschauungen von Agassiz und Allman über die Entwicklung der Hydromedusen bis zu einem gewissen Grade vereinigte, während eine vollständige, wenngleich nicht als solche bezeichnete Wiederholung der ALLMANschen Darstellung sich nur bei de Varenne findet. — Seit jener Zeit (1882) ist die An- schauung von Agassiz, Claus, Hertwig usw. nicht mehr bezweifelt worden und die herrschende geblieben. Untersuchungen, die ich über denselben Gegenstand im Jahre 1903 anstellte, Heferten mir nun das einigermaßen überraschende Ergebnis, daß die Darstellung von Agassiz, trotz ihrer vielfältigen Bestätigung in mehreren nicht unwichtigen Punkten um-ichtig ist, daß aber ander- seits auch Allmans entgegengesetzte Angaben nur wenig korrekter sind. Die bezüglichen, zuerst bei Podocoryne carnea gewonnenen Be- funde konnte ich später an mehreren andern medusenbildenden Athecata bestätigen und sicherstellen. Dies mußte aber notwendig auch die Vorstellungen über die Beziehungen der Hydromedusen zu den Gono- phoren und über den Ursprung aller dieser Geschlechtsindividuen be- einflussen, wodurch ich veranlaßt wurde, auch die verschiedenen Gono- phoren einer Untersuchung zu unterwerfen, die sich zuletzt auf eine recht ansehnliche Zahl von Gattungen und Arten erstreckte. Meine Beobachtungen stellte ich mit wenigen Ausnahmen an konser- viertem Material und an wirklichen, nicht bloß optischen Durchschnitten an ; und wenn es mir dabei gelang, manche Irrtümer meiner Vorgänger zu vermeiden, so verdanke ich es größtenteils dem Umstände, daß ich die Durchschnitte auch an den jüngsten Knospen in jeder Richtung ausführte. Athecata. 1. Podocoryne carnea (Taf. I — III). Diese Art ist schon häufig zum Studium der Medusenentwicklung benutzt worden. Der erste Beobachter, Grobben, machte über die Entwicklung der Medusen von Podocoryne carnea nur kurze Bemer- kungen (Nr. 34, S.20 — 22), die in Ermangelung erläuternder Abbildungen nicht immer ganz klar sind. An der bereits gestielten Knospe »bildet sich an dem von dem Polypen abgekehrten Pole eine Verdickung des Ectoderms, welche gegen das Entoderm hineinwuchert. Dies geschieht jedoch nicht in Form eines einfachen Kegels, sondern eines solchen mit interradiären Randausstülpungen (auf die ausgebildete Meduse bezogen), so daß dadurch das Entoderm in vier voneinander getrennte Taschen geteilt wird. Diese Taschen sind die späteren Padiärgef äße« . Gleichzeitig wachse der Spadix in den »Knospenkern« (Glockenkern) vor, worauf dieser sich aushöhle, und seine Wände das ectodermale Epithel der Subumbrella und des Manubrium bilden. Da der Spadix unsrer Meduse verhältnismäßig spät erscheint, und auch die Einkeilung der Kanten des Glockenkerns zwischen die Radial- schläuche eine spätere Erscheinung ist, so bezieht sich die Beschreibung Grobbens auf eine bereits ziemlich vorgeschrittene Entwicklungsstufe; und indem er aus solchen Befunden schloß, daß der Glockenkern mit seinen vier Kanten das ihn umgebende Entoderm in vier Taschen teile, so setzte er, auch ohne es auszusprechen, notwendig voraus, daß das- selbe anfangs eine im ganzen Umkreise des Glockenkerns zusammen- hängende doppelte Schicht bildete. — Ohne die Arbeit von Agassiz anzuführen, schloß er sich also offenbar dessen Ansicht von der Existenz eines doppel wandigen Entodermbechers an, und nicht derjenigen ScHULZEs, den er ausdrücklich zu bestätigen meint. Über eine sekun- däre Entodermlamelle erfahren wir von Grobben nichts. Bald darauf erklärte Grobbens Lehrer Claus, daß für Podocoryne nicht die ScHULZEsche, sondern die AoASSizsche Darstellung durchaus zutreffe: der durch den Glockenkern hervorgerufene zweischichtige Entodermbecher werde durch vier interradiale Verwachsungsstreifen in die vier Radialkanäle und die sie verbindende (sekundäre) Entoderm- lamelle gesondert; sekundäre Fortsätze der Radialkanäle im Rande der Entodermlamelle bildeten alsdann den Ringkanal (Nr. 16, S. 29 ff., vgl. Nr. 17). — Ebenso lauten die Angaben Weismanns (Nr. 70, S. 68), der noch hinzufügt, daß die interradialen Abschnitte der sekundären 6 Entodermlamelle anfangs so sclimal seien, daß die Radialkanäle beinahe zusammenfließen. Bunting (Nr. 10) bestätigte Weismann. Endlich hat auch de Vaeenne Mitteilungen über die Entwicklung von Podocoryne gemacht (Nr. 67, S. 651 — 656), die, wie schon bemerkt,, sich wesentlich an die Darstellung von Allman anschließen. Während das Entoderm am Scheitel der Knospe sich vom Ectoderm ablöse und nach innen einbuchte, erhöben sich vom Eande dieser Einbuchtung die vier Radialkanäle, die also einwärts an einen leeren Raum grenzten; erst später folge das Scheitelectoderm der Entodermeinsenkung und kleide die Glockenhöhle aus, indem es zugleich zwischen den Radial- kanälen mit dem Außenectoderm verklebe (a. a. 0. S. 676). Von einer sekundären Entodermlamelle spricht de Varenne so wenig wie von einem Glockenkerne und erläutert seine Angaben nur durch Abbildungen einiger optischen Durchschnitte, die der Wirklichkeit wenig entsprechen. A. Die Entwicklung der Medusen. Nach meinen Beobachtungen unterscheiden sich die Träger der Medusenknospen von Podocoryne carnea, die sogenannten Blastostyle, im ganzen wenig von den normalen sterilen Hydranthen, und zwar um so weniger, je später die Knospung begann. Ihre bedeutsamste Ab- änderung, die eben nur bei starken Individuen fehlt, die erst ein bis zwei junge Knospen tragen, besteht in der, in eine gürtelförmige Kante aus- laufenden Erweiterung des Stammes im Bereich der Knospungszone. An dieser Kante oder dicht darunter entspringen die Knospen, anfangs zwei einander gegenüber, dann kreuzweise dazu zwei andre, worauf die Zwischenräume zwischen ihnen mit neuen Knospen ausgefüllt werden, bis ein vollständiger, ein- bis zweizeiliger Kranz von solchen vorliegt. Seltener finden sich in Abwesenheit der beschriebenen Kante mehrere auseinanderstehende Kränze von Knospen (Fig. 1). Da die männlichen und die weiblichen Knospen in ihrer Entwick- lung bis auf die später besonders zu beschreibenden Keimzellen keine Verschiedenheiten zeigen, beschränke ich mich in der folgenden Dar- stellung aus äußeren Gründen auf die weiblichen Knospen. 1) Die jüngsten Knospen sind warzenförmige oder flach kegel- förmige Ausbuchtungen beider Körperschichten des Blastostyls, an denen jedoch schon gewisse ge webliche Veränderungen kenntlich sind (Fig. 1, 6, 7). Am Scheitel der Knospe zeigt sich eine rege Zellvermeh- rung, die in einer Zusammendrängung und Übereinanderlagerung der Zellen ihren Ausdruck findet. Dazu gesellt sich eine Verdichtung des Protoplasma derselben Zellen^ so daß namentlich die Kuppe des Ento- derms wie ein dunkler, gege^^ clas übrige Epithel oft scharf begrenzter Pfropf aussieht. Von diesen Erscheinungen eines stärkeren Wachs- tums im Scheitelabschnitt der Knospe verliert sich die Anhäufung der Zellen allmählich, so daß beide Körperschichten wieder aus einer ein- fachen Zellenlage bestehen; doch bleibt jener Abschnitt auch weiterhin etwas dunkler als die proximalen Abschnitte und zeigt auch darin ein Übergewicht des Wachstums, daß schon an den fingerförmig gestreckten Knospen das freie Ende etwas anschwillt (Fig. 8, 10). Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Hohlknospe rein cylindrisch. So- bald sie aber in der Seitenansicht oder in Längsdurchschnitten jene terminale Anschwellung deutlich erkennen läßt, ist auch der Quer- durchschnitt der Lichtung in der distalen Hälfte abgeändert : aus einem kreisförmigen oder ovalen ist er ein dreizipfeliger und zuletzt ein regel- mäßig ^äerzipfeliger geworden, indem das Entoderm zwischen den Zipfeln mit vier längsverlaufenden Wülsten nach innen vorspringt (Fig. 14, 22), die meist wie die Täniolen der Hydranthen aus einer ent- sprechenden Verlängerung der Entodermzellen hervorgehen. Diese Täniolen der Medusenknospen beginnen ungefähr in der Mitte der Länge der letzteren und durchziehen deren distale Hälfte bis zum Scheitel; die von ihnen eingefaßten Magenrinnen endigen folglich ebendort in vier Ecken oder Zipfeln, die kreuzweise um die etwas nach innen vorgewölbte Decke des Entodermschlauchs liegen. Dies alles ist bereits nachweisbar, bevor am Knospenscheitel andre Veränderungen Platz gegriffen haben, wie aus den Fig. 10 — 12 hervorgeht, wo die Kuppe des Entoderms nach außen noch konvex erscheint. Der mittlere Längsdurchschnitt (Fig. 11) traf zwei einander gegenüberliegende Rinnen und ihre Endzipfel, die auf dem vorausgehenden und dem folgenden Schnitt verschwunden und je durch eine mittlere Rinne er- setzt sind (Fig. 10, 12). Daß es sich dabei wirklich um getrennte Ento- dermzipfel handelt, beweisen solche Durchschnitte ganz gleicher Kno- spen, die zwei nebeneinanderliegende Zipfel tangential trafen (Fig. 13); da sieht man nicht nur deren Lichtungen deutUch voneinander getrennt, sondern es zeigt sich über ihnen sogar eine schwache Einkerbung der Außenfläche des Entoderms zwischen beiden Zipfeln. 2) Erst nach diesen vorbereitenden Vorgängen beginnt am Scheitel der Knospe die so oft beschriebene Entwicklung des Glockenkerns, der die Anlage der künftigen Subumbrella enthält und ferner die Ent- stehung der ihn umschließenden Entodermteile, der Radialkanäle und der sie verbindenden sekundären Entodermlamelle hervorrufen sollte. — Der Glockenkern beginnt als eine centrale Verdickung des Scbeitel- ectoderms, das, nachdem es zweischichtig geworden, zunächst ganz flach gewölbt nach innen vorspringt (Fig. 16). Unter dieser Vorwölbung ist die breiter und dünner gewordene Entodermkuppe entsprechend eingesenkt und wird in einem passenden (radialen) Längsdurchschnitt seitlich von zweien der schon erwähnten hohlen Zipfel begrenzt. Im übrigen ist die Knospe unverändert geblieben. Einen weiteren Fortschritt zeigt die Durchschnittsserie Fig. 17 — 19 besonders deutlich. Die tiefere Schicht des Scheitelectoderms ist an- sehnlich gewachsen und hat sich so zusammengezogen, daß sie halb- kugelig gegen das Entoderm vorragt, wobei die Zellen sich meist schon radiär angeordnet haben (Fig. 17). Dies ist die eigentHche Anlage des Glockenkerns, während die obere Zellenschicht des Scheitels nach wie vor einfach bleibt und die Fortsetzung des übrigen Ectoderms über der Glockenkernanlage darstellt. Diese letztere erscheint daher als eine Abspaltung einer wuchernden tieferen oder imieren Ectodermschicht von der äußeren, die in der Regel ganz eben über die erstere hinzieht. Aber auch wenn sie ausnahmsweise an der Außenseite eine unbedeutende centrale Delle aufweist, so rührt diese von der genannten Zusammen- ziehung der Glockenkernanlage her und ist keineswegs der Rest einer Einstülpung des ganzen ursprünglichen Ectoderms zur Bildung des Glockenkerns. An demselben Längsdurchschnitt ist die Entodermkuppe unter der Mitte des Glockenkerns tiefer eingedrückt als früher und läuft seitlich in zwei schlauchförmige Buchten aus, die den Glockenkern von beiden Seiten umgreifen. Es ist dies das allbekannte Bild optischer oder wirkHcher Längsdurchschnitte der Medusenknospen, woraus man folgern zu dürfen glaubte, daß der Glockenkern als die eigentliche Ursache der Medusen- bildung die Entodermkuppe zu einem doppelwandigen Becher eindrücke und so die Entstehung der Radialkanäle vorbereite. Sobald man sich aber nicht auf ein solches einzelnes Bild beschränkt, sondern die ganze Schnittserie durchmustert, überzeugt man sich, selbst ohne Zuhilfe- nahme der noch zu beschreibenden Querdurchschnitte, leicht davon, daß jene Auffassung vollkommen irrig ist. Schon auf den nächstfolgen- den Schnitten verschwindet der angebliche Entodermbecher vollständig (Fig. 18), worauf aber in einem der letzten Schnitte wieder ein einzelner Entodermschlauch erscheint, der nicht seitlich, sondern in der Mitte an Stelle des Glockenkerns, d. h. jenseits desselben aufsteigt (Fig. 19). Dasselbe findet auch in der andern Hälfte der Schnittserie statt, woraus 9 sich der Schluß ergibt^ daß der Glockenkern von vier kurzen, völlig getrennten Entodermschläuchen umgeben wird. Auch hier füge ich einen anders gerichteten Längsdurchschnitt aus einer gleich alten Knospe hinzu, worin die Trennung der kurzen, handschuhfingerförmigen Schläuche unmittelbar hervortritt. (Fig. 24). Genau ebenso verhält es sich etwas später, nachdem der Glockenkern sich vom übrigen Ectoderm völlig abgelöst und zu einer nicht ganz regelmäßigen, scheinbar kugeligen Masse zusammengezogen hat, worin schon eine kleine Höhle inmitten der allseitig radiär gestellten Zellen sichtbar wird (Fig. 27). Die verlängerten und sich über den Glocken- kern krümmenden Entodermschläuche lassen sich in den hier wieder- gegebenen vier Durchschnitten einer und derselben Knospe noch leichter wie vorhin sämtlich feststellen: in Fig. 26 der tangential geschnittene erste Schlauch jenseits des Glockenkerns, in Fig. 27 der vollgetroffene zweite Schlauch und der nur angeschnittene dritte Schlauch, der erst in Fig. 28 sich vollständig darstellt, neben dem äußersten Anschnitt des zweiten Schlauches, und in Fig. 29 der wieder tangential getroffene vierte Schlauch neben dem letzten Rest des dritten. — Von einer eben- solchen Knospe stammt der Durchschnitt Fig. 25 mit einem vollge- troffenen Entodermschlauch und den soliden Anschnitten seiner beiden Nachbarn. — Endlich bestätigt die Querschnittserie, Fig. 20 — 22, einer Knospe mit noch ganz solidem Glockenkern, daß dieser in der Tat nicht von einem doppelwandigen Entodermbecher, sondern von vier getrennten, wenngleich zusammenstoßenden Entodermschläuchen umschlossen wird, deren noch enge Lichtungen abwärts in die vier Magen- rinnen auslaufen. Dies lenkt aber unsre Aufmerksamkeit wieder auf die jüngsten Knospen vor der Entstehung des Glockenkerns, deren vier kleine Ento- dermzipfel als selbständige Wachstumsprodukte der Täniolen und Magenrinnen sich nunmehr als die unmittelbaren Vorläufer oder viel- mehr die ersten Anlagen der den Glockenkern umschließenden Ento- dermschläuche darstellen. Denn Schritt für Schritt kann das Aus- wachsen jener Zipfel zu den Schläuchen verfolgt werden, ohne daß sich diese zusammenhängende Entwicklungsreihe irgendwo durch einen doppelwandigen Entodermbecher unterbrochen zeigte. Die vier Entodermschläuche sind nun, wie die folgende Unter- suchung zeigen wird, keineswegs einfach identisch mit den späteren Radialkanälen; deshalb vermeide ich den letzteren Namen und nenne sie »Radialschläuche«. Durch die voranstehenden Beobachtungen ist also der bündigste 10 Beweis dafür erbracht, daß 1) die Einleitung zur Medusenbildung von Podocoryne carnea nicht vom Glockenkern ausgeht, son- dern von vier durch Täniolen getrennten Rinnen des Ento- dermschlauchs der jüngsten Knospen, deren distale Enden in vier getrennte Schläuche (Radialschläuche) im Umfange des sich einsenkenden Glockenkerns auswachsen, und daß folglich 2) ein doppelwandiger oder sonstwie gebildeter ein- heitlicher Entodermbecher als Anlage der umbrellaren Entodermteile überhaupt nicht existiert. Die entgegenstehenden Angaben von Grobben, Claus, Weismann, BuNTiNG und DE Varenne erweisen sich daher in der Tat als völlig unzutreffende, und zwar nicht deshalb, weil sie direkt unrichtig beob- achtet hatten, sondern weil sie glaubten, die fragliche Entwicklung lediglich aus einzelnen Bildern späterer Entwicklungsstufen sicher er- schließen zu können. Und doch hätte ein einziger Querdurchschnitt durch die zuletzt besprochenen Knospen genügt, um die einheitliche Anlage der umbrellaren Entodermteile wenigstens höchst zweifelhaft erscheinen zu lassen. Nur de Varenne spricht von ursprünghch ge- trennten Radialkanälen, nähert sich aber dadurch nur zufällig und scheinbar dem richtigen Tatbestand. Denn schon die Behauptung, daß sie in solchen Abständen voneinander stehen, daß das Außenectoderm und das Subumbrellarepithel flächenhaft zwischen ihnen verkleben, beweist, daß er nur ältere Knospen vor Augen hatte, in denen die ur- sprünglichen Radialschläuche gar nicht mehr bestehen, sondern schon die damit keineswegs identischen Radialkanäle vorliegen, deren Ver- bindung durch die sogenannte sekundäre Entodermlamelle de Varenne ebenso übersehen hat, wie den Glockenkern. Bevor ich in der Beschreibung fortfahre, sei schon hier darauf hin- gewiesen, daß die Ähnlichkeit der Täniolen und Magenrinnen der Medusenknospen und der entsprechenden Bildungen der Hydranthen- köpfchen (Fig. 2, 3) nicht bloß eine zufälhge und äußerliche ist, sondern auf einer Vererbung jener Teile von den älteren Hydranthen auf die jüngeren Medusen beruht. Denn ein solcher phyletischer Zusammen- hang dieser beiderlei Individuen der Hydropolypen bleibt unangetastet, ob man nun die Medusen direkt oder durch die Vermittlung der so- genannten Gonophoren von den Hydranthen ableiten mag, was erst später diskutiert werden soll. Ist aber jener Zusammenhang der ganzen Individuen gesichert, so gilt dies auch für ihre in jeder Hinsicht über- einstimmenden Teile, wie es die Täniolen zweifellos sind. Ich kehre noch einmal zu den zuletzt besprochenen Knospen 11 zurück, um einige Einzelheiten nachzuholen. — Der CTlockenkern er- scheint dort in den Längsdurchschnitten unregelmäßig kugelig, mit einer kleinen centralen Höhlung, um die sich seine Zellen in einer Schicht radiär anordnen (Fig. 27). Daß dies ebensowenig wie die bereits er- wähnte apicale Delle des Außenectoderms auf seine Entstehung aus einer Einstülpung des ganzen Ectoderms hindeutet, wird sich bei der Untersuchung über seinen phyletischen Ursprung unzweideutig er- geben. Derselbe Glockenkern zeigt sich auf den Querdurchschnitten stumpf vierkantig, so daß die Kanten den interradialen Grenzen der Eadialschläuche entsprechen (Fig. 20). Dies kann aber, auch abgesehen von dem nachgewiesenen selbständigen Ursprung jedes Schlauchs, nicht einmal den Schein erwecken, als wenn jene Kanten des Glockenkerns die Teilung einer einheitlichen »primären Entodermlamelle« in die vier Schläuche veranlaßten (Grobben); denn diese stoßen noch mit recht breiten Flächen zusammen, sind also getrennt, bevor jene Kanten zwischen sie vordringen. Dies letztere geschieht erst viel später, nach- dem die zusammenstoßenden Seitenränder der vergrößerten Schläuche sich bedeutend verschmälert haben (Fig., 33). Nur die innere Abplattung der Schläuche mag anfangs durch den Druck des Glockenkerns bedingt sein, wogegen aber später eine gewisse Vorwölbung der Schläuche nach innen einen umgekehrt wirkenden Druck anzuzeigen scheint. Die ständige Trennung der Schläuche offenbart sich aber sehr auf- fällig in einer Bildung, die nur dann hervortritt, wenn die Schläuche infolge der Konservierung ein wenig auseinanderrücken ; dann sieht man nämlich eine zwischen ihnen ausgeschiedene cuticulare Grenzlamelle, die die gleichen Lamellen an der Innenseite des Außenectoderms und an der Außenseite des Glockenkerns oder des Subumbrellarepithels miteinander verbindet (Fig. 30). Diese Lamelle erhält sich lange Zeit und ist in ihren Wirkungen noch an der fertigen Meduse nachweisbar (s. w. u.), so daß die ursprüngliche Vierteilung des umbrellaren Entoderms die ganze Entwicklung überdauert. Dieselbe Vierteilung zeigt sich noch in andrer Hinsicht bedeutsam. Der anfangs unscheinbare Eest der ursprünghchen Entodermkuppe unter dem Glockenkern und zwischen den Basen der vier Eadialschläuche erweitert sich in der Folgezeit zugleich mit dem Wachstum aller übrigen Teile zu einer horizontalen Platte, die als Anlage des künftigen Spadix den Namen »Spadixplatte« verdient (Fig. 27, 28). W^enn der viel- genannte Entodermbecher wirklich bestände, würde die Spadixplatte anfangs nur mit seiner Innenwand zusammenhängen, mit seiner Außen- wand und dem sich abwärts anschheßenden Magenentoderm der Knospe 12 aber nicht in Verbindung stehen, so daß während dieses Zustandes eine direkte Einwanderung der Eizellen aus dem Magenentoderm in die Spadixplatte unmöglich wäre. Da jedoch statt des Entodermbechers die vier von Anfang an getrennten Radialschläuche bestehen, so bleiben zwischen ihnen ebenfalls von Anfang an unmittelbare und zwar inter- radiale Verbindungen zwischen der Spadixplatte und dem Magen- entoderm zurück, gewissermaßen Reste des ursprünglichen Umschlags des seitlichen Entoderms der jüngsten Knospen in dessen Kuppe. Diese interradialen Brücken zwischen dem Magenentoderm und der Spadixplatte sind auf Längsdurchschnitten sehr leicht anzutreffen (Fig. 27, 28, 46, 47), und auf Querdurchschnitten, die die Spadixplatte eben noch streifen, läßt sich die Beziehung dieser Brücken zu bestimmten Teilen des Magenentoclerms erkennen (Fig. 23). Während die Magen- rinnen in die Außenwände der Radialschläuche übergehen, setzen sich die Täniolen in deren Innenwände fort und biegen anderseits mit ihrem Mittelstück in die Spadixplatte um, wodurch sie eben die genannten Brücken herstellen. Dies ist zu der angegebenen Zeit, wann die Tä- niolen noch solid sind, weniger anschaulich als später, wenn die Grenz- spalten zwischen den Radialschläuchen sich bis in die Täniolen hinein- ziehen und diese dadurch in breite Falten verwandeln, deren Seiten- wände sich in die Radialschläuche fortsetzen, während ihre breiten Ränder sich in die genannten Brücken verwandeln (Fig. 32, 43, 44). Diese gestatten also die bezeichnete Einwanderung der Eizellen aus dem Magenentoderm in die Spadixplatte oder den Spadix von Anfang an ununterbrochen. 3) In der nun folgenden Entwicklungsperiode verwandelt sich die schlanke, kolbige Gestalt der Medusenknospen in eine dicke, birnförmige und kurzgestielte (Fig. 34, 35). Diese Anschwellung rührt aber zunächst nicht von einer Ausdehnung der Radialschläuche und des Glockenkerns nach unten her ; denn obwohl sie insgesamt breiter geworden sind, füllen sie nur die kleinere obere Hälfte der Knospe aus, deren untere Hälfte von dem Magen allein eingenommen wird. In den Querdurchschnitten erscheinen die erweiterten Radial- schläuche an der Innenseite abgeplattet, hier und dort aber schon etwas konvex vorgewölbt (Fig. 30, 31, 33); ihre Seitenflächen, mit denen sie aneinandergrenzen, sind schmäler geworden und nähern sich schon der Gestalt stumpfer Kanten. Aufwärts krümmen sich die Schläuche nach innen zu, abwärts gehen sie in der schon beschriebenen Weise in das Magenentoderm über (Fig. 34). Namentlich ist an den größeren Knospen dieser Entwicklungsstufe die Faltenbildung der Täniolen dicht unter 13 den Basen der Radialschläuche schon häufig anzutreffen (Fig. 32); und wenn Keimzellen sich in diese Falten eingelagert haben, können die letzteren von ansehnlichem Umfang sein. Ungleich bedeutender ist die Gestaltveränderung des Glockenkerns in denselben Knospen. Während seine vier Längskanten schärfer geworden sind, hat er sich oben und unten abgeplattet, so daß diese Endflächen mit den Seitenflächen ebenfalls Kanten bilden (Fig. 31, 34). Ferner ist der Boden des Glockenkerns breiter als der Scheitel, und die ganze Masse stellt daher eine abgestumpfte Pyramide dar. Dieser äußeren Gestalt des Glockenkerns paßt sich die Ausdehnung seiner inneren Höhlung an, indem die früher radiär gestellten Zellen seiner Wand sich an den sie. umschließenden ebenen Flächen epithelial an- ordnen und dabei vom Mittelpunkt des Innenraums abrücken. Dieser nimmt also zunächst ebenfalls eine pyramidenförmige Gestalt an, die sich erst durch die Entstehung des Manubrium verändert. Die auf diese Weise entstehende weitere Höhlung, die künftige Glocken - höhle (Subumbrellarhöhle) verwandelt also die ganze solide Zellen- masse der Glockenkernanlage in einen epithelialen Sack, dessen Wand sich in dem Maße verdünnt, als die Höhle sich erweitert. Seine Seiten- teile werden zum Subumbrellar epithel der Meduse, sein Boden ist für das Außenepithel des Manubrium bestimmt, und seine Decke be- teiligt sich an der Herstellung des Velum (s. u.). Gegen das Ende dieser Entwicklungsstufe treten als vollständige Neubildungen der Spadix und das Manubrium auf. Während die Unter- seite der Spadixplatte noch ganz eben ist, bemerkt man doch schon eine Erhebung ihrer Oberseite und infolgedessen auch des Bodens der Glockenhöhle. Diese Wucherung führt alsbald zu einer Ausdehnung beider Epithele, die in einer Ausbuchtung der Spadixplatte und jenes ectodermalen Glockenhöhlenbodens nach oben ihren Ausdruck findet (Fig. 34, 35, 47). Dies ist die Anlage des Manubrium; anfangs kegel- förmig, dann zapfenförmig, verengt es die Glockenhöhle in solcher Weise, daß sie die Gestalt eines umgekehrten Bechers erhält (Fig. 36, 37). In diese Bildung des Manubrium geht die ganze Spadixplatte auf, so daß der nunmehrige Spadix, die entodermale Auskleidung des Manubrium, einmal unmittelbar in die Innenwand der Radialschläuche umbiegt und ferner interradial eine schräg aufsteigende Fortsetzung des Magenentoderms, nämlich der Täniolenränder, darstellt (Fig. 46). Die Radialschläuche erweitern sich, ohne voneinander abzurücken, und erhalten einen annähernd spindelförmigen Querdurchschnitt, indem ihre Innenwände sich vorwölben und ihre Seitenränder sich zu bloßen 14 Kanten zusammenziehen, die dann unter annähernd rechten Winkeln zusammenstoßen (Fig. 33, 38). Da die interradialen Grenzlamellen sich leicht nachweisen lassen, so kann natürlich von einem unmittel- baren Zusammenhang dieser Kanten, wie ihn Weismann als Anfang der »sekundären Entodermlamelle« zeichnet (Nr. 70, Taf. XIX, Fig. 5), gar nicht die Rede sein. Ganz besonders deutlich ist in solchen Knospen der Übergang der Radialschläuche in die Magenrinnen und die sie tren- nenden faltenförmigen Täniolen (Fig. 39, 40). An manchen Quer- durchschnitten sieht man unmittelbar, wie die breiten Faltenränder sich über den Rinnen so verbinden, daß nach außen die Basen ^er Schläuche und nach innen die Basis des Spadix hergestellt werden (Fig. 43, 44). Und zwar ist dies wörtlich so zu verstehen, daß Schläuche und Spadix sich auf die eben angegebene Weise abwärts verlängern; denn ganz unverkennbar wird die Magenlich- tung dieser und der älteren Knospen fortdauernd durch jene sich ab- wärts ausdehnenden umbrellaren Teile verengt, bis sie zuletzt zwischen Stiel und Spadix nur noch als Zusammenfluß der Radialkanäle erscheint (Fig. 35—37, 58). Mit der Verlängerung des Spadix und des ganzen Manubrium ver- tieft sich auch die Glockenhöhle. Ihre Wandbekleidung, das Sub- umbrellarepithel, bedeckt die Radialschläuche nur in der oberen Hälfte gleichmäßig; weiter abwärts verdickt es sich in den vier Ecken auf Kosten der radialen Abschnitte und dringt dort mit vier Zipfeln, in denen das subumbrellare und das manubriale Ectoderm zusammen- laufen, bis unter die Basis des Manubrium vor (Fig. 38 — 40). Diese Subumbrellarzipfel liegen also auf dem schrägen Aufstieg der Täniolenränder zum Spadix oder in der interradialen Faltenbucht, auf welchem Wege sie endlich, halb zwischen den Basen der Radial- schläuche und halb unter ihnen das Außenectoderm erreichen (Fig. 46, 61). Die Bedeutung dieser Erscheinung kann erst später erläutert werden. Es erübrigt noch, zu bemerken, daß das umbrellare Außen- ectoderm in dieser Periode stark zu wuchern beginnt, so daß es mehr- schichtig wird. Interradial springt es schon früh etwas zwischen die Radialschläuche vor (Fig. 30, 38). 4) In diesem letzten Abschnitt der Darstellung von der morpho- logischen Entwicklung der Medusenknospen vereinige ich alle folgenden Stufen bis zur Herstellung der reifen Meduse, weil es nicht angeht, die Beschreibung der Metamorphosen der Einzelteile aus chronologischen Gründen zu unterbrechen. Die Knospen behalten bis kurz vor der Ablösung ihre birnförniig 15 ovale Gestalt, weil sie frühzeitig eine zarte, aber feste Cuticula an ihrer Außenfläche absondern, die namentlich die natürliche Ausdehnung des Glockenrandes und das Hervortreten der dann hervorwachsenden Neu- bildungen verhindert. Sie ist natürlich eine Fortsetzung des Peri- derms des Blastostyls oder Hydranthen; in den Abbildungen ist sie beinahe durchweg fortgelassen. Die Radialschläuche verließen wir in dem Zustande, daß sie bei einem annähernd spindelförmigen Querdurchschnitt und weiter Höh- lung mit ihren Kanten zusammenstießen, also je V4 des Umfangs der Umbrella einnahmen und vom Magen aus leicht gekrümmt gegen den Scheitel der Knospe convergierten. Dort bleibt zwischen ihren Enden ein centrales Feld des Außenectoderms mit der darunter liegenden Decke der Glockenhöhle in festem Zusammenhange und bildet so die Anlage des Velum, die anscheinend das Vordringen jener Enden der Radialschläuche bis zum Scheitel hindert (Fig. 34 — 36). Dafür wachsen diese Enden im Umkreise des Velum nach oben hervor und stülpen entsprechende Überzüge des Ectoderms aus (Fig. 37). Diese hohlen und dicken Randwülste hängen zwar an ihrer Basis mit ihren äußeren Ecken zusammen, doch so, daß sie unmittelbar über dem Velum einen kreuzförmigen Raum umschließen, der sich interradial nach außen öffnet und die Wülste vollkommen voneinander trennt (Fig. 53, 56). Durch die in diesen Raum einragenden Tentakel und unter dem Druck der äußeren cuticularen Hülle wird er weiterhin sehr stark verengt (Fig. 55). Längsdurchschnitte, die zwei einander gegen- überstehende Wülste treffen, zeigen daher nur den centralen Teil des prävelaren Raums, der dann wie eine Ectodermeinstülpung erscheint (Fig. 37). Solch ein Bild bewog Weismann zu der irrigen Annahme, daß eine »förmliche Einstülpung« des Scheitelectoderms gegen den Glockenkern das Velum bilde (Nr. 70, S. 113, 260) i; tätsächlich besteht aber seine Anlage schon an dem glatten Scheitel der Knospe, sobald eine Decke der Glockenhöhle vorhanden ist, und die vermeintliche Ein- stülpung ist, wie wir sahen, nur das Centrum des zwischen den Wülsten befindlichen Raumes. Der Durchbruch der noch geschlossenen Anlage des Velum beginnt so, daß die Mitte der äußeren Ectodermschicht sich öffnet und die dem Glockenkern angehörige tiefere Schicht sich in jene Öffnung bruchsack- artig vordrängt (Fig. 54) ; und wenn man damit die analogen Erschei- 1 Merkwürdigerweise fehlt bei Weismann in dem Durchschnitt einer älteren Medusenknospe von Podocoryne carnea das Velum ganz (Nr. 70, Taf. 19 Fig. 13). 16 nungen bei Clava und Gonothyraea vergleicht, wird es mehr als wahr- scheinlich, daß das Vordringen der Glockenkerndecke die eigentliche Ursache des Durchbruchs ist, worauf erst das Velum als ein platter Ring fertig vorliegt (Fig. 55). Doch wird es sofort durch neue Bil- dungen in die Glockenhöhle umgeschlagen. Aus dem Scheitel der Randwülste wachsen nämlich die Tentakel hervor, und da sie durch das Knospenperiderm verhindert werden, nach außen hervorzutreten, durchsetzen sie bei ihrer fortdauernden Ausdehnung die Öffnung des Velum oder den »Glockenmund«, schlagen es dabei in die Glockenhöhle um und füllen die letztere mit ihren Schlin- gen (Fig. 55, 58). Die axialen Entode rmzellen der Tentakelanlagen rücken nicht gleich in einer Zeile in sie ein, sondern zu mehreren neben- einander, um sich erst während der Verlängerung der Tentakel in der bekannten Weise aneinander zu reihen. Mehr als die vier radialen Tentakel habe ich bei Podocoryne carnea niemals angetroffen. Bald nach dem Erscheinen der Randwülste beginnt im Niveau des Velum die Bildung des Ringkanals. Die Radialschläuche rücken dort niemals auseinander, sondern berühren sich stets mit ihren dicken Rändern, bis diese endlich verschmelzen (Fig. 41). Darauf verteilt sich die Masse der Schläuche in dieser Zone derart, daß nur radial unter den Randwülsten eine weit offene, im Querdurchschnitt dreieckige Lichtung zurückbleibt, die sich in den interradialen Verbindungs- strecken zu einem dünnen Kanal zusammenzieht (Fig. 50). Der Ring- kanal geht also unmittelbar aus den ursprünglichen Radialschläuchen hervor, so daß selbst seine ganze Lichtung mit den ursprünglichen vier Schlauchhöhlungen identisch ist. Die angegebene Verschiedenheit seiner radialen und interradialen Abschnitte behält er aber dauernd : während die letzteren sich immer mehr zu dünnen Röhren ausziehen, bleiben radial die dickwandigen Erweiterungen als Wurzeln der Randwülste und als Endpunkte der Radialkanäle bestehen. Die verbreitete Annahme, daß der Ringkanal im oberen Rande einer die Radialkanäle verbindenden Ento- dermlamelle entstehe, sei es, daß deren Spalthöhle sich dauernd erhalte (Hertwig) oder von den Radialkanälen aus sich neu entwickle (Agassiz, Claus), ist also nicht zutreffend und lediglich eine Schlußfolge- rung aus der irrigen Vorstellung von der Existenz jener Entodermlamelle . Zu der Zeit, wann die Radialschläuche im Bereich des Ringkanals zu verschmelzen beginnen, fängt auch eine Veränderung ihrer darunter- liegenden Abschnitte an. Mit der zunehmenden Erweiterung der Um- brella dehnen sie sich ebenfalls in konzentrischer Richtung aus, doch so, daß ihre Seitenkanten in dünne Platten ausgezogen werden, die 17 mit den interradialen Grenzlamellen in Verbindung bleiben (Fig. 42). Diese Platten bestehen von Anfang an aus einer einzigen Zellenlage, und nirgends fand ich eine Andeutung davon^ daß auch die angrenzen- den Teile des die Lichtungen umschheßenden Epithels in jene Platten so hineingezogen würden, daß diese aus einer Duplikatur des Entoderms hervorgingen. Jeder Kadialschlauch sondert sich mithin in seiner Breite in drei Abschnitte, einen mittleren (radialen), der die ursprüngliche Höhlung enthält und zum definitiven Radialkanal wird, und zwei seitliche solide und einschichtige Flügel, die als wirkliche Neubildungen aufzufassen sind (Fig. 48). Während die Umbrella in die Länge und Breite wächst, dehnen sich auch jene Flügel aus und werden anderseits die Radialkanäle immer schmäler und flacher (Fig. 51). Sobald jeder Flügel breiter geworden ist, als der ihn aussendende Radialkanal, ver- schmelzen die zusammenstoßenden Ränder der Flügel (Fig. 52) ; die vier Radialkanäle sind alsdann durch ebenso viele breite Entoderm- streifen von der Form eines einfachen, dünnen Plattenepithels ver- bunden, das kontinuierlich in das Kanalepithel übergeht. Dies ist nun die vielgenannte »Entodermlamelle« (Hertwig) oder »Gefäßplatte« (Claus) der fertigen Meduse, die also mit der angeblichen »primären« oder »sekundären« Entodermlamelle jüngerer Medusenknospen (Weis- mann) gar nichts zu tun hat. Denn die Annahme, daß der Glockenkern die Kuppe des ursprünglichen Entodermschlauchs zu einem doppel- wandigen Becher einstülpe (primäre Entodermlamelle), und dieser durch interradiale Verschmelzungen beider Blätter die »sekundäre Entoderm- lamelle« oder Gefäßplatte bilde, hat sich als eine vollständige Täuschung herausgestellt; weder existiert jener Becher, noch überhaupt eine zwei- blättrige oder kontinuierliche Anlage der einzelnen Gefäßplatte. Die einzigen ursprünglichen Entodermteile der Umbrella sind vielmehr aus- schließlich die vier getrennten Radialschläuche, die sowohl die defini- tiven Radialkanäle, wie die sie verbindenden Platten, und die letzteren zwar aus einer einschichtigen, aber in jedem Interradius zweihälftigen Anlage hervorgehen lassen. Deshalb ist auch der gelegentlich ange- stellte Vergleich dieser Verbindungsplatten mit der »Gefäßplatte« der Scyphomedusen, die tatsächlich aus Verschmelzungen des Kranzdarmes entsteht, ganz unzulässig. — Nachdem aber die fragliche Entodermhaut der Medusen von Podocoryne und andern Hydromedusen (s. u.) nach ihrer Entwicklung sich als etwas ganz andres herausgestellt hat, als wofür sie bisher gehalten wurde, dürfte es angezeigt sein, um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, sie mit einem neuen Namen zu be- zeichnen. Ich werde sie »Umbrellarplatte« nennen. 2 18 Aus dem hohlen Hauptteil der vier Radialschläuche gehen die vier Radialkanäle, aus ihren flügeiförmig und einschichtig auswachsenden und paarweise verschmelzen- den acht Kanten die Umbrellarplatten (Entodermlamelle, Gefäßplatte aut.) hervor; der Ringkanal entsteht weder in einer Entodermlamelle noch durch Seitenfortsätze der Kanäle, sondern durch eine unmittelbare Verbindung der zusammenstoßenden Radialschläuche. — Die Anlage des Velum ist gleichzeitig mit der Herstellung einer deutlichen Glockenhöhle in der Duplikatur des Scheitelectoderms und der inneren Höhlendecke gegeben. Solange die beiden Hälften jeder Umbrellarplatte noch nicht mit- einander verschmolzen sind, stehen sie mit der sie trennenden Grenz- lamelle und durch diese mit der Basalmembran des Außenectoderms und des Subumbrellarepithels in Zusammenhang. Bei der Verschmel- zung schwindet natürlich die zwischenliegende Lamelle, und gleich- zeitig hebt sich das Außenektoderm vollständig von der Umbrellarplatte ab, wogegen das Subumbrellarepithel ihr und den Radialkanälen eng angeschlossen bleibt. An der fertigen Meduse zeigt sich alsdann sehr deutlich, daß das Subumbrellarepithel, wie es F. E. Schulze von Syn- coryne beschrieb, nur mit den Radialkanälen und den interradialen Nähten der Umbrellarplatten fest verbunden ist, dazwischen aber sich von den letzteren abheben kann, wodurch die acht, von Schulze als »Cölom« gedeuteten Räume entstehen (Fig. 63). Warum die vier radialen Verbindungen längs den Kanälen entstehen, ist nicht ohne weiteres zu verstehen, wenn nicht etwa die radialen Muskeln (s. u.) mit im Spiele sind; dagegen ist es höchst wahrscheinhch, daß die interradialen Verbindungen des Subumbrellarepithels eine Fortsetzung seiner ursprünglichen Zusammenhänge mit den interradialen Grenz - lamellen und folglich mit den Nahtstellen der Umbrellarplatten sind. Jene subepithelialen Räume der Subumbrella hören natürlich an der Wurzel des Manubrium auf, da das Subumbrellarepithel dort sich auf den Spadix umschlägt und mit ihm an der ganzen Fläche verbunden bleibt. Indem die Bildung der Umbrellarplatte abwärts fortschreitet, ge- langt sie zuletzt bis zwischen die Basen der Radialkanäle, wo sie sich merklich verschmälert, weil die letzteren gegen den Magen zusammen- rücken und dort an ihrem Ursprung breiter sind als in der übrigen Umbrella. An Querdurchschnitten, die auf einer Seite noch die Basen der Kanäle, auf der andern Seite aber schon deren Fortsetzung, die 19 Täniolenfalten und Magenrinnen, getroffen haben, erkennt man ohne weiteres, daß die Flügel der Radialschläuche oder eben die Anlagen der Umbrellarplatten in entsprechende, aber noch auseinanderstehende Kanten der Magenrinnen, und diese Kanten weiter abwärts samt den verstreichenden Täniolen in das glatte Magenentoderm auslaufen (Fig. 43 — 45). Bei der fortschreitenden Einbeziehung der Täniolen und Rinnen in die Bildung der umbrellaren Entodermteile gelangt die Umbrellarplatte schließlich auch bis zu jenem indifferenten Magenento- derm und trennt dadurch die Subumbrellarzipfel, die vorher in den Täniolenfalten noch das Außenectoderni berühren konnten, vollständig von diesem letzteren. Damit hört, wie wir sehen werden, jede Bedeutung dieser Zipfel auf. Bemerkenswerterweise ist aber diese völlige Ab- drängung des Glockenkerns vom exumbrellaren Außenectoderm eine relativ späte Erscheinung. Sonstige Einzelheiten in der Ausbildung der Meduse sollen hier nur kurz erwähnt werden. — Die Lichtung des Manubrium wird vier- kantig, indem die Täniolenbildung des Magens sich auf dem beschrie- benen, interradialen Wege auf den Spadix fortsetzt und allmählich bis zur Spitze des Manubrium vorrückt (Fig. 52, 63). Den tiefen Buchten zwischen den Täniolen entsprechen am oralen Ende des Manubrium äußere, radiale Kanten, die noch vor dem Durchbruch des Mundes in die vier ectodermalen sogenannten »Mundtentakel« auslaufen (Fig. 58). -^ Bald nach der Fertigstellung des Velum verdickt sich das Ectoderm jedes Randwulstes dicht über dem Velum zu einem vorspringenden Polster, das den Ocellarbildungen andrer Medusen entspricht, aber, wie schon die älteren Beobachter (Allman, Grobben) feststellten, keine Ocellen entwickelt (Fig. 58). Das Gewebe dieser Polster scheint sich von demjenigen der sich anschließenden Nervenringe wenig zu unterscheiden. Den histiologischen Bau der subumbrellaren Muskeln haben 0. und R. Hertwig eingehend beschrieben (Nr. 44, S. 7 — 10), aber über die Entwicklung dieses Gewebes nichts angegeben; es sei daher hier das mitgeteilt, was ich darüber zu beobachten Gelegenheit hatte. An den älteren Medusenknospen von Podocoryne carnea trennen sich die der Glockenhöhle zugewandten und kernhaltigen Zellenhälften des Sub- umbrellarepithels so voneinander, daß sie als freie Zäpfchen oder Halb- kugeln aus den miteinander zusammenhängenden Basalteilen vorragen (Fig. 48, 51, 58). Nur längs der Radialkanäle erscheinen dieselben Zellen voneinander völlig getrennt. Betrachtet man dieses Gewebe an passenden Tangentialdurchschnitten älterer Knospen von der Fläche, 2* 20 so erscheint es zwischen den Radialkanälen aus queren Bändern zu- sammengesetzt, von denen jedes eine größere Anzahl von Kernen, also auch von den inneren kernhaltigen Zellenhälften, trägt und folglich aus einer Verschmelzung der zugehörigen basalen Hälften entstanden ist (Fig. 59). In den freien Medusen hegen diese Bänder dicht neben- einander und enthalten eine gewisse Anzahl von parallel und längs ver- laufenden Fibrillen, die natürhch nur Muskelfibrillen sein können, wenn- gleich eine Querstreifung nicht deuthch hervortrat. Die kernhaltigen Zellenhälften sind zu Plattenzellen geworden, die die Muskelbänder bedecken. Jedes der letzteren ist also aus einer größeren Zahl von basalen Zellenhälften entstanden und stellt eine Muskelfaser mit zahlreichen Fibrillen in einer gemeinsamen Grundsubstanz dar. Die den Radialkanälen ansitzenden Subumbrellarzellen bilden keine Bänder, sondern verwandeln sich anscheinend in Spindelzellen, deren Längsachse der Kanalachse parallel verläuft. Ihre Umbildung in Muskelelemente dürfte ähnhch verlaufen wie am Ringmuskel. Nachdem die reifende Medusenknospe ihr Periderm gesprengt hat, entfaltet sie ihre am Rande zusammengedrückte Umbrella zur vollen Glockenform und streckt die Tentakel aus. In diesem Zustande ver- weilt sie noch einige Zeit an ihrem kurzen Stiel ; dann schwindet dessen Entoderm und das Ectoderm schnürt sich in kurzem Abstand von der Glocke tief ein und zuletzt ganz durch, so daß die eben freigewordene Meduse einen spitzen, exumbrellaren Scheitelaufsatz trägt. B. Die Entstehung und Wanderung der Eizellen. Die Keimstätte der Eizellen. Nachdem Weismann in Über- einstimmung mit andern Beobachtern festgestellt hatte (Nr. 68, 69), daß bei den Hydropolypen die »Keimstätte«, d. h. die Stelle, wo ihre Keimzellen sich zuerst differenzieren, häufig von der »Reifungs- stätte« entfernt Hegt, so daß die Keimzellen, um zur letzteren zu ge- langen, Wanderungen auszuführen hätten, fand de Varenne bei Podo- coryne carnea die weibliche Keimstätte im Entoderm des Blastostyls, von wo sie in den Spadix einwanderten, um dort ihre Reife zu erlangen (Nr. 67, S. 648). Weismann erklärte dies für einen Irrtum, da bei unserm Polyp Eizellen nur ausnahmsweise im Blastostyl anzutreffen seien und ihre normale Keimstätte, vielmehr das Entoderm der Medusen- knospe, die »Keimzone«, d. h. der die Keimstätte enthaltende Ab- schnitt die proximale Hälfte der Knospe und die Reifungsstätte das 21 Ectoderm des Manubrium sei. Bunting schloß sich Weismann voll- ständig an. Die Vermutung Weismanns, daß die Eizellen, obwohl sie sich im Entoderm differenzierten, aus dorthin eingewanderten undiffe- renzierten Ectodermzellen (Urkeimzellen) der Knospen hervorgingen, wurde später von Ishikawa insofern bestätigt, als er im Ectoderm der Knospe ausnahmsweise ganz unzweifelhafte Eizellen antraf, woraus er schloß, daß die daneben sichtbaren kleinen dunklen Zellen die undifferenzierten Urkeimzellen seien, die, abgesehen von den eben angegebenen Ausnahmen, in der Regel in demselben indifferenten Zu- stande in das Entoderm einwanderten, um erst dort zu wirklichen Ei- zellen zu werden (Nr. 47). Nach meinen Untersuchungen über die Keimstätte der weiblichen Podocoryne carnea, die ich an Tausenden von Durchschnitten anstellte, muß ich die genannten Angaben fast durchweg berichtigen. Eizellen kommen außer im Entoderm der Knospe auch in deren Ectoderm vor, aber nicht ausnahmsweise, sondern recht häufig, an den verschiedensten Stellen und auf allen Entwicklungsstufen der Medusenknospe vor dem Erscheinen der Tentakel. Ich kann ferner die Ansicht Ishikawas, daß die kleinen, jedoch undifferenzierten Ectodermzellen der Knospen Urkeimzellen seien, die sich erst im Knospenentoderm zu Eizellen dif- ferenzierten, schon deshalb nicht bestätigen, weil ich die allerjüngsten differenzierten Eizellen außerhalb der Knospen im Ecto- derm des Blastostyls antraf, und zwar ebenfalls nicht als seltene Ausnahmen, sondern ständig. Innerhalb und außerhalb der Knospenzone junger Blastostyle, die erst ganz kleine Knospen trugen, ist das Ectoderm in einem nicht ganz schmalen, aber wohl nicht ganz ununterbrochenen Gürtel dadurch verdickt, daß sich in seiner Tiefe rundliche, eckige Zellen angesammelt haben, die durch ihr dunkleres Plasma und den vergrößerten hellen Kern jungen Eizellen gleichen und tatsächlich durch alle Übergänge mit unzweifelhaften größeren Eizellen in derselben Ectodermzone ver- bunden sind (Fig. 5, 9). Solche jüngste Eizellen habe ich gelegentlich auch in derselben Keimzone in das Entoderm einwandern sehen, wo dann entweder größere Eizellen an verschiedenen Stellen, bis ziemlich tief unterhalb der Knospungszone und anderseits bis in die jungen Knospen anzutreffen sind. Anderseits finde ich ebenso auf dem ganzen Wege von jener Ectodermzone des Blastostyls bis in das Ectoderm der Knospen an Größe zunehmende Eizellen, die erst dort ins Entoderm übertreten (Fig. 8 — 10). Bei der Leichtigkeit, mit der die Eizellen aus dem Ectoderm ins Entoderm und umgekehrt hinüberwandern 22 (s. GoETTE, Nr. 28, S. 354 Anm., Kleinenberg, Nr. 48, S. 329), können die bescliriebenen Bilder freilich nicht ohne weiteres so gedeutet werden, daß die Eizellen bis zum Manubrium hin nur vom Ectoderm in das Entoderm und nicht umgekehrt auswandern; die Tatsache jedoch, daß mit der fortschreitenden Entwicklung der Blastostyle und der Knospen die Eizellen im Ectoderm an Zahl abnehmen, dagegen im Entoderm der Knospen und namentlich in deren Manubrium zunehmen, beweist, daß die Einwanderung aus dem Ectoderm in das Entoderm zweifellos die Regel ist, und das Veröden der Keimstätte in den älteren Blasto- stylen beweist ferner, daß tatsächlich dort der Ausgangspunkt der Bildung und Wanderung der Eizellen ist. Aus diesen Tatsachen ergibt sich, 1) daß die Eizellen allerdings im Ectoderm entstehen (Ishikawa), aber nicht in demjenigen der Me- dusenknospe, sondern im Ectoderm des Blastostyls innerhalb und außer- halb der Knospungszone, 2) daß sie sich schon an dieser Stelle differen- zieren und ihre Entwicklung im Knospenectoderm fortsetzen. Mit andern Worten: in den weiblichen Stöcken von Podocoryne carnea befindet sich die Keimstätte nicht im Entoderm, sondern im Ectoderm, und die Keimzone nicht in der Me- dusenknospe, sondern im Blastostyl (Hydranth), und fällt dort im allgemeinen mit der Knospungszone zusammen. De Varenne hat also in der Bestimmung der Keimzone Recht, irrt aber in der Annahme, daß das Entoderm die Keimstätte sei. Weis- mann hat beides, Keimstätte und Keimzone unsrer Polypen unrichtig bestimmt. Grobbens Ansicht, daß Keim- und Reifungsstätte der Eizellen im Ectoderm des Manubrium vereinigt seien, war schon durch die Beobachtungen von de Varenne und Weismann widerlegt. Die Wanderung der Eizellen. Sobald es nun feststand, daß die Keimstätte der weiblichen Podocoryne von deren altbekannter Rci- fungsstätte im Ectoderm des Manubrium verschieden und entfernt ist, konnte es scheinen, daß die Eizellen dieses Polypen nur durch eine bestimmt vorgezeichnete Wanderung an ihr letztes Ziel zu gelangen vermochten. So hat denn auch Weismann gerade für die weibhche Podocoryne ganz bestimmte Angaben über diese Wanderung gemacht (Nr. 70, S. 68). Bis zur Vorstülpung des Spadix lägen die Eizellen aus- schHeßlich im Entoderm der Knospe, zuerst in der Seitenwand, von wo aus sie aufwärts in die Basis der Radialkanäle einwanderten und dies6 umkreisend in die Spadixplatten gelangten. Nach der Erhebung dieser Platte zum Spadix durchsetzten die Eizellen die Grenzlamelle und gelangten in das Ectoderm des Manubrium, in dess6n proximaler 23 Hälfte sie sich in vier interradialen Längsstreifen oder eben den Ovarien anordneten (a. a. 0. S. 69). Diese Wanderung vollzieht sich nach Weismann in einer ganz bestimmten Ordnung (a. a. 0. S. 270 — 279). Erstens soll die Bewegung in einem bestimmten Reifezustande der Eizellen beginnen. Dies wird aber durch meine Beobachtungen widerlegt. Denn ich sah ebenso kleinste, halbdifferenzierte, wie größere Eizellen aus der ectodermalen Keimstätte in das Entoderm übertreten, und anderseits sehr viel größere und reifere Eizellen noch in jener Keimstätte zurückbleiben. Dies scheinen die größeren Eizellen zu bestätigen, die man an der untersten Grenze der Keimzone, also offenbar unmittelbar neben ihrer ectodermalen Ursprungsstätte im Entoderm antrifft. Denn entweder haben sie die letztere eben erst, also ebenfalls auf einer vorgerückten Entwicklungsstufe verlassen — was ich für das Wahrscheinliche halte — oder sie taten es allerdings im jüngsten Alter, haben aber alsdann die kaum begonnene Wanderung unterbrochen, um ruhend zu wachsen; das eine wie das andre widerspricht aber der Annahme Weismanns. Die Wanderung der Eizellen beginnt also nicht in einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Differenzierung, sondern es setzen sich bald jüngere, bald ältere Eizellen in Bewegung. Zweitens soll nach Weismann die »Marschroute« der Eizellen ganz genau vorgeschrieben sein, wie es namentlich bei Podocoryne deutlich hervortrete, wo alle Eizellen von demselben Ort, dem Magenentoderm der Knospe, herkommen und nach demselben Punkt, dem Ectoderm des Manubrium, hinwandern, keine von ihnen zurückbleibt oder einen andern Weg einschlägt (Nr. 70, S. 270). Daher verläßt auch die Eizelle die Körperschicht, in der sie wandert, nicht willkürlich hier und dort, sondern nur an ganz bestimmten Stellen (a. a. 0. S. 275, 278). — Eine solche bestimmte Marschroute der Eizellen bis zu ihrem definitiven Ziel, dem ectodermalen Überzug des Manubrium, existiert jedoch nach meinen Untersuchungen nicht; es gibt vielmehr mehrere derartige Wege. Vor allem beginnt die Marschroute, wie wir sahen, überhaupt nicht im Magenentoderm der Knospe, sondern der Ausgangspunkt ist die ectodermale Keimzone im Blastostyl, so daß der WEiSMANNschen Marsch- route unter allen Umständen der Übergang der bereits im Ectoderm differenzierten Eizellen in das Entoderm vorauszugehen hätte. Damit beginnt aber schon eine erste Divergenz der verschiedenen Wege. Denn jener Übergang der Eizellen aus einer Körperschicht in die andre erfolgt nicht an ganz bestimmten, sondern an 24 den verschiedensten Stellen von der Keimzone iniBlastostyl an bis zum Niveau des Spadix in der Knospe hinauf. Auf dieser ganzen Strecke trifft man unverkennbare Eizellen in beiden Schichten, dem Ectoderm und dem Entoderm, und gelegentlich den Übergang selbst (Fig. 4—10, 15, 22). Es ist nun allerdings eine Tatsache, daß die meisten Eizellen im Magenentoderm der Knospe und später im Spadix anzutreffen sind (Fig. 26, 28, 29, 34, 35, 39, 47), so daß naturgemäß die Strecke zwischen diesen beiden Teilen zuerst zu untersuchen wäre. — Nach Weismann geht der einzige auf dieser Strecke von den Eizellen benutzte Weg vom Magenentoderm durch die Basen der Radialkanäle und ihre Lichtung umkreisend in die Spadixplatte, so daß eine Einwanderung dorthin vor der Bildung der Radialkanäle, also während der angeblichen Existenz der primären Entodermlamelle überhaupt nicht stattfinde, und später die Interradien vermieden würden. Diese Annahme war aber nur die Folge der irrigen Vorstellung von der ersten Entwicklung der Medusen- knospen. Wäre jene Entodermlamelle wirklich vorhanden, so fehlte natürlich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Magenento- derm und der Spadixplatte, also auch die Möglichkeit eines direkten Übergangs aus dem ersteren in diese Platte, und konnte scheinbar nur durch die später entstehenden Radialkanäle hergestellt werden (S. 11). Und wenn anderseits zugleich mit diesen Kanälen die die Interradien verschließenden sekundären Entodermlamellen (Umbrellarplatten) ent- ständen, in denen allerdings niemals Eizellen anzutreffen sind, so blieb eben nichts andres übrig als jenen von Weismann angegebenen Weg für den allein benutzten zu erklären. Mit den irrigen Voraussetzungen dieser Vorstellung fallen aber natürlich auch die daran geknüpften Schlußfolgerungen. Da vom ersten Anfang der Medusenbildung an statt der legendären primären Entodermlamelle die vier Radial- schläuche und zwischen und unter ihnen die beschriebenen direkten Übergänge vom Magenentoderm zur Spadixplatte existieren (s. S. 12), so stehen den im Magenentoderm befindlichen Eizellen diese beiden Wege, durch die Radialschläuche und die inter- radialen Brücken zu jeder Zeit offen und werden von ihnen auch tatsächlich benutzt. Prüfen wir zuerst den durch die Basen der Radialschläuche (Radial- kanäle aut.) führenden Weg. Daß er häufig eingeschlagen wird, unter- liegt keinem Zweifel, da die Eizellen dort leicht nachzuweisen sind (Fig. 34, 40). Wenn aber Weismann weiter angibt, daß sie in den Basen angelangt die Kanäle umkreisen, so kann dies wohl nur so ver- 25 standen werden, daß sie, wie es am Ende die von ihm bevorzugten Längsdurclischnitte nahelegen, vorherrschend in der Außenwand der Kanäle anlangen und dann sie umkreisend in deren Innenwand geraten. Dem muß ich aber nach meinen Befunden widersprechen und zwar im besonderen Hinblick auf die später ersichtliche grundsätzliche Bedeu- tung dieser Frage. Tatsächlich habe ich in meinen zahlreichen Durch- schnitten nur zweimal eine Eizelle mitten in der Außenwand eines Radialschlauches gesehen, die also den letzteren hätte umkreisen müssen, um ihr normales Ziel zu erreichen, während Eizellen in den Rändern und der Innenwand der Schlauchbasen eine häufige Erschei- nung sind (Fig. 31, 40, 47). Daß aber diese Eizellen nicht aus der Außenwand, sondern von unten her an jene Plätze gelangten, und daß folglich die zwei Eizellen in der Außenwand von Radialschläuchen wirklich Ausnahmen sind, geht aus den folgenden Beobachtungen hervor. In der proximalen Hälfte der Knospe bis zum Anfang der Täniolen oder Falten trifft man die Eizellen in jedem beliebigen Meridian (Fig. 15) ; von jenem Punkt an verteilen sie sich allmählich auf die soliden und später faltenförmigen Täniolen, um in diesen aufwärts zu wandern (Fig. 32, 44). Nun gehen diese Falten, wie ich schon beschrieb, so in die Radialschläuche über, daß sie sich paarweise über einer Magenrinne verbinden und dadurch die Innen wand des Schlauches herstellen, während die zwischen je zwei solchen Schlußstellen befindlichen breiten Falten- ränder interradial unmittelbar in den Spadix aufsteigen. So versteht es sich, daß die Eizellen des Magenentoderms allerdings sehr häufig in die Basen der Radialschläuche, aber regelmäßig ohne sie zu umkreisen in deren Kanten oder deren Innenwand gelangen, die ja direkt in die Spadixplatte oder den Spadix übergehen (Fig. 28, 39, 47). Dies könnte auf den ersten Blick als eine recht unwesentliche Kor- rektur des von Weismann angegebenen Weges erscheinen; bedeutsam ist aber der Umstand, daß die oben beschriebene Bahn eigentlich eine interradiale ist, und daß sie nicht nur durch die seitlichen Faltenblätter der Täniolen in die Radialschläuche, sondern auch durch die Falten- ränder unter Umgehung der Schläuche geradenwegs zur Spadixplatte führt. Und tatsächlich benutzen, wie ich sehe, recht viele Eizellen des Magenentoderms diesen zweiten Weg, so daß dabei von einer Ausnahme gar nicht die Rede sein kann; um so weniger, als dies nicht die einzige Abweichung von der WEiSMANNSchen Marschroute ist. Von allen Eizellen, die von ihrer Keimstätte im Blastostyl an im Ectoderm weiter wandern und so in die Knospen gelangen, treten an- scheinend die meisten in der proximalen Hälfte der letzteren in das 26 platte Magenentoderm über, um dann einen der beschriebenen Wege zu ihrer Reifungsstätte einzuschlagen. Ein Teil von ihnen verbleibt aber noch weiter im Ectoderm und begibt sich dabei ebenso wie die Gefährten im Entoderm in die Interradien, um sie nicht wieder zu ver- lassen (Fig. 33, 44). Einige traf ich neben den offenen Faltenbuchten und gegen sie vorspringend, so daß die Annahme nahe genug liegt, daß sie dort das Ectoderm verlassen und in die Faltenbucht einrücken. In der Tat finden sich auch verhältnismäßig oft Eizellen, die in jenen Buchten ganz frei zwischen den beiden Faltenblättern aufwärts wandern, also sich genau auf demselben Wege befinden, auf dem die ectodermalen »Subumbrellarzipfel« hinabwachsen (Fig. 32, 40). Es ist daher auch nicht wunderbar, daß beide Teile zusammenstoßen, und die Eizellen dann unter Umgehung des Spadix direkt in die Zipfel und somit in das sich in sie fortsetzende Ectoderm des Manubrium einrücken, wie ich es mehrfach sah (Fig. 39, 46). Daneben dringen andre Eizellen in der Innenwand der Radialschläuche bis über die Spadixplatte oder die Basis des Spadix hinaus vor, um dann ebenfalls unter Umgehung des Spadix in ihre definitive Reifungsstätte, den Boden des Glocken- kerns oder den Überzug des Manubrium, überzutreten (Fig. 31). Nach diesen Befunden würde also eine nicht geringe Anzahl von Eizellen vom Außenectoderm der Knospe durch die interradialen Zwi- schenräume der täniolaren Faltenblätter und der Radialschläuche ihre ectodermale Reifungsstätte direkt erreichen, ohne das Entoderm zu durchsetzen. Allerdings könnten manche Einwendungen dagegen erhoben werden. Eine solche könnte einmal den folgenden von mir gemachten Beobachtungen entnommen werden. Gelegentlich habe ich einige Eizellen im Ectoderm der Knospe noch höher hinauf als in den schon besprochenen Fällen und zwar wieder in den Interradien an- getroffen, so in der mittleren Höhe der Glockenhöhle, ja selbst mehr als einmal zwischen den Basen der Randwülste (Fig. 33, 57). Daß diese »verirrten« Eizellen dennoch imstande gewesen wären, auf ge- wissen Umwegen zu ihrem normalen Ziel zurückzukehren, an dem sie dicht vorbei gewandert waren, halte ich für unwahrscheinlich und glaube vielmehr, daß sie früher oder später in der Umbrella zugrunde gehen. Daraus könnte man vielleicht schließen wollen, daß auch die bis an die Faltenbuchten der Täniolen im Ectoderm vorgedrungenen Eizellen demselben Schicksal entgegengingen und gar nicht zum Über- tritt in das Manubrium bestimmt wären. Dagegen ist aber zu bemerken, daß unter dieser Voraussetzung recht viele Eizellen in den distalen Abschnitten der Umbrella angetroffen werden müßten, was jedoch 27 nicht der Fall ist ; wogegen der Übergang der fraglichen Eizellen aus dem Außenectoderm in die Faltenbuchten teils direkt beobachtet werden kann und anderseits durch die in den Buchten vorkommenden gleichen Eizellen sehr wahrscheinlich wird. Weiter könnte eingewendet werden, daß die zuletzt genannten Eizellen, statt aus dem Ectoderm zu kommen, ebenso gut sich aus dem Epithelverband des anliegenden Entoderms herausgelöst haben könnten. Wenn ich aber auch diesen Einwand gelten lassen wollte, so wäre er doch für die allgemeine Frage nach den Wanderungs wegen der Eizellen von geringer Bedeutung, weil der nachweisbare Übertritt derselben aus den Faltenbuchten in die Subumbrellarzipfel unter allen Umständen einen neuen Weg bezeichnete. Auf der andern Seite kann ich als ein schwer wiegendes Indicium gegen jenen Einwand und für meine erste Darstellung hier schon anführen, daß bei den männlichen Medusen von Podocoryne carnea der Weg der Keimzellen aus dem Außenectoderm in das Manubrium ausschließlich durch die Subumbrellarzipfel führt (s. u.). Es dürfte also dieser selbe Weg auch von den Eizellen häufiger benutzt werden, als es gelingt, ihren Übertritt aus dem Außenectoderm in die Subumbrellarzipfel unmittelbar zu beobachten. So gelangen wir also zum Ergebnis, daß die in die Medusen - knospe einwandernden Eizellen mindestens vier verschie- deneWege einschlagen: Magenentoderm, Basen der Radialschläuche, Spadix, Ectoderm des Manubrium — Magenentoderm, Spadix, Ecto- derm des Manubrium — Magenentoderm, Radialschläuche, Ectoderm des Manubrium — Außenectoderm, Ectoderm des Manubrium. Da- neben kommen nicht selten verirrte Eizellen vor, die ihr Ziel überhaupt nicht erreichen, wozu außer den im Außenectoderm verbleibenden noch andre gehören mögen, die in den Radialschläuchen zu hoch hinauf- steigen (Fig. 47), was ja schon de Varenne annahm. Damit ist aber die Frage nach der Wanderung der Eizellen keines- wegs erledigt. Da Weismann die ersten Eizellen in solchen Medusen- knospen von Podocoryne &ntTSii, an denen die Bildung des Glockenkerns bereits begonnen hatte (Nr. 70, S. 67), und folglich seine Vorstellung von der Wanderung der Eizellen sich nur auf die Befunde an solchen und älteren Knospen stützte, so beschränkte sich meine abweichende Darstellung bisher auf dieselben Entwicklungsstufen. Nun kommt aber hinzu, daß, wie ich nachgewiesen habe, die Keimzone der weiblichen Podocoryne sich nicht in den Medusenknospen, sondern im Blastostyl befindet, und daß daher Eizellen schon in die aller jüngsten Knospen 28 einwandern können, und zwar unter Umständen, die ein neues Moment zu der ganzen Frage liefern. Da die Keimzone in der Regel teilweise, oft aber auch ganz mit der Knospungszone zusammenfällt, befinden sich deren Eizellen, ob sie nun im Ectoderm oder im Entoderm liegen, meist schon an denselben Stellen, wo erfahrungsmäßig Knospen hervorwachsen. Sobald letzteres geschieht, gelangen die im Bereich der Ausstülpung gelegenen Eizellen ganz passiv in die Knospe, teils sofort, teils im weiteren Verlauf des Ausstülpungsvorgangs. Und die Erfahrung lehrt, daß dieser frühe Import von Eizellen in die Knospen keine Ausnahme, sondern eine häufige Erscheinung ist (Fig. 4, 6, 7). Natürlich hängt es vom Zufall ab, an welche Stelle der Knospe die einzelne Eizelle durch jene passive Einfuhr gerät. Sind es die Seitenteile der Knospe, so können sich die schon beschriebenen verschiedenen Wege zur Reifungsstätte anschließen; ist es aber der Scheitel der Knospe, so ist jede weitere Wanderung der Eizelle ausgeschlossen. Denn der Scheitel des Entoderms wird ja durch die weitere Entwicklung der Knospe zur Spadixplatte und zum Spadix, von dem die Eizellen nur noch in das anliegende Ectoderm des Manu- brium überzutreten haben; und der Scheitel des Ectoderms derselben jüngsten Knospen enthält in seiner tieferen Schicht, wo die importierten Eizellen normalerweise lagern, die Anlage des Glockenkerngrundes oder des Manubriumectoderms selbst i. Kurz, neben den gewöhnlichen Wanderungen derEizellen YonPodocoryne zu ihrer Reifungs- stätte gibt es noch einen rein passiven Import derselben bis an ihrletztesZiel, wobei alle beschriebenen Wege ausgeschlossen sind, und als einziges Movens der Ortsveränderung bei völliger Ruhe der Eizellen das Wachstum und die Entwicklungsvorgänge der Knospe erscheinen. Dies lenkt aber unsere Aufmerksamkeit notwendig auf Die Ursachen der Wanderung der Eizellen. Wir sahen, daß Weismann gerade für Podocoryne eine völlig gebundene Marsch- route für die zu ihrem Ziel hinwandernden Eizellen annahm (S. 23). Zur Erklärung dieser merkwürdigen Erscheinung stützte er sich teil- weise auf seine Theorie der Keimstätteverschiebung und teils auf die analogen Erscheinungen bei den Wandervögeln und Wanderzellen. Nach jener Theorie fiel ursprünglich bei allen vollkommenen Hydro- medusen die Keimstätte mit der Reifungsstätte im Ectoderm des Manu- brium zusammen; dort ordneten sich die Eizellen in den vier Interradien 1 Bei den später zu beschreibenden Medusen von Pennaria cavolinii ist diese passive Verlagerung der Eizellen sogar meistens der einzige Weg zu ihrer Reifungs- stättc. 29 an, nicht durch passive Wachstumsbewegungen, sondern vermittels einer Eigenbewegung »als Reaktion auf feinste Druckempfindungen« (Nr. 70 S. 278, 279), was an einer andern Stelle als »Willen oder Be- wegungsinstinkt der Zellen« bezeichnet wird (S. 276). Dann begann aber eine phyletische Verschiebung der Keimstätte rückwärts, bei Podocoryne insbesondere in das Magenentoderm der Knospe, während die Reifungs- stätte dieselbe blieb. Mit dieser Verschiebung entwickelte sich »die Gewohnheit der Keimzellen^ gewisse Zeit nach ihrer Differenzierung wieder nach der althergebrachten Reifungsstätte zurückzukehren und diese Gewohnheit vererbte sich« (S. 272). Mit diesem vererbten Be- wegungsinstinkt vermochten sie ihr Ziel, die Reifungsstätte, zu erreichen, indem sie »die Direktion instinktiv in sich tragen« (S. 275). Die Voraussetzung Weismanns, daß alle Eizellen von Podocoryne durch aktive Wanderung von demselben Punkte und stets auf einem einzigen Wege zur Reifungsstätte gelangen, hat sich allerdings als irrig erwiesen, indem einige Eizellen dieses Ziel ganz passiv, ohne jede Eigenbewegung, die Mehrzahl immerhin auf mehreren verschiedenen Wegen erreichen. Dies macht aber die angegebene Hypothese noch nicht von vornherein gegenstandslos, da eben für jene Mehrzahl von Eizellen eine bestimmt gerichtete Eigenbewegung nicht schlechthin in Abrede gestellt werden kann. Doch ist für eine vollständige Klärung dieser Erscheinungen der Vergleich mit allen analogen Vorkommnissen bei andern Hydropolypen unerläßlich; und daher beschränke ich mich hier auf diejenigen Punkte, die sich aus der Entwicklungsgeschichte der Medusen und den Schicksalen ihrer Eizellen bei Podocoryne carnea erläutern lassen. Über die passive Ortsveränderung derjenigen Eizellen, die nach meinen Befunden von ihrer ectodermalen Keimstätte im Blasto- styl unmittelbar zum Scheitel der Knospe emporgehoben werden, bleibt hier nicht viel zu sagen übrig. Die Wachstumsbewegung des Ecto- derms, die sie an jene Stelle bringt, verlagert sie auch weiterhin an das letzte Ziel, das Ectoderm des Manubrium (S. 28); eine Eigenbewegung derselben wäre dazu nicht nur überflüssig, sondern würde sie vermuthch bloß von der normalen Bahn ablenken. Dasselbe gilt für die, wie es scheint, noch häufigeren Fälle, in denen die Eizellen denselben Weg im Entoderm zurücklegen, wobei nur der gleich näher zu beschreibende Übergang aus einer Körperschicht des Blastostyls und der Knospe in die andre Schicht am Anfang und Ende des Weges eine Ausnahme von der passiven Ortsveränderung zu bilden scheint. Daß nun aber bei allen diesen passiven Transporten der Eizellen nicht bloß die Wachs- 30 tumsbewegung der Knospe an sich wirksam ist, liegt auf der Hand; denn das Einhalten des normalen Weges bis zu dem stets gleichen Ziel ist ein Erfolg der richtenden Tätigkeit der bestimmten und stets gleichen Entwicklungsvorgänge (Formbildung der Knospe, des Glocken- kerns, des Manubrium), also derjenigen Bedingungen, die nicht nur die Formbildung eines Körperteils, eines Organs, sondern auch den Trans- port und die definitive Lagerung der einzelnen Zellen bestimmen. Ich behalte dafür den schon vor Jahren von mir gebrauchten Ausdruck »Formbedingungen«. Für die aktive Ortsveränderung der Eizellen sprechen zunächst ihre häufigen Übergänge aus einer Körperschicht in die andre. Nach- dem ich selbst die Eizellen von Eudendrium in beiden Körperschichten des Polypen angetroffen (Nr. 28) und Kleinenberg am lebenden Objekt nachgewiesen hatte, daß sie aus dem Ectoderm ins Entoderm und zurück wandern (Nr. 48), wird diese Tatsache überall dort aner- kannt, wo die Eizellen in beiden Körperschichten angetroffen werden. Aber gerade jene einzigen unmittelbaren Beobachtungen von Kleinen- berg beweisen schon, daß jener aktive Wechsel der Lagerstätte der Eizellen mit einer gebundenen Marschroute nichts zu tun hat, und meine Beobachtungen an Podocoryne bestätigen dies auf das vollständigste, da der Wechsel an verschiedenen Stellen erfolgen oder ganz unterbleiben kann (S. 23, 26). Dagegen ist er zweifellos der sicherste Beweis für die Fähigkeit wenigstens junger Eizellen zu aktiven Ortsveränderungen, die denn auch während der eigentlichen Wanderungen der ersteren in der Knospe ohne weiteres zugegeben werden müssen. Nur läßt sich eine gleichzeitige Konkurrenz der passiven Ortsveränderung durch die wach- senden Körperschichten und Teile der Knospe gar nicht in Abrede stellen. Denn dieses Bewegungsmoment, das bei der Ortsveränderung der ersten apicalen Eizellen sich als das ausschließliche ergab, bleibt natürlich und nachweislich auch während der Wanderung der etwas später in die Knospen eingetretenen Eizellen in Wirksamkeit und muß daher notwendigerweise auch die Eigenbewegung der letzteren beein- flussen. Da nun vollends die Wachstumsbewegung der jüngsten Knospen tatsächlich distalwärts vom Blastostyl, also genau ebenso gerichtet ist, wie die Wanderung jener Eizellen, so fehlt jede Nötigung, ihnen für diese Richtung einen besonderen »Instinkt« zuzuschreiben, statt ein- lach in der bestimmten Bewegung der Knospenmasse eine Direktion, eine erste »Formbedingung« für die Selbstbewegung der einzelnen Ei- zelle anzuerkennen. Und nicht anders liegt die Sache während der weiteren Wanderung 31 derselben Zellen. Anfangs ist sie, wie ich hervorhob, einfach distal- wärts gerichtet, ohne Bevorzugung einzelner Meridiane der Knospe (S. 25). Weiter oben werden aber die im Entoderm befindlichen Eizellen in die Täniolen abgelenkt, wofür mir der Grund sehr nahe zu liegen scheint; denn die interradialen Täniolen bedeuten zweifellos Wachs- tumsmaxima, gegen die ein Teil der Wachstumsbewegung der benach- barten radialen Streifen abgelenkt sein muß, was wiederum eine neue Formbedingung für die gleichsinnige Ablenkung der etwa in den Radien aufsteigenden Eizellen darstellt. Allerdings kommen seltene Ausnahmen vor, wo eine solche Ablenkung unterbleibt (S. 25) ; diese wie die übrigen fehlgegangenen Eizellen beweisen aber nicht mehr als sonstige Aus- nahmen, daß nämHch die Regel im organischen Geschehen eben kein starres Prinzip ist. Einmal in den Täniolen angelangt, werden die Eizellen in einfachster Weise dadurch in die Spadixplatte oder den Spadix übergeführt, daß die Täniolen in diese letzteren Entodermteile einbezogen werden und deren Wachstum unterhalten (S. 14). So erklärt sich gerade die von Weismann allein angenommene Marschroute der Eizellen im Entoderm der Knospe in einfachster und natürlichster Weise: sie werden wesentlich passiv, also mechanisch vor- geschoben und durch die gesetz- und regelmäßigen Formbedingungen der Knospenentwicklung wiederum rein mechanisch in die bestimmte, zum Manubrium führende Richtung gebracht und darin erhalten, ohne daß irgendeine und gar jene Hypothese vom Instinkt der Eizellen sich vernotwendigte. — Allerdings ist der letzte Schritt ihrer Wanderung, der Übergang aus dem Spadix oder den Radialschläuchen in das Ecto- derm des Manubrium noch unerwähnt geblieben. Eine mechanische Erklärung für diesen Vorgang kann ich hier noch nicht geben, weil es dazu umfassender Vergleiche mit analogen Erscheinungen bei andern Hydropolypen bedarf, was erst am Schluß dieser Arbeit ausgeführt werden kann. Es genügt aber auch vorläufig die Überlegung, daß, wenn jene Hypothese vom Instinkt der Eizellen sich für ihre ganze übrige Wanderung als völlig überflüssig erweist, es an jedem Motiv fehlt, sie für jenen letzten Akt in Anspruch zu nehmen. Denn nicht die Bewegung der Eizellen an sich verlangte eine Erklärung, sondern ihr regelmäßiger Weg bis an das Manubrium-Ectoderm; und dafür liegt nunmehr eine genügende sachliche Erklärung vor. Vollends unzulässig erscheint endlich jene Hypothese durch den Umstand, daß dabei überhaupt nur ein Teil aller in die Knospen ge- langender Eizellen in Betracht kommt. Denn der Weismann allein bekannt gewordene Weg derselben durch das Entoderm wird von allen 32 den Eizellen vermieden^ die entweder von der Keinizone aus in das Scheitelectoderm der Knospe und von da in das Manubrium rein passiv verlagert werden, oder aus dem Aui3enectoderm der Knospe direkt in die ectodermalen Subumbrellarzipfel übertreten. Auch, ist es leicht verständlich, daß diese letzteren Eizellen ebenso wie die im Entoderni wandernden lediglich durch die Formbedingungen der wachsenden Knospe dirigiert werden. Ihr Einrücken in die Interradien des Außen- ectoderms wird dadurch bedingt, daß dieses den entodermalen Täniolen entsprechend sich in mehr oder weniger vorspringenden interradiale Leisten verdickt und die Eizellen daher ebenfalls dorthin ablenkt (Fig. 32, 33); und dann bieten die offenen Täniolenfalten den ihnen gegenüberliegenden Eizellen einen natürhchen locus minoris resistentiae, in den sie hineinschlüpfen und dabei auch schon auf die Subumbrellar- zipfel stoßen, in die sie alsdann auch wirklich eintreten. Wie m.an sieht, findet sich unter den tatsächlich beobachteten Vorgängen während der Wanderung der Eizellen kein Punkt, wo die Hypothese Weismanns irgendwie notwendig erschiene. Ja, selbst wenn eine natürliche und empirische Erklärung des einzelnen Vorgangs ganz fehlte, bliebe jene Hypothese schon deshalb bedenkHch, weil der an- gebliche Instinkt der Eizellen gar nicht als ein stets und gleich wirkender gedacht werden könnte. Was veranlaßt ihn denn völlig zu ruhen, wenn die Lage einer Eizelle in der Keimzone sie dazu bestimmt, an den Scheitel einer Knospe gehoben zu werden, da er von diesen erst bevorstehenden Lagebeziehungen doch nicht schon beeinflußt sein kann? Was veranlaßt ihn in den übrigen Fällen unter den mehrfachen, gleichzeitig offen- stehenden und auch wirklich benutzten Wegen einen zu wählen und sich diesem besonders anzupassen? Anderseits ist es leicht zu verstehen, warum Weismann das Be- dürfnis empfand, seine Hypothese aufzustellen. Er kannte nur die wirklich wandernden und sich scheinbar genau an einen einzigen Weg haltenden Eizellen, deren Ziel ihm zudem ihre ursprüngliche Keimstätte zu sein schien. Eine solche merkwürdig geregelte und deternünierte Wanderung mochte ohne eine noch so gewagte Hypothese völlig un- erklärlich erscheinen. Mit dem Bekanntwerden der tatsächlichen Vor- gänge, der Passivität eines Teils der Eizellen, der verschiedenen W^ege der übrigen wandernden Eizellen und der sie dabei leitenden Knospen- entwicklung wird die Hypothese, wie so oft in ähnlichen Fällen, über- flüssig und selbst unmöglich. Trotz allem könnte es immer noch Avunderbar, d. h. erklärungs- bedürftig erscheinen, daß die von mir angeführten Formbedingungen 33 des Wachstums und der Entwicklung der Medusenknospen von Podo- coryne carnea sowohl bei der aktiven wie der passiven Ortsveränderung der Eizellen und auf den verschiedensten von ihnen eingeschlagenen Wegen stets denselben Erfolg erzielen. Ich glaube aber, daß dies nicht wunderbarer ist als jede andre ständige Einrichtung eines Organismus und sich wie überall dadurch erklärt, daß die Ursachen der fraglichen Erscheinung, hier also die genannten Formbedingungen, stammes- geschichtlich und allmählich fixiert sind. Diese Auskunft ist natüi'lich erst dann wirklich befriedigend, wenn diese stammesgeschichtliche Ent- wicklung veranschaulicht werden kann, wie es für die Hydromedusen in einem späteren Abschnitt geschehen soll. Hier muß vorläufig die Einsicht genügen, daß die Erklärung der einzelnen Ontogenese nicht in ihr allein gesucht, sondern nur von einer vergleichenden Entwick- lungsgeschichte aller verwandten Formen erwartet werden kann. Die wandernden Eizellen von Poc?ocor?/we carwea bewegen sich teils aktiv, teils werden sie durch das Wachstum der sie enthaltenden Knospenteile passiv fortbewegt. Dabei erreichen sie normalerweise auf den verschiedensten Wegen dasselbe Ziel, das Ectoderm des Manubrium, nicht durch irgendeinen Instinkt, sondern nur dadurch, daß die me- chanischen Formbedingungen der Knospenentwicklung die Bewegung überall auf jenes gemeinsame Ziel richten. Auch für die interradiale Anordnung der Eizellen im Ectoderm des Manubrium wollte Weismann den Instinkt verantwortlich machen (S. 28, 29). Man wird aber über die wirklichen Ursachen dieser Anordnung nicht im Zweifel sein, wenn man weiß, daß beinahe alle Eizellen in den Interradien dahin gelangen und ebendort sich alsbald die interradialen Täniolen des Manubrium entwickeln, deren richtende Tätigkeit nur dieselbe sein kann wie im Magenentoderm (Fig. 48, 49, 52). C. Die Entstehung der Hoden. De Varenne hat die Keimstätte der männlichen Geschlechtszellen von Podocoryne ebenso wie diejenige der Eizellen im Entoderm des Blastostyls zu sehen geglaubt (Nr. 67, S. 674). Weismann bestritt dies und gab an (Nr. 70, S. 70), daß die Samenzellen unsrer Medusen erst im Ectoderm des Manubrium entstehen und zwar so, daß einzelne Zellen dieses anfangs einschichtigen und indifferenten Epithels anschwellen und einen vergrößerten Kern mit dunklerem Nucleolus bekommen; durch 3 34 die rasche Vermehrung dieser Zellen entstehen dann die mehrfach ge- schichteten interradialen Hoden. Thallwitz glaubte Weismanx be- stätigen zu können (Nr. 65, S. 424). — Nach meinen Befunden ist der Widerspruch Weismanns gegen de Varenne durchaus berechtigt; von einer Einwanderung der Samenzellen aus dem Spadix in dessen ectodermalen Überzug habe ich nirgends eine Spur gesehen. Aber auch Weismanns und Thallwitzs positive Angabe kann ich nicht bestätigen. Nachdem das Manubrium in den männüchen Medusenknospen an- gelegt ist, bleibt sein ectodermaler Überzug noch einige Zeit einschichtig ; doch platten sich seine Zellen so weit ab, daß ihre Kerne entsprechende Vorragungen der freien Oberfläche verursachen (Fig. 61). Eine weitere Veränderung erscheint erst bei solchen Knospen, die schon Randwülste besitzen. Das Epithel hat sich in den Interradien etwas verdickt und besteht aus einer dünneren, äußeren Lage, die noch mit dem ursprüng- lichen Epithel übereinstimmt, und einer etwas unregelmäßigen, tiefen Zellenlage, deren rundlicheckige und größere Zellen eine dunkle Plasma- zone um den großen Kern besitzen (Fig. 62). Die äußeren Zellen keilen sich teilweise zwischen die tieferen ein. Später vermehren sich die letzteren sehr rasch und erheben dadurch das Epithel zu vier inter- radialen Polstern oder eben den Hoden (Fig. 63). Die Hodenanlagen von Podocoryne bestehen also nicht einfach aus Samenzellen, sondern aus diesen und einem sie deckenden und stützenden Gewebe, worin sie gewissermaßen eingebettet sind. Diese von Weismann nicht hervorgehobene Sonderung spricht natürlich für sich allein nicht dagegen, daß beide Zellenarten von dem ursprünghch einfachen manubrialen Ectoderm herstammten. Ich ver- misse aber erstens einen Übergang von dem einfachen Epithel zu dem folgenden Zustand; die ersten Samenzellen erscheinen nicht als ver- größerte Elemente innerhalb der einfachen Zellenlage, wie es Weis- mann zeichnet (Nr. 70, Taf . XIX, Fig. 10), sondern, wie ich deutlich zu erkennen glaube, gleich unter der bescliriebenen äußeren, dünnen Zellen- decke, so daß ihre lokale Entstehung nach diesem Befunde mindestens unsicher bleibt. Den Ausschlag geben aber folgende, mehrfach wieder- holte Beobachtungen. Kurz vor dem Erscheinen der ersten Spermatoblasten im Manu- brium zeigen die Subumbrellarzipfel der männlichen Medusenknospen von Podocoryne eine merkwürdige Verbindung mit dem Außenectöderm. Ihre Enden liegen dem letzteren nicht bloß dicht an, sondern hängen mit ihm kontinuierlich zusammen, und zwar durch eine kleine kom- 35 pakte Zellenniasse, deren Kerne durchaus denen der beschriebenen Samenzellen gleichen (Fig. 61). Diese Zellenmasse liegt halb im Außen- ectoderm, wo sie von der Umgebung bisweilen scharf abgegrenzt ist^ und halb im Subumbrellarzipfel selbst. Ist dieser Zusammenhang natur- gemäß nur auf Längsdurchschnitten unzweideutig zu erkennen, so be- weisen anderseits Querdurchschnitte, daß jene Samenzellenmasse tat- sächlich in der Faltenbucht der Täniolen liegt (Fig. 60). — Da dies alles mehrfach beobachtet wurde, so handelt es sich nicht um eine Abnormität oder ein vereinzeltes täuschendes Bild, sondern um eine normale Er- scheinung, die nur so gedeutet werden kann, daß in deninterradien des Außenectoderms der männlichen Medusenknospen Sper- matoblasten entstehen, die direkt in die Subumbrellar- zipfel und das manubriale Ectoderm übertreten. Nun wäre es ja immer noch möglich, daß die Samenzellen von Podocoryne daneben noch an andern, von mir übersehenen Stellen, z. B. im manubrialen Ectoderm selbst, entstehen (Weismann); ich kann mich aber einstweilen nur an die mitgeteilten Beobachtimgen halten, wonach die männlichen Podocorynen allerdings eine ectodermale Keim- stätte besitzen, die aber nicht auf das Manubrium beschränkt ist, son- dern sich im Außenectoderm der Knospe befindet. Der unmittelbare Übergang der Samenzellen aus diesem Außen- ectoderm in die Subumbrellarzipfel bestätigt in erfreulicher Weise, dali die analoge Erscheinung in den weiblichen Medusenknospen (S. 26, 27) keine Anomalie darstellt. — Über die »Wanderung« der Samenzellen von ihrer Keimstätte bis zu ihrer Reif ungsstätte ist kaum etwas zu sagen, da sie nur in einer einzigen, ununterbrochenen Zellenschicht erfolgt und eine so kurze Strecke umfaßt, daß sie eigentlich nur in einer Verschie- bung der Keimzellenmasse über die Grenze des Außenectoderms besteht. Ich habe die Entwicklung der Hydromedusen noch an mehreren andern Arten der Athecata verfolgt und gefunden, daß sie im ganzen mit derjenigen von Podocoryne carnea übereinstimmt. Es wird daher genügen, wenn ich über diese weiteren Befunde in abgekürzter Form berichte und hauptsächüch nur die Besonderheiten oder Abweichungen der einzelnen Arten hervorhebe. 2. Syncoryne sarsi (Taf. IV). Die grundlegende Darstellung von der Entwicklung der Hydro- medusen, die wir L. Agassiz verdanken, bezieht sich, wie bereits 3* 36 angegeben wurde (S. 2), auf eine Syncoryne, die entweder mit der von F. E. Schulze untersuchten Syncoryne sarsi identisch ist oder ihr sehr nahe steht. Trotzdem weichen die Angaben von Agassiz, dem sich Weismann für Syncoryne sarsi anschheßt, von denen Schulzes merk- Hch ab (s. S. 4). — Nach meiner eignen Untersuchung kann ich aber keine dieser Darstellungen ganz bestätigen; denn die Medusen von Syncoryne sarsi entwickeln sich in der Tat genau ebenso wie diejenigen von Podocoryne. Die dicht an der Basis des Hydranthenköpfchens hervorsprossenden Knospen sind kugelig und von ihm durch eine Einschnürung abgesetzt (Fig. 64). Ihre innere Entwicklung beginnt weder mit dem Glockenkern, noch mit einer primären Entodermlamelle, sondern mit den zipf ei- förmigen ersten Anlagen der vier Radialschläuche. Man kann ihre getrennten Kuppen deutlich erkennen, bevor eine Spur von einem Glockenkern zu finden ist, so daß an der selbständigen und namentlich vom Glockenkern unabhängigen Bildung der Radialschläuche und an der Abwesenheit eines zweischichtigen Entodermbechers nicht ge- zweifelt werden kann. Sobald der Glockenkern sich zwischen die weiter auswachsenden Schläuche eingesenkt hat, erscheinen seine Zellen sehr deutlich radiär gestellt (Fig. 65). Auch an diesen jungen Knospen, die kaum größer sind als die zuerst beschriebenen, kann ein mittlerer Längsdurchschnitt, der den Glockenkern und zwei einander gegenüber- liegende Radialschläuche getroffen hat, eine zweischichtige, primäre Entodermlamelle vortäuschen, bis die Durchsicht der ganzen Serie die Diskontinuität der Lichtung des vermeintlichen Bechers aufdeckt. Noch besser zeigen sich die getrennten Radialschläuche in Serien mit inter- radialer Schnittrichtung (Fig. 66). Wie bei Podocoryne ist der Glocken kern vierkantig; doch stehen die Schläuche nicht selten so weit auseinander, daß die dazwischen- liegenden Kanten des Glockenkerns sich merklich abstumpfen (vgl. Tubularia, Ohelia, Clytia). Eine Verbindung zwischen ihnen und dem ihnen anliegenden Außenectoderm findet niemals statt, wogegen ihre unmittelbaren Fortsetzungen, die vier Subumbrellarzipfel, eine solche Verbindung in gewissen Fällen allerdings eingehen (s. u.). — Der Spadix stülpt sich früher aus als bei Podocoryne und ebenso erreicht der sub- umbrellare Sack sehr bald den Grund der Knospe, so daß deren Stiel aufs äußerste verkürzt ist. Die Bildung der Umbrellarplatten und des Ringkanals, des Velum und der Organe des Glockenrandes geht im allgemeinen ebenso vor sich wie bei Podocoryne. Die Fig. 68 zeigt noch deutlicher als die entsprechenden Durchschnitte von Podo 37 coryne (Fig. 53), daß der über der Velumanlage befindliche Raum keine von einem ununterbrochenen Rande umschlossene Einstülpung ist; denn da der Schnitt nur links durch einen Randwulst, rechts aber interradial zwischen zwei solchen Wülsten hindurchgeht, fehlt dort eine seitliche Begrenzung der vermeintlichen Einstülpung vollständig. End- lich wäre noch zu bemerken, daß die Tentakel der Medusenknospen von Syncoryne von Anfang an hohl sind. Abgesehen von der merkwürdigen Beobachtung von Agassiz, daß seine Syncoryne mirahilis im Anfange des Jahres frei werdende Medusen, zum Ende der Brutzeit jedoch unvollkommene Medusenknospen er- zeugt, die während ihres sessilen Lebens geschlechtsreif werden (Nr. 1, S. 189, 203)1, wird wenigstens für Syncoryne sarsi übereinstimmend an- gegeben, daß ihre Medusen erst lange nach ihrer Ablösung geschlechts- reif werden und daß die beiderlei Geschlechtsprodukte im ectodermalen Überzug des Manubrium entstehen. Weismann fügt hinzu, daß dieser Überzug auch bei den ältesten Knospen einschichtig sei. — Danach wäre es aussichtslos, in den Medusenknospen von Syncoryne sarsi nach irgendwelchen Keimzellen oder Anlagen der Gonaden zu suchen. Dies trifft aber nicht zu. Der Epithelüberzug des Manubrium verhält sich bei allen Knospen von Syncoryne sarsi im allgemeinen ebenso wäe bei den männlichen Medusenknospen von Podocoryne. Anfangs ist er eine einfache Zellen- lage; dann wird er vacuolisiert und aufgelockert, und in den vier Inter- radien mehr oder weniger verdickt. Dort sieht man auch über und zwischen den tieferliegenden, etwas größeren Zellen das zellige Zwischen- gewebe, das ich bereits von Podocoryne beschrieb, so daß man in jenen neu auftretenden größeren Zellen ebenfalls Keimzellen erblicken darf. Bei genauerer Untersuchung lassen sich aber doch zwei Typen dieser Sonderung unterscheiden. 1 ) In der Mehrzahl der von mir untersuchten Syncoryne-^töckchen zeigte sich die fragliche Sonderung erst bei den ältesten Medusenknospen, deren Tentakel schon in die Subumbrellar- höhle vorgedrungen sind, und ferner in geringerem Grade entwickelt 2; weiterhin verwischen sich die interradialen Verdickungen und in den ältesten Medusen mit fertiger, gallerthaltiger Umbrella ist das Epithel ganz gleichmäßig und im Bereich der größten Erweiterung des birn- förmigen Manubrium deutlich mehrschichtig. Die Zellen sind aber 1 Nach HiNCKS (Nr. 45, S. 55) ist die von Wright beschriebene ebenfalls sessile Medusen tragende Syncoryne gravata mit der ÄGASSizschen Form identisch. 2 Vielleicht hatte Weismann gerade ein solches Stöckchen vor sich, dessen größte Medusenknospen aber noch nicht so alt waren wie die hier beschriebenen. 38 kleiner als früher. 2) In den übrigen Stock chen hatte die Sonderung viel früher begonnen, nämlich vor dem Auftreten der Randwülste; die tieferliegenden Keimzellen sind größer als in den vorher beschriebenen Fällen und behalten diese Größe auch in älteren^ mit Tentakeln ver- sehenen Knospen (Fig. 70)^ während gleichzeitig die interradialen Ver- dickungen desselben Epithels deutlicher hervortreten. Diese Verschiedenheit der Sonderung des äußeren Manubrium- epithels würde kaum eine besondere Beachtung beanspruchen können, wenn nicht die beiden von mir unterschiedenen Typen nicht noch mit andern Merkmalen ausgestattet wären. Bei den unter 1) beschriebenen Medusenknospen, deren Manubriumüberzug am längsten indifferent bleibt, sind die Subumbrellarzipfel mit dem Außenectoderm verlötet, und in dem letzteren liegt an derselben Stelle, gerade so wie bei der männ- lichen Podocoryne, ein Haufen von zusammengedrängten und etwas dunkleren kleinen Zellen (Fig. 71), deren Einwanderung in die Zipfel und mithin in jenen Überzug des Manubrium wahrscheinlich ist und nur infolge der geringen Sonderung der Zellen und ihrer Kleinheit nicht verfolgt werden kann. Diese Übereinstimmung mit der männlichen Podocoryne macht es schon mehr als wahrscheinlich, daß die Medusen- knospen 1 von Syncoryne sarsi ebenfalls männhche und ihre aus dem Außenectoderm in das Manubrium einwandernden Keimzellen Samen- zellen sind. Zur Gewißheit wird dies aber durch eine nähere Unter- suchung der andern Knospen erhoben. In den Knospen 2 ist die Verbindung der Subumbrellarzipfel mit dem Außenectoderm kaum angedeutet, und in den letzteren fehlen die als Samenzellen angesprochenen dichten Zellengruppen vollständig. Dagegen fand ich solche Zellen, wie sie im Grunde des Manubriuni- überzugs vorkommen, auch im interradialen Entoderm unter dem Spadix und in diesem selbst (Fig. 67), und habe sogar den übertritt derselben aus dem Spadix in das Außenepithel des Manubrium direkt beobachtet (Fig. 69). Dies charakterisiert sie hinlänglich als Keimzellen; und nachdem ich in den schon beschriebenen jungen Medusenknospen unsrer Syncoryne zwei ganz unzweideutige Eizellen innerhalb des Magen- entoderms angetroffen habe (Fig. 65, 66), halte ich es für sicher, daß auch die vorher beschriebenen entodermalen Keimzellen jüngste Ei- zellen sind. Dies bestätigt aber den männlichen Charakter der Kno- spen 1. Bei Syncoryne sarsi wandern also Samenzellen aus dem Außenectoderm der Medusenknospen in die Subumbrellar- zipfel ein, während Eizellen aus dem Magenentoderm in 39 den Spadix und durch diesen erst in dessen ectodermalen Überzug gelangen. 3. Bougainvillea fruticosa (Taf. IV). Sowie Agassiz die Entwicklung der Medusen von Bougainvillea swperciliaris mit derjenigen von Syncoryne mirabilis übereinstimmend fand (Nr. 1, S. 290), so verläuft nach Weismann auch die Medusen- bildung von Bougainvillea ramosa ganz ähnhch wie bei Podocoryne carnea (Nr. 70, S. 113). Wenn ich nun dasselbe für Bougainvillea fruticosa^ wiederhole, so bedeutet es natürlich etwas ganz andres, da ich auf Grund meiner Untersuchungen von Podocoryne und Syncoryne die Existenz der primären Entodermlamelle, die bisher für alle Hydromedusen an- genommen wurde, und die ganze von ihr abgeleitete Entwicklung der Radialkanäle, der Umbrellarplatten und des Ringkanals durchaus be- streite. Die Medusen von Bougainvillea fruticosa entwickeln sich also nach meinen Befunden im allgemeinen ebenso, wie ich es für die letzt- genannten Arten angegeben habe, so daß ich außer der Gonadenbildung nur wenige Besonderheiten hervorheben werde. Die zipfelförmigen Ausläufer der Magenrinnen habe ich sehr deut- lich an ganz jungen Medusenknospen von Bougainvillea fruticosa ge- sehen, deren ectodermaler Scheitel allerdings schon verdickt, aber noch nicht als Glockenkern zwischen jene Zipfel eingesenkt war, sondern noch glatt über die sie trennende Kerbe hinwegzog (Eig. 72) — ein evidentes Zeugnis dafür, daß die Radialschläuche ganz unabhängig von der Bildung des Glockenkerns entstehen. — Die Aushöhlung des letzteren, die, wie schon Weismann bemerkte, frühe beginnt, geht unregelmäßig vor sich, so daß gelegentlich noch in nicht mehr ganz jungen Knospen zarte Zellennetze den Raum der Glockenhöhle durchziehen (Fig. 73). Die Radialschläuche sind oft durch merkliche Zwischenräume von- einander getrennt, so daß das Außenectoderm und das Subumbrellar- epithel sich interradial berühren. Das Außenectoderm ist in den frü- heren Entwicklungsperioden namentlich interradial, wo es sich in die Furchen zwischen den Radialschläuchen einsenkt, stark verdickt und mehrschichtig, was sich erst in den älteren Medusenknospen, wahr- scheinlich infolge des Wachstums der Umbrella wieder verliert. — Das Manubrium erhebt sich zeitig, wächst aber ungleich in die Höhe. Seine 1 Ich erhielt diese Form unter dem angegebenen Namen aus Neapel, vermag aber ihren Unterschied von Bougainvillea ramosa nicht sicher zu bestimmen. Haeckel führt beide Namen als Synonyma auf (Nr. 35, S. 80). 40 Lichtung wird namentlich in der proximalen Hälfte durch vier inter- radiale Täniolen^ Fortsetzungen der Täniolen des Magenentoderms kreuz- förmig verengt (Fig. 76); und so lange beide bestehen^ kann auch der Centralmagen auf Längsdurchschnitten unkenntlich werden. — Die acht Tentakel der Medusenknospen von Bougainvillea fruticosa ent- stehen paarweise an jedem der vier Randwülste^ indem er an der Spitze gabelig auswächst (Fig. 74). Gerade bei Bougainvillea glaubte Weismann gesehen zu haben, daß das Velum durch eine Einstülpung des apicalen Außenectoderms gegen den Glockenkern entstehe, indem der Boden der Einstülpung und die Decke des Glockenkerns zu einer, später central durchbrechenden Schluß - platte der Glockenhöhle zusammenstießen (Nr. 70, S. 113, 114). Diese Auffassung ist, wie ich es schon für Podocoryne und Syncoryne ausführte (S. 15, 36, 37), nicht zutreffend. Die Scheitelfläche des Glockenkerns und das darüber liegende apicale Außenectoderm bleiben von Anfang an aneinandergepreßt und bilden daher zur selben Zeit, wann die Glocken- höhle entsteht, deren obere Schlußplatte oder eben die Anlage des Velum. Es könnte sich also nur darum handeln, ob diese Platte sich später von der Oberfläche in die Tiefe einsenkt. Eine solche Annahme beruht aber, wie bei Podocoryne und Syncory7ie, so auch bei Bougainvillea auf einer Täuschung, indem die einander gegenüberliegenden Randwülste auf radialen Längsdurchschnitten wie die Wand einer Einsenkung aussehen. Jeder interradiale Längsdurchschnitt zeigt dagegen bei Bougainvillea, ebenso wie bei andern Hydromedusen, daß die vermeintliche Wand viermal unterbrochen ist, d. h. aus getrennten Teilen oder eben den Randwülsten besteht. Mit jener Täuschung hängt es denn auch zu- sammen, daß die Randwülste als solche bisher ganz übersehen wurden. Über die Entstehung der Gonaden von Bougainvillea finden sich bei Weismann folgende Angaben (Nr. 70, S. 114). Noch vor dem Er- scheinen der Tentakel beginne eine Wucherung der Ectodermzellen des Manubrium; sie werden größer, plasmareicher und ordnen sich in zwei Schichten an, ohne jedoch — nach Weismanns Abbildung Taf. XIII, Fig. 13 — unter sich verschieden zu sein. Diese »Keimzellen« zeigten sich in allen größeren Knospen in der gleichen Form, so daß nach Weis- manns Ansicht beiderlei Geschlechtszellen aus gleichen Urkeimzellen hervorgehen und ihre divergente Ausbildung erst nach der Ablösung der Meduse vom Stock eintreten kann. Jedenfalls sei es Tatsache, daß die Geschlechtszellen nicht schon in der ersten Anlage der Medusenknospe vorgebildet sind wie bei Podocoryne, sondern daß sie sich erst später 41 bilden, und zwar »aus jungen Ectodermzellen des Manubrium der nahezu zur Loslösung reifen Meduse«. Ich kann diese Angaben nicht bestätigen. Erstens finde ich ver- schiedene Anlagen für die Eierstöcke und die Hoden, so daß Weismanns Befund sich nur auf eine Art von Gonaden beziehen kann. Ferner bleibt die erste Anlage beider Gonaden während der ganzen Medusenentwick- 'lung keineswegs unverändert, sondern unterliegt einer gewissen fort- schreitenden Ausbildung; und endlich entsteht wenigstens ein Teil der Keimzellen ganz bestimmt außerhalb des Ectodermüberzugs des Ma- nubrium. In freien weiblichen Medusen von Bougainvillea fand ich am Ma- nubrium vier interradiale polsterförmige Ovarien, die im Querdurch- schnitt nur wenige größere und kleinere Eizellen zeigten, vollständig in ein kleinzelliges Gewebe eingebettet, das in jedem Interradium in ein einfaches CyUnderepithel übergeht (Fig. 76). In vielen von den ältesten Medusenknospen des Stockes war das Außenepithel des Manubrium ähnlich gebildet, aber insofern viel weniger deutlich, als die größeren Zellen mit hellem großen Kern und dunkler Plasmazone sich nur teil- weise gut von den übrigen sie einschließenden, kleineren und indifferen- teren Zellen unterscheiden ließen. Der Vergleich mit den beschriebenen älteren Ovarien läßt aber keinen Zweifel zu, daß jene größeren Elemente wirklich sehr junge Eizellen sind. Ihrer geringeren Größe entsprechend liegen sie oft in bedeutenden Abständen voneinander; aber sie sind, wie mir schien, ebenso zahlreich wie die Eier der freien Medusen. Je jünger die weiblichen Medusenknospen sind, desto spärlicher sind die Eizellen in ihrem Manubrium vorhanden, während die Zellen, die sich später in das Zwischengewebe verwandeln, ein einfaches Außenepithel des Manubrium darstellen. Die ersten dieser Eizellen des Außenepithels fand ich jedoch schon an Medusenknospen, deren Randwülste noch keine Tentakel gebildet hatten. Sie zeigen sich also früher als die Differen- zierung der von Weismann beobachteten Keimzellen beginnt. Die Eizellen von Bougainvillea fruticosa entstehen jedoch nicht im Außenepithel des Manubrium, sondern wandern aus demEntoderm dorthin ein. Ich habe sie nicht nur im Spadix und den unmittelbar angrenzenden Entodermabschnitten angetroffen, sondern ihren Übertritt ins Manubrium-Ectoderm mehrfach gesehen (Fig. 75). An welcher Stelle des Entoderms sie entstehen, konnte ich nicht feststellen; ähnliche Bilder wie bei Syncoryne (S. 38) habe ich allerdings gesehen, doch war die Eizellenbildung nicht gerade evident. Ganz anders verläuft die Bildung der Spermarien, von denen 42 ich übrigens nur zwei Stadien beobachten konnte. Diejenigen tentakel- losen Medusenknospen, die keine Eizellen enthalten, haben ein ganz einfaches, gleichmäßiges Außenepithel am Manubrium. Nachdem die Tentakel hervorgewachsen sind, fand ich jenes Epithel immer fest zu- sammengeschlossen, aber seine Zellen waren in der proximalen Hälfte des Manubrium bedeutend größer als in der distalen Hälfte. In noch älteren Knospen waren nun diese größeren proximalen Zellen zu einem unregelmäßigen, vorspringenden Wulst zusammengedrängt, der von einer Fortsetzung des kleinzelligen distalen Epithels bedeckt war (Fig. 77). Daß es sich dabei wirklich um eine Hodenbildung handelte, kann nach den Beobachtungen über die Entwicklung der Ovarien wohl kaum in Zweifel gezogen werden. Daraus folgt aber, daß die Samenzellen von Bougainvillea in der Tat im Außenepithel des Manubrium entstehen, wie es Weismann für beiderlei Keimzellen annahm. 4. Lendroclava dohrni (Taf. IV). Der von mir untersuchte Stock stammt ebenso wie die von Weis- mann beschriebene Dendroclava dohrni aus Neapel und gehört wahr- scheinlich dieser selben Art an, obgleich ich an meinem Stück einige Abweichungen von der WsiSMANNschen Diagnose feststellen konnte. So ist, was Weismann nicht erwähnt, der ganze Stock fascicuHert, indem alle Haupt- und Seitenstiele eine Strecke weit miteinander ver- bunden bleiben. Ferner knospen die Medusen nicht nur einzeln (Weis- mann), sondern oft gruppenweise an den Seitenästen, besitzen stets mehr als acht Tentakel usw. Über die Entwicklung der Medusenknospen von Dendroclava dohrni macht Weismann nur wenige Angaben. »Zuerst wächst der Glocken- kern als ein hohler hügliger Sack dem Entoderm entgegen, dieses aber erhebt sich zunächst nur in seiner Peripherie teils passiv, teils aktiv, d. h. durch Wachstum zur Entodermlamelle mit den vier Radialkanälen, und die schon geräumige Glocke schließt einen leeren Raum ein. Erst jetzt wächst dann vom Boden desselben der Magenstiel als flacher konischer Hügel empor.« »Bevor er sich erhebt, ist von Sexualzellen durchaus nichts zu sehen, auch so lange er noch niedrig ist, liegen weder in seinem Entoderm noch im Ectoderm irgendwie ausgezeichnete Zellen« (Nr. 70, S. 27). Nachher zeigten sich aber die ersten Keimzellen als größere und granuUerte Elemente im Ectoderm des Manubrium, die die übrigen zwischen ihnen befindlichen und unveränderten Epithel- 43 Zellen teils in die Tiefe, und teils an die Oberfläche verdrängen. Diese wegen ihrer Größe als Eizellen anzusprechenden Elemente ordnen sich in vier Längswülsten an, die die vier Seitenflächen des vierkantigen Manubrium bedecken (Nr. 70, S. 28). Jene Beschreibung der ersten Anlagen in den Medusenl^nospen von Dendrodava ist insofern unvollständig, als weder die becherförmige Ein- buchtung des Entcderms durch den Glockenkern, noch die Entstehung der Radialkanäle durch die interradialen Verschmelzungen der beiden Entodermblätter ausdrückUch erwähnt sind. Nachdem aber Weis- mann in einem einleitenden Kapitel es schlechthin als Tatsache hin- gestellt hat, daß alle wirklichen Hydromtedusen jene schon mehrfach beschriebene Entwicklung durchlaufen (N. 70, S. 17), muß dies auch für Dendrodava gelten. Dies trifft aber natürlich nicht zu; die Medusen- bildung von Dendrodava vollzieht sich vielmehr genau so, wie ich es für Podocoryne, Syncoryne und Bougainvillea schon angegeben habe. Es fehlt also bei Dendrodava ebenfalls ein doppelwandiger, vom Glockenkern eingestülpter und erst sekundär vier- geteilter Entodermbecher, und die Medusenbildung wird dort wiederum durch vier von Anfang an getrennte, aus Täniolen und Magenrinnen hervorwachsende Radialschläuche eingeleitet, zwischen die sich der anfangs solide Glockenkern einsenkt. Die Fig. 78 — 80 zeigen einige für die Bildung der Radialschläuche bezeichnende Durchschnitte. In dem Längsdurchschnitt Fig. 78 er- scheinen die Anlagen der Schläuche unter und neben dem noch ganz flachen Glockenkern erst zipf elf örmig ; dafür sind aber unter ihnen die brückenförmigen schrägen Anschnitte zweier Täniolen und Magenrinnen zu sehen, woraus also hervorgeht, daß diese Teile unabhängig vom Glockenkern entstehen und anderseits unmittelbar in die Radial- schläuche auslaufen. Von den Querdurchschnitten einer nur wenig älteren Medusenknospe (Fig. 79, 80) zeigt der erste die außerordenthch weiten und beinahe cylindrischen, einander nur teilweise berührenden Radialschläuche nebst dem in dünne Kanten ausgezogenen Glockenkern, der andre, tiefere Durchschnitt die schon faltenf örmig gewordenen Täniolen und in einem Quadranten den äußersten Anschnitt der Spadix- platte, woran man deutlich sieht, wie die Täniolen sich paarweise zu einem Radialschlauch zusammenschließen und zugleich in die Spadix- platte übergehen. — Der Glockenkern höhlt sich allerdings frühzeitig aus, ist aber niemals ein kugeliger Sack, wie es die Längsdurchschnitte vortäuschen, sondern, wie wir schon sahen (Fig. 79), von Anfang an scharf vierkantig, infolge seiner Anpassung an die stark gewölbten 44 Badialschläuche. Die im Entstehen begriffene Glockenhöhle zeigt ebenso wie bei Boucjainvillea (S. 39) nicht sofort glatte Wände, sondern ist von lockeren Zellensträngen durchzogen, so daß der Glockenkern den Zustand eines aufgelockerten Füllgewebes durchläuft, ehe eine vollkommene Glockenhöhle erscheint. Die weitere Umbildung der Radialschläuche zu den Radial- kanälen und den Umbrellarplatten, die Entstehung des Ringkanals, der Subumbrellarzipfel u. s. f. erfolgt ebenso, wie es für Podocoryne aus- führlich beschrieben wurde. Fig. 82 zeigt den weiten Ringkanal mit den Erweiterungen in den Radien, wo die Radialkanäle einmünden und die Randwülste entspringen (s. S. 16). — Wie schon bemerkt, zeichnen sich unsre Medusen durch die größere Zahl ihrer Tentakel aus. Sie entstehen jedoch nicht alle gleichzeitig, sondern anfangs treten wie bei Podocoryne und Syncoryyie in der Fortsetzung der vier Radialschläuche nur vier Randwülste hervor, aus deren Scheiteln je ein Tentakel hervor- zuwachsen beginnt. In der Regel geht nun die Vermehrung der Tentakel so vor sich, daß in den allmählich erweiterten Abständen zwischen den vier ersten Randwülsten sich ebenso viele neue dreieckige Anlagen von Wülsten und Tentakeln entwickeln, so daß vier stärkere und vier schwächere Tentakelanlagen miteinander abwechseln (Fig. 83). Diese Achtzahl mag oft die dauernde bleiben, doch kann dies nach meinen Beobachtungen nicht die Regel sein; denn meist fanden sich noch ein bis drei weitere Tentakelanlagen zwischen den acht ersten eingekeilt. Diese Vermehrung geschah aber nicht nur durch Interpolation, sondern auch durch eine Spaltung der ersten Randwülste, wie sie bei Bougain- villea ganz regelmäßig eintritt. Man kann daher sagen, daß bei allen bisher besprochenen Medusen die typische Grundzahl der Randwülste und Tentakel vier ist, die entweder erhalten bleibt {Podocoryne'^ , Syn- coryne) oder durch Spaltung und Interpolation der Wülste auf acht {Bougainvillea) und mehr {Dendroclava) vermehrt wird. Bezüglich der Keimzellen und Gonaden von Dendroclava sei vorweg bemerkt, daß ich Weismanns Angabe bestätigen kann, daß sie in den Knospen und in der Anlage ihrer definitiven Reifungsstätte ent- stehen. In andern Einzelheiten weiche ich von ihm ab. Vor allem sei hervorgehoben, daß die Differenzierung der Keimzellen nicht erst an dem bis zu einer gewissen Höhe hervorgewachsenen Manubrium beginnt, sondern schon an dessen Anlage in dem noch ebenen Boden der jungen 1 Grobben bekundet die Vierzahl der Tentakel für Podocoryne, während Allman und Hincks die Achtzahl als die regelmäßige angeben. 45 Glockenhöhle, der nur interradial sich in die Subunibrellarzipfel hinab- senkt (Fig. 81). Eben dort, in den Interradien jenes ectodermalen Bodens, erhebt sich das Epithel zu vier kurzen, aber stark gewölbten Wülsten, die bis in die Zipfel hinabreichen, die Mitte des Bodens aber nicht erreichen. Sie bestehen aus vergrößerten, namenthch verlängerten Zellen mit etwas dunklerem Protoplasma und großen hellen Kernen. Der gewölbten Oberfläche des Wulstes entsprechend ist ihre Form etwas keilförmig; dabei können sie sich so aneinander verschieben, daß sie zwei unregelmäßige Schichten zu bilden scheinen. Dies ist aber weder die Regel noch dauernd; denn sobald der Glockenhöhlenboden sich zum Manubrium hervorzuwölben beginnt und die xier Gonadenwülste sich in dessen proximaler Hälfte strecken, bestehen sie nur aus einer einzigen geschlossenen Lage ganz gleicher Zellen (Fig. 84). Erst an älteren Medusenknospen, deren Keimzellen kugelig geworden und grob granuliert sind, habe ich einige Zellen der zwischen den Gonaden liegenden ein- fachen Epithelstreifen teils über, teils zwischen die Keimzellen vor- rücken sehen, und zweifle daher nicht, daß diese zuletzt ebenso wie bei Podocorytie und Syncoryne von einem Zwischengewebe umgeben werden. — Ich habe ebenso wie Weismann bei Dendroclava nur einerlei Keim- zellen gesehen, die ich schon nach ihrem zuletzt beschriebenen Aussehen ebenfalls für Eizellen halte. Die Eizellen von Dendroclava zeigen sich zuerst in dem ebenen Glockenhöhlenboden, der später zum Außenepithel desManubrium wird, und zwar in vier interradialen Wülsten, die bis in die Subunibrellarzipfel reichen. Trotzdem habe ich ihre Einwanderung an diesen Stellen, also auf dem bei Podocoryne und teilweise auch bei Syncoryne benutzten Wege, von andern Knospen- teilen her nicht nachweisen können und halte sie daher für Erzeugnisse ihrer späteren Reifungsstätte, wenngleich ihre Entstehung der Bildung des Manubrmm zeitlich vorausgeht. 5. Perigonimus repens {?). Das mir vorliegende, aus der Nordsee stammende Stöckchen von Perigonimus habe ich nicht ganz sicher als Perigonimus re'pens bestimmen können. Dadurch wird aber das Ergebnis meiner Untersuchungen an den Medusenknospen dieses Hydropolypen kaum berührt ; denn es läuft im wesentlichen darauf hinaus, daß diese Medusen in keinem Punkte ihrer Entwicklung eine nennenswerte Abweichung von den bisher be- 46 sprochenen Medusen der Athecata zeigen. Deshalb habe ich auch nicht die Absicht^ jene Entwicklung, obgleich ich sie ausreichend verfolgt habe, näher zu beschreiben. So sei denn auch nur betont, daß die Grundlagen des Medusenbaues auch bei Perigonimus neben dem Glocken- kern die von vornherein getrennten, aus den Magenrinnen und Täniolen der jungen Knospen hervorwachsenden Radialschläuche sind. — In den jüngeren Knospen werden die Entodermhöhlungen meist dadurch ver- schlossen, daß die distalen Hälften der Entodermzellen in jene Räume weit vorragen, dann sich teilweise ablösen, miteinander mehr oder weniger verbacken und die Lichtung des Magens und des Spadix wie mit einem Brei ausfüllen. Ähnliches sah ich auch in den Keimträgern andrer Hydropolypen. Die Keimbildung beginnt, sowie es schon Weismann beschreibt (Nr. 70, S. 117, 118), sehr spät, in den beinahe fertigen Medusen; wenig- stens glaube ich ebenso wie Weismann, daß die Zellenanhäufungen, die sich stellenweise im Grunde des manubrialen Ectoderms zeigen, auf noch wenig differenzierte, aber w^ahrscheinhch männliche Keimzellen zu beziehen sind. Danach wären die Medusenknospen von Peri- gonimus die einzigen unter den von mir untersuchten Athe- cata, deren Keimzellen ohne jede Einschränkung an ihrer definitiven Reifungsstätte entständen. 6. Pennaria cavolinii (Taf. IV, V). Pennaria cavolinii erzeugt bekanntlich an ihren Hydranthenköpfchen Geschlechtsindividuen, die in ihrem Bau im allgemeinen mit Hydro- medusen übereinstimmen, aber dauernd sessil bleiben und auf den späteren Entwicklungsstufen gewisse Rückbildungen erfahren. Auch die Entwicklung dieser »Medusoide« soll nach Weismann sich derjenigen anschließen, die er für die vollkommenen Hydromedusen geschildert hat (Nr. 70, S. 123—126). Durch die Einsenkung des Glockenkerns in den Entodermsack wird ein doppelwandiger Becher des letzteren ge- bildet, der durch vier interradiale Verwachsungen in vier Radialkanäle und die einschichtigen Entodermlamellen übergeht. Der Glockenkern, dessen Zellen frühzeitig eine chemische Verschiedenheit vom Außen- ectoderm erkennen lassen, spaltet sich in ein Subumbrellarepithel und den mehrschichtigen Überzug des Manubrium, worauf dieser sich in den weiblichen Tieren in die Eizellen nebst Nährzellen und ein dünnes Deckepithel sondert. Ein Ringkanal und vier Tentakel-Bulbi werden 47 ebenfalls gebildet. — In der Folge schließen sich die Radialkanäle und verdünnen sich die Epithelschichten des Glockenkerns; die Nährzellen schwinden durch Atrophie. — Die männlichen Medusoide und nament- lich ihre Gonaden sind anfangs von den weiblichen nicht zu unter- scheiden. — Thallwitz bestätigte Weismann ohne Einschränkung (Nr. 65, S.409). Cerfontaine wiederholte und ergänzte jene Angaben (Nr. 11, S. 295 — 298). Auch der Ringkanal schwinde bald, während in den Lichtungen der Tentakel-Bulbi sich geschichtete Concretionen einfinden. Später entwickle sich eine wirkliche Subumbrellarhöhle, deren Decke (Velum) eine Öffnung erhält. Endlich beschreibt Cerfontaine an den Medusoiden von Pennaria dieselben radialen und interradialen Ver- lötungen des Subumbrellarepithels mit dem umbrellaren Entoderm, die Schulze bei Syncoryne auffand, so daß dadurch die Übereinstimmung der Medusoide von Pennaria mit vollkommenen Medusen verstärkt wird. Nach meinen Untersuchungen verläuft die Entwicklung der Medu- soide von Pennaria allerdings ebenso, wie die von mir geschilderte Ent- wicklung der sich ablösenden und freilebenden Hydromedusen; ebendes- halb kann ich die grundsätzlich abweichenden Angaben Weismanns und Cerfontaines über eine zweischichtige Entodermlamelle als Grund- lage der umbrellaren Entodermteile nicht bestätigen. Die kleinsten, aus dem Hydranthenköpfchen noch wenig hervor- ragenden weiblichen Medusoidknospen erscheinen im ganzen noch als halbkughge Ausstülpungen, zeigen aber bei genauerer Untersuchung doch schon gewisse bemerkenswerte Ansätze zur weiteren Entwicklung (Fig. 85). Der verdickte Scheitel des Ectoderms ist durch rege Zell- teilung mehrschichtig geworden und die tieferen Schichten haben sich durch die Beschaffenheit ihrer Zellen von der äußeren Schicht, einer unveränderten Fortsetzung des übrigen Ectoderms, gesondert. Die meisten jener tief erliegenden Zellen sind größer als die übrigen Ecto- dermzellen, kuglig und mit einem großen Kern versehen, der meist von einer dunklen Plasmazone umgeben ist; sie sind also eigen tUch schon so beschaffen wie die jungen Keimzellen im künftigen Manubrium (s. u.). Ich sehe daher in dieser tieferen Ectodermschicht des Scheitels nicht schlechtweg die Anlage eines Glockenkerns (Weismann), sondern zugleich ein Keimzellenlager. Da es die aller jüngsten Eizellen ent- hält und ihre Zahl später im Manubrium ansehnlich wächst, ohne daß man zugleich eine Einwanderung derselben von außen wahrnehmen kann, muß man annehmen, daß sie an Ort und Stelle, im Glockenkern und im Manubriumectoderm. entstehen und sich vermehren und teils 48 gar keiner, teils nur einer ganz geringen passiven Ortsveränderimg unterliegen. Außerdem finden sich solche jungen Eizellen einzeln, aber größer und charakteristischer entwickelt und früher als im Glockenkern im seitlichen Ectoderm der Knospen und darüber hinaus im angrenzenden Ectoderm des Hydranthenköpfchens (Fig. 86 — 89, 91). Nach ihrer Lage in und zwischen den Ectodermzellen können sie nur aus den letzteren entstanden sein; und gegen eine etwaige Verwechslung mit andern Ele- menten, z. B. Zellenparasiten, spricht außer ihrer Bildung besonders der Umstand, daß sie nur an den Knospen und in der Knospungszone des Hydranthenköpfchens vorkommen. Daraus ergibt sich aber der Schluß, daß die ectodermale Keimstätte der weiblichen Pen- naria sich vom Hydranthenköpfchen bis in das Manubrium der Medusoidknospen erstreckt. Damit ist aber die Bedeutung der voranstehenden Beobachtungen nicht erschöpft. Die nicht geringe Zahl der im Außenectoderm der Knospe und im Ectoderm des Hydranthenköpfchens vorkommenden Eizellen verbietet es, sie einfach als zufällige und gelegentliche Aus- nahmen zu betrachten; anderseits ist es nicht wahrscheinhch, daß sie insgesamt oder nur größtenteils in den Giockenkern einwandern, da so große Eizellen dort noch lange nicht anzutreffen sind. Es bleibt daher nur die Annahme übrig, daß sie im ganzen abortive Keimzellen und folglich einen abortiven Teil der weiteren Keimzone darstellen. Ob dies eine beginnende Erweiterung der ursprünglichen, auf den Glocken- kern beschränkten Keimzone bedeutet in dem Sinne, daß ihr neuerwor- bener äußerer Abschnitt noch unvollkommen entwickelt ist, oder eine beginnende Zusammenziehung einer msprünglich weiteren und ent- fernteren Keimzone auf den centralen Glockenkern, wobei dann die ältere äußere Zone abortiv wird, — das wird sich erst später, im ver- gleichenden Teil dieser Arbeit, völlig entscheiden lassen. Immerhin läßt sich schon jetzt sagen, daß nach den vorliegenden Tatsachen die zweite Möglichkeit wahrscheinlicher ist; denn einmal ist nach allgemeiner ent- wicklungsgeschichtlicher Erfahrung eine ontogenetisch frühere Anlage, lüer also die äußere Keimzone, auch stammesgeschichtHch älter, und zweitens ist Rückbildung nicht gerade ein Merkmal einer Neubildurg und eines Fortschritts. In den jungen männlichen Medusoidknospen von Pennaria cavolinii habe ich Keimzellen nur im Scheitelectoderm gefunden und zwar nur in sehr schwacher Differenzierung (Fig. 92). Ihre weitere Ausbildung und Vermehrung durch Neubildung oder Teilung erfolgt 49 im Manubrium, so daß von einer eigentliclien Wanderung dieser Keim- zellen nicht die Rede sein kann. Die morphologisclie Entwicklung der Medusoidknospen von Pen- naria erfolgt in beiden Geschlechtern ganz gleich. Schon an den jüngsten Knospen findet man die ersten Anlagen der Radialschläuche in den uns schon bekannten Zipfeln (Fig. 85, 86). Da diese schon dort vor- kommen, wo die distale Fläche der Entodermkuppe noch konvex ist (Fig. 92), können sie nicht von einer durch den Glogkenkern herbei- geführten Einbuchtung des Entoderms herrühren. Nach der Einsenkung des Glockenkerns sind die vier Radialschläuche vollends deutlich; auf den Querdurchschnitten erscheinen sie anfangs abgeplattet, dann cy- lindrisch und in Berührung miteinander (Fig. 89, 90). — Eine Eigen- tümlichkeit von Pennaria besteht darin, daß aus der Spadixplatte frühzeitig ein dicker, spitz auslaufender Zapfen abwärts bis in den Stiel hinein wächst, der auch nach der Entstehung der Spadixhöhle erhalten bleibt (Fig. 88, 93); denn der Spadix entsteht nicht durch eine Aus- stülpung der Spadixplatte und nicht gleich hohl, sondern in Form eines soliden konischen Auswuchses, der erst, nachdem er kolbig geworden ist, samt dem ihn verlängernden Zapfen von einem dünnen Kanal durchzogen wird. Die Abspaltung des Subumbrellarepithels geschieht in der ge- wöhnlichen Weise; es bildet zuletzt einen vollständigen, deutlich ab- stehenden Mantel über dem haarzwiebelförmigen dicken Überzug des Manubrium (Ovarium, Spermarium) und verdünnt sich bedeutend. Sein Scheitel springt ziemlich frühe zwischen den Enden der Radialschläuche als hohler Zapfen in das Ectoderm vor (Fig. 93). Eine Muskelbildung habe ich an diesem Subumbrellarepithel nicht direkt nachweisen können ; doch fand ich seine Zellen an älteren Medusoiden etwas quer gestreckt und ebenso gegen die Glockenhöhle vorspringend wie bei Podocoryne (Fig. 95). Die Radialschläuche werden platt und breit, rücken zeitweise aus- einander (Fig. 94) und nähern sich dann wieder bis zur Berührung mit ihren scharf auslaufenden Rändern. Ihre Lichtung wird dabei spalt- förmig, reicht aber durch die ganze Breite des Schlauches. Dann schheßt sie sich vollständig, indem die umgebenden Entodermzellen sich auf- lösen und zu einer breiigen, von glänzenden Körnchen durchsetzten Masse verschmelzen, die den Spalt verdrängt; nur an den Rändern der Schläuche scheinen ganze Zellen übrig zu bleiben. Etwas später ziehen sich die von jener Detritusmasse gebildeten Hauptteile der Radial- schläuche zu schmalen, platten Streifen zusammen (Fig. 95), und in den 4 50 breiten Zwischenräumen zwischen ihnen zeigen sich spärUche, platte Zellen, deren Zusammenhang stellenweise fraglich bleibt. Diese Streifen und die sie verbindenden Plattenzellenlagen entsprechen im allgemeinen den Kadialkanälen und den Umbrellarplatten der vollkommenen Hydromedusen, obwohl sie, wie man sieht, auf eine etwas andre Art ent- stehen. Die oberen Enden der Radialschläuche bleiben bis zuletzt hohl und wachsen wie ge wöhnhch in vier getrennte, aber niedrige Randwülste hinein, deren Höhlung regelmäßig von einer der von Cerfontaine be- schriebenen, mir völhg unklaren Concretionen eingenommen wird (Fig. 96). Einen Ringkanal habe ich stets vermißt. Sobald das Manubrium der weiblichen Medusoidknospen von Pen- naria hergestellt und in seinem mehrschichtigen Überzug das Ova- rium etabhert ist, geht dessen weitere Entwicklung so vor sich, wie es Weismann beschrieb. Die Eizellen vermehren sich außerordentüch und bilden die Hauptmasse des Ovarium, an dessen Oberfläche sich ein zartes, epithelartiges Häutchen differenziert. Ob auch zwischen den Eizellen indifferente Interstitialzellen vorkommen, habe ich nicht feststellen können. Nach längerer Zeit vergrößern sich einige wenige der jungen Eizellen, um zu den definitiven Eiern auszuwachsen, während die übrigen als Nährzellen fungieren. In demselben Maße als die ersteren wachsen, nimmt die Zahl der Nährzellen ab, wie ich aber glaube, nicht bloß durch Atrophie ; denn in noch nicht ganz reifen Eiern traf ich einzelne, von ihnen aufgenommene Nährzellen an. Immerhin scheint bei Pennaria nicht die einfache Verschmelzung der Eizellen und der Nährzellen stattzufinden, wie sie bei Tubularia Regel ist (s. u.). Das Spermarium ist, abgesehen von seinenSamenzellen, dadurch vom Ovarium verschieden, daß es von einem Füllgewebe durchsetzt ist, das mit der oberflächlichen Zellendecke zusammenhängt. — Vor der Eröffnung der engen Glockenhöhle dringt die Spitze des Spadix aus der Gonade hervor, durchsetzt das Subumbrellarepithel und hebt das api- cale Außenectoderm hügelförmig empor. Die Eröffnung selbst habe ich nicht gesehen; es scheint mir aber keine Veranlassung vorzuUegen, sie mit einer wirklichen Velumbildung zu identifizieren. Die genetische Bedeutung der Medusoide von Pennaria cavolinii kann nicht zweifelhaft sein. Es sind Abkömmhnge von Medusen, die, indem sie dauernd sessil wurden, zugleich eine Rückbildung erfuhren. Diese zeigt sich unverkennbar im ganzen Entwicklungsverlauf. Die Grundlagen einer echten Meduse, Radialschläuche und Glockenkern, Umbrella und Manubrium werden ganz vollkommen angelegt und erst sekundär bleiben sie in der weiteren Entwicklung stehen und bilden 51 sich zurück; die normale Entstehung der Umbrellarplatten und der Radialkanäle wird durch Rückbildung abgeändert, Ringkanal, Tentakel fehlen ganz, die spaltfönnige Glockenhöhle bleibt bis zuletzt geschlossen, wobei auch das Velum entfällt, und zu einer Ablösung des ganzen Medu- soids kommt es jedenfalls regelmäßig nicht, obgleich eine solche von einer P ennaria-^ jyecies angegeben wird (Sigerfoos, Nr. 64). 7. Tubularia mesembryanthemum (Taf. V). Die Tubularien tragen ähnliche Medusoide wie die Pennarien; nur sitzen ihre Medusoide nicht unmittelbar am Hydranthenköpfchen, sondern traubenförmig an längeren verzweigten Stielen. Das erste Medusoid einer Traube entsteht allerdings unmittelbar am Hydranthen- köpfchen, aber alle folgenden an seinem sich verlängernden Stiel je unter der vorausgegangenen Knospe. Wegen ihrer Häufigkeit und des günstigen Umstandes, daß in der Regel an den Trauben eines Hy- dranthenköpfchens alle Entwicklungsstufen der Medusoide neben- einander anzutreffen sind, waren die Tubularien schon seit langer Zeit der Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. L. Agassiz hat die Entwicklung dieser Medusoide außer bei Tubu- laria couthouyi noch bei zwei nächstverwandten Formen beobachtet, Pari/pha crocea und Thamnocnidia spectabilis (Nr. 1, S. 257 — 259, 268 bis 270, 273 — 275), die Allman jedoch, und wie es scheint mit Recht, ebenfalls iüv Tubularia- Arten erklärt (Nr. 3, S. 399 ff.). Die von Agassiz hervorgehobenen Unterschiede der Tentakel in den drei genannten Arten kommen hier nicht weiter in Betracht; und che Angabe, daß T. crocea und T. spectabilis im Gegensatz zu T. couthouyi nur eine ein- fache primäre Entodermlamelle, also auch keine Radialkanäle ent- wickelten, beruht nach Allman auf einer Täuschung. Daher können alle übrigen Angaben über die Entwicklung der drei Arten gemeinsam abgehandelt werden. Nach Agassiz stülpt die »Keimmasse« (Glockenkern) am Scheitel der Knospe das Entoderm zu einem zweischichtigen Becher ein, worauf der Becherrand bis zum Scheitel aufwächst und der Glockenkern ganz vom Entoderm umhüllt ward (a. a. 0., S. 258, 274). Die Radialkanäle entständen wie bei Syncoryne durch interradiale Verschmelzungen der beiden Blätter des Entodermbechers (S. 270), die Tentakel (Rand- wülste) durch Ausstülpungen der gesamten Glockenwand, so daß ihre Höhlungen mit der Glockenhöhle kommunizierten (S. 259), — eine 4* 52 Angabe, die einer besonderen Widerlegung nicht bedarf. — Der Spadix wächst bis zum Scheitel und durchbricht ihn zuletzt. Der folgende Beobachter, Ciamician, wiederholt für Tuhularia mesembryanthemum jene sattsam bekannten Angaben vom Entoderm- becher, seinen Verschmelzungen usw. (Nr. 14, S. 503 ff., Nr. 15, S. 328 ff.). Niemals verwachse jedoch der Becherrand vollständig über dem Glocken- kern, dessen Außenschicht (Subumbrellarepithel) daher direkt an das Außenectoderm anstößt. Nur bei den weiblichen Individuen breche der Spadix durch, wobei das Außenectoderm über ihm sich eröffnet und er nur mit einem Überzug des Glockenkernepithels nach außen hervor- tritt. Die vom Subumbrellarepithel bedeckte Masse des Glockenkerns, die wie eine Kappe dem Spadix aufsitzt, verwandelt sich in die Keim- zellen. Über Bau und Entwicklung der Medusoide verschiedener Tubu- larien brachten Hamann, Weismann, Thallwitz, Tichomiroff und Brauer nichts Neues; nur wurde die Kückbildung der Radialkanäle und des Ringkanals von Hamann (Nr. 36, S. 27, 28) und Weismann (Nr. 70, S. 128) angemerkt. Erst Schneider verdanken wir einige von der früheren Darstellung abweichende Notizen über die Entwicklung der Medusoide von Tuhularia mesembryanthemum (Nr. 60, S. 610 — 613). Um den sich einsenkenden Glockenkern wüchsen vier an der Basis hohle Entodermzapfen empor, zwischen denen alsdann in nicht näher be- zeichneter Weise eine dünne zweischichtige Entodermlamelle entstünde, den ganzen Glockenkern umhüllte und durch Auseinandertreten ihrer beiden Blätter den Ringkanal bildete, wälirend die solid gewordenen Rudimente der vier Entodermzapfen oder Radialkanäle an der Basis der Entodermlamelle zurückblieben. Die merkwürdig auseinandergehenden Befunde der verschiedenen Forscher über die Keimstätte bei den Tubularien sollen erst später ange- führt werden. An den jüngsten Medusoidknospen von Tuhularia mesembryanthe- mum tritt sehr bald eine Verdickung des apicalen Ectoderms hervor, die mehr nach außen als nach innen vorspringt und daher an der Knospe eine stumpfe Spitze hervorruft, die Entodermkuppe aber nur kaum merklich abflacht (Fig. 97). Die tiefer liegenden Zellen jener Verdickung sind rundUch und enger zusammengedrängt, aber sonst völlig indifferent. Die Entodermkuppe ist ebenfalls verdickt und ihre Verdickung gegen die Lichtung auf manchen Längsdurchschnitten jederseits von einem 53 der uns schon bekannten Zipfel der Lichtung flankiert, die in den folgenden Schnitten verschwinden, worauf zuletzt ein mittlerer Zipfel erscheint. Dies sind also die Ausgangspunkte der späteren Radial- schläuche, die ähnlich wie bei Pennaria, Bougainvillea, Syncoryne und Podocoryne schon vor der Einsenkung eines Glockenkerns auftreten. Im Anschluß an diese Zipfel der Entodermkuppe habe ich statt regel- mäßiger Täniolen nur unregelmäßige Wucherungen des Magenentoderms angetroffen, die weiter abwärts besonders auffälHg hervortreten, von dem übrigen einfachen Entoderm mehr oder weniger abgesetzt und nur in seltenen FäUen in vier radiale Streifen gesondert sind (Fig. 97, 106). Ich halte daher diese Entodermwucherungen für Rudimente wirk- licher Täniolen, die unter den Medusen und Medusoiden der Hydro- polypen nur denen von Tubularia fehlen, weil sie wie so viele andre Organe derselben Medusoide (s. u.) der allgemeinen Rückbildung unter- lagen^. Auf den nächsten Entwicklungsstufen vergrößert sich die Ver- dickung des Scheitelectoderms und senkt sich zum Glockenkern ein, in dessen Umfange die vier zunächst nur an der Basis hohlen Radial- schläuche aufwachsen. Schon an Längsdurchschnitten kann man feststellen, daß mit den radialen Schläuchen interradiale Zwischen- räume abwechseln, die die Annahme einer kontinuierhchen Entoderm- lamelle ausschKeßen (Fig. 98) ; und die Querdurchschnitte gleich alter Knospen mit einem soliden Glockenkern beweisen vollends, daß Tubu- laria in der ersten Anlage der umbrellaren Entodermteile keine Aus- nahme von der Regel macht (Fig. 99). Nur sind die mehr oder weniger voneinander abstehenden Radialschläuche frühzeitig abgeplattet. — Sobald der Glockenkern in der Seitenansicht etwa birnförmig erscheint, hebt sich die peripherische Schicht seiner oberen Hälfte als ein kappen- förmiges Epithel von dem tieferen massigen Kern ab, indem eine deut- liche Spalte zwischen ihnen sichtbar wird (Fig. 100). Jene Epithelkappe ist das zukünftige Subumbrellarepithel, der Kern die Anlage der den Spadix später überziehenden Gonade und die Spalte zwischen ihnen das Homologon einer Glockenhöhle. Erst nach dieser Sonderung erhebt sich die Spadixplatte zu einem erst konischen, dann fingerförmigen Spadix (Fig. 103), dessen Basis übrigens nicht selten ebenso wie bei Pennaria zapfenförmig in den Magen hinabwächst. Gleichzeitig beginnt auch die Differenzierung der Gonadenanlage in die Keimzellen und die sie umhüllenden Gewebszellen. Die Täniolen der Hydranthenköpfchen sind dagegen normal. 54 Die Radialschläuche höhlen sich in der wachsenden Knospe voll- ständig aus und rücken zunächst ziemlich weit auseinander (Fig. 101). Dann verbreitern sie sich bis zu gegenseitiger Berührung und beginnen sich zurückzubilden, indem sie miteinander zu einer zusammenhängen- den Schicht verschmelzen^ in der die früheren Lichtungen bis auf einzelne Reste verschwinden (Fig. 104, 105). Dies geschieht sehr un- regelmäßig, indem die Verschmelzung z. B. in einer gewissen Höhe der Glocke nur zwei Radialschläuche umfaßt und etwas tiefer sich umgekehrt auf die zwei andern Schläuche beschränkt. Wirkliche ümbreUar- platten kommen dabei nicht zustande, da gerade die Lichtungen der verschmelzenden Schläuche zu weiten Lacunen zusammenfließen, die auf Querdurchschnitten den Eindruck eines unvollkommenen und um'egelmäßigen Ringkanals machen können. Ist die Verschmelzung vollendet, so fällt das ganze umbrellare Entoderm zu einer dünnen Lamelle zusammen, in der nur dürftige Reste der früheren Lichtungen übrig bleiben können; zuletzt ist nicht einmal die Kontinuität dieser Lamelle nachweisbar. Dies alles stimmt mit keiner der früheren Darstellungen überein. Die umbrellaren Endotermteile beginnen auch bei Tubularia wie in allen Hydromedusen statt mit einer zweischichtigen Entodermlamelle mit vier Radialschläuchen; darin hat Schneider gegenüber seinen Vorgängern Recht. Seine zweischichtige Entodermlamelle ist aber keine besondere Bildung über den Radialschläuchen, sondern ist identisch mit den verschmolzenen Radialschläuchen. — Wenn ferner Allman für Tubularia indivisa und einige andre Arten die Anwesenheit von Radialkanälen und eines Ringkanals in älteren Geschlechtsknospen angibt (Nr. 3, S. 400), so fragt es sich immer noch, ob dies wirkliche Hohlgebilde oder solche Rudimente sind, wie ich sie für Pennaria beschrieb. Die Radialschläuche von Tubularia enden im Umkreise des Scheitels mit vier blasigen Anschwellungen, die miteinander ebenso zusammen- hängen wie die übrigen Strecken der Schläuche, aber keinen voll- kommenen Ringkanal bilden, da zwischen ihrer Innen- und Außen- wand zahlreiche Verbindungsbrücken übrig bleiben (Fig. 107). In den weiblichen Medusoidknospen von Tubidaria mesembryanthemum kann- das Ectoderm durch jene vier Entodermansch wellungen zu flachen Erhebungen vorgewölbt werden, worin man eine Wiederholung der vier Rand Wülste der normalen Medusen zu erblicken hat (Fig. 102, 110). Darauf wachsen oben an jedem Randwulst zwei von den durch Allman beschriebenen meridionalen und leistenförraigen Erhebungen 55 hervor (Nr. 3, S. 419), die an der Exumbrella ziemlich weit abwärts reichen; das Ectoderm dieser Lappen lockert sich auf und im Innern erhalten sie strangartige Fortsätze des Entoderms (Fig. 107). Das Innenblatt des letzteren verwandelt sich später durch VacuoHsierung in ein radiär strukturiertes Netzwerk, das einen ziemlich regelmäßigen Ring um die unterdes schon entstandene apicale Glockenöffnung bildet (Fig. 108). Die Randwülste der männlichen Medusoide unsrer Tubularia ent- stehen später als die weiblichen und bleiben meist unverändert, ohne in die acht meridionalen Lappen auszuwachsen; doch kommen solche auch an männlichen bisweilen vor, obgleich sie angeblich ein besonderes Merkmal der weiblichen Medusoide sein sollen. Natürlich können diese Lappen oder Leisten nicht schlechtweg »Tentakel« genannt werden; doch sind sie vielleicht aus einer sehr weitgehenden Rückbildung von echten Tentakeln hervorgegangen. Auch im Innern der Glocke greift eine Rückbildung Platz. Am Manubrium wachsen der Spadix und die ihn mantelförnüg umgebende Gonade in der Regel so stark an, daß sie die Glockenhöhle ganz aus- füllen; nur ausnahmsweise bleibt die letztere infolge einer schwachen Entwicklung der Gonade gegen den Scheitel hin weit offen (Fig. 102). Ihr regelmäßiger Schwund ist aber nicht nur ein virtueller, sondern die Oberfläche der Gonade verwächst in weitem Umfange mit dem Subumbrellarepithel zu einem lockeren Füllgewebe, wodurch der Medusenbau ganz wesentlich verwischt wird (Fig. 104, 105). — Anfangs ist der Spadix auch an seiner Spitze von der Gonade bedeckt; später weichen aber die Keimzellen von jener Spitze zurück und lassen nur ein einfaches Epithel an ihr zurück, das an die Schlußplatte der Glocke anstößt 1. An dieser Stelle bleibt zwischen den sich erhebenden Rand- wülsten eine Vertiefung zurück, deren Grund oder eben die genannte Schlußplatte der Glocke sich auflöst, worauf im Umkreise der so ent- standenen Öffnung der Glocke das dicke Außenectoderm und das dünne Subumbrellarepithel sich miteinander verbinden, und die zapfen- förmige Spitze des Manubrium in die Öffnung vordringt (Fig. 102, 109, 110). Für ein Velum bleibt nichts übrig. — Dieser Vorgang voll- zieht sich nicht immer zu der gleichen Zeit, an den weiblichen Medu- soiden aber immer früher als an den männlichen (vgl. Ciamician) ; auch steht der Zapfen des Manubrium bei den weiblichen Medusoiden weiter vor. In Fig. 110 ist die Spitze des Manubrium außerhalb des Schnittes geblieben. 56 Nachdem das Sperma reif geworden ist und die Embryonalentwick- lung in den weiblichen Medusoiden begonnen hat, lösen sich die Reste des Glockenkerns auf und der Spadix zieht sich in den Grund der Glocke zurück, die selbst einer gewissen Atrophie anheimfällt. Über den Ursprung der Keimzellen der Tubularien, insbeson- dere der zumeist untersuchten T. mesemhryanthemum liegen recht widersprechende Angaben vor. Agassiz bezeichnete schon den soliden Glockenkern als Keimmasse (S. 51), Ciamician (Nr. 14, S. 503) und Weismann (Nr. 70, S. 127), sowie Thallwitz (Nr. 65, S. 417), hielten das Manubrium-Ectoderm für die Keimstätte, während Tichomiroff, Brauer und Schneider die Keimzellen weiter rückwärts entstehen und erst sekundär in das Manubrium einrücken lassen. Nach Ticho- miroff (Nr. 66, S. 2 — 7) sondert sich der Entodermschlauch der jüngsten Knospe in eine obere und eine untere Hälfte, jene aus kubischen, diese aus Cylinderzellen bestehend. Die obere Hälfte oder die »Keimzone« verdickt sich sodann im Bereich des Entodermbechers und etwas darunter zu Wülsten, die in die Magenhöhle vorspringen, aber allmählich ganz in den Entoclermbecher vorrücken. Die Zellen dieser Wülste, die sich von den übrigen kubischen Entodermzellen nicht unterscheiden, nehmen darauf an Zahl ab, während im Glockenkern eine Zellenver- mehrung stattfindet; daraus schließt Tichomiroff, daß jene Zellen in den Glockenkern einwanderten und folglich die Keimzellen entodermalen Ursprungs seien. — Brauer (Nr. 8, S. 553 — 556) bestätigt jene Ein- wanderung der Keimzellen in den Glockenkern, verlegt aber ihren Ursprung in das Ectoderm der Stiele, wo die indifferenten Urkeimzellen ins Entoderm übertreten und bis zum Spadix hinaufwanderten. Ein- zelne von jenen ectodermalen Urkeimzellen sollen im Ectoderm weiter wandern und bis zum Scheitel der Knospe gelangen, von wo sie direkt in den Glockenkern einrückten. Schneider (a. a. 0.) schließt sich Brauer vollständig an. Auf Grund meiner Beobachtungen kann ich nur die ältere Ansicht von dem Ursprung der Keimzellen von Tuhularia bestätigen, daß sie nämlich im Glockenkern und Manubrium-Ectoderm entstehen. Und zwar beginnt diese Entwicklung oft schon im Boden des Glockenkerns, bevor der Spadix sich erhoben bat (Agassiz); denn in solchen Knospen, namentlich weiblichen Geschlechts, treten in dem mehrschichtigen Glockenkernboden einzelne Zellen mit größerem und hellerem Kern hervor, die später um diesen Kern eine einseitig überwiegende, also halbmondförmige dunkle Plasmazone erhalten (Fig. 100) — ein un- zweideutiges Merkmal der Keimzellen. Im Manubrium vermehren sie 57 sich ganz bedeutend und offenbar durch Neubildung aus den indiffe- renten Zellen, die stets zwischen den Keimzellen beiderlei Geschlechts anzutreffen sind und allmählich an Zahl abzunehmen scheinen (Fig. 103). Am deutlichsten bleiben diese Gewebszellen an der Oberfläche der Gonaden, wo sie aber kein besonderes Epithel bilden, da sie, abgesehen von der schon beschriebenen Verbindung mit dem Subumbrellarepithel, mit dem inneren Zwischengewebe der Gonade netzförmig zusammen- hängen. Während jenes Erscheinens der Keimzellen im Glockenkern- boden habe ich eben solche Elemente weder aus der Umgebung in den Glockenkern und das Manubrium eintreten sehen, noch überhaupt in andern Teilen des Medusoids oder in seinem Stiel angetroffen. Ich bin daher überzeugt, daß die Keimstätte von Tuhularia mesemhryanthemum sich nur im Boden des Glockenkerns und im Ectoderm des jungen Manubrium befindet. Die durchaus abweichenden Ansichten von Tichomiroff und Brauer halte ich für Folgen von Verwechslungen. Tichomiroff hat weder wirkliche Keimzellen im Entoderm, noch ihre Einwanderung in den Glockenkern gesehen, sondern stützt seine Annahme nur darauf, daß die von ihm so genannten entodermalen »Keimpolster« während des Wachstums des Glockenkerns an Masse abnehmen. Diese Polster sind aber teils die von mir beschriebenen rudimentären Täniolen (S. 53), teils Anschnitte der Radialschläuche ; die ersteren bestehen aber noch unverändert, nachdem das Manubrium bereits recht umfänglich geworden ist (Fig. 103) und die Radialschläuche sind, was freilich nur die so häufig vernachlässigten Querdurchschnitte und nicht die täu- schenden interradialen Längsdurchschnitte beweisen können, stets und ausnahmslos zweischichtig (Fig. 104, 105). Die einzigen greifbaren Dinge in Tichomiroff s Darstellung, die Täniolen, verschwinden also überhaupt nicht während des ersten Wachstums des Manubrium, und noch weniger kann eine Einwanderung ihrer Zellen in das Manubrium und ihre Identität mit Keimzellen in Frage kommen. Brauer glaubt nun das, was bei Tichomiroff fehlt, ergänzen zu können, da er differenzierte Keimzellen sowohl im Entoderm wie im Ectoderm gefunden haben will. Aber gerade seine Beschreibung dieser Keimzellen widerspricht seiner Deutung. Denn die fraglichen Zellen mit umfänglichem dichtem Plasma um den stark färbbaren Kern, die allerdings überall leicht aufzufinden sind, sind alles andre, nur keine Keimzellen, deren Differenzierung bei Tuhularia ebenso wie bei allen andern Hydropolypen mit einer Vergrößerung und Aufhellung des Kerns beginnt, worauf die Verdichtung des Plasma in einer halbmond- 58 förmigen, ganz dünnen Zone um den Kern einsetzt (Fig. 101, 103, 107). Natürlicli liegt es nahe, die von mir beschriebene erweiterte Keimzone von Fennaria zur Bestätigung der BRAUERschen Auffassung heran- zuziehen; und es wäre mir eine solche Bestätigung aus später ersicht- lichen Gründen nur erwünscht. Angesichts der mir vorliegenden Be- funde kann ich aber die Existenz einer außerhalb des Glockenkerns befindlichen Keimzone bei Tuhularia mesenihrijanthemum nicht zugeben und muß mich der älteren Ansicht anschließen, daß die Keimzellen dieses Polypen nur im Glockenkern und im Ectoderm des Manubrium entstehen. — Von den weiblichen Keimzellen der Tubularien verwandeln sich bekanntlich nur wenige in Eier, die übrigen werden als Nährzellen verbraucht; das Nähere dieses Vorgangs schilderten bereits Tichomi- ROFF, DoFLEiN (Nr. 20), Schneider. Die Medusoide von Tuhularia mesembryanthemum sind gleich denen von Pennaria cavolinii zurückgebildete Medusen, deren normale Anlagen noch weiter reduziert werden als bei Pennaria, was gerade zu manchen Mißverständnissen Veranlassung gegeben haben mag. 8. Corydendrium parasiticum (Taf. V). Mit Corydendrium beginne ich die Reihe derjenigen von mir unter- suchten Athecata, deren Geschlechtsindividuen keine Medusen, sondern sogenannte »Gonophoren« sind. Nachdem es sich aber bei meinen Untersuchungen der ThecapJiora herausgestellt hat, daß unter jenem Namen durchaus heterologe Gebilde zusammengefaßt werden, sehe ich mich veranlaßt, zur Vermeidung von Mißverständnissen die Be- zeichnung » Gonophoren « ganz aufzugeben und zunächst die Keimträger der Athecata »Gonanthen« zu nennen. Die Architektonik des Stockes hat Weismann zutreffend be- schrieben (Nr. 70, S. 36); ich beschränke mich daher auf die Beschreibung der Knospen. Diese entspringen unterhalb der sich an das Hydranthen- köpfchen anschließenden »Cambium-Zone«, im Bereich des Keimzellen produzierenden Stielabschnitts und sind zweierlei Art. Solange dort in jungen Hydranthen noch keine oder nur ganz wenige Keimzellen vorhanden sind, kann die hervorwachsende Hohlknospe keimfrei bleiben und verwandelt sich dann in einen sterilen Hydranthen (Fig. 111). Ist die Bildung von Eizellen — mir standen nur weibliche Stöcke zur Verfügung — vor dem Beginn der Knospung weit vorgeschritten, so treten mit der ersten Ausstülpung der Knospe gleich Eizellen in sie 59 ein und vermeliren sich durch steten Nachschub aus dem Hydranthen- stiel (Fig. 112, 113). Diese Gonanthen sind also nichts andres als Hydranthenknospen, deren normale Entwicklung zu Hydranthen durch die Einwanderung von Keimzellen mehr oder weniger abgeändert wird. Die Keimstätte von Corydendrium ist, wie Weismann zeigte, das Entoderm des Hydranthenstiels ; und da die Keimzellen dort stets in der Tiefe des Epithels, unter den bloß in einer Lage vorhandenen gewöhnlichen Epithelzellen entstehen, so hielt es W. für möglich, daß sie im indifferenten Zustande junger Epithelzellen aus dem Ectoderm ins Entoderm einwandern, um sich erst dort zu differenzieren (Nr. 70, S. 41, 42). Nun habe ich aber Bilder vor Augen, die denentodermalen Ursprung der Eizellen von Corydendrium ganz sicher beweisen. Es ist klar, daß wenn die noch undifferenzierten Eizellen, also die sogenannten Urkeimzellen, vom Ectoderm her ins Entoderm ein- rückten und von den ihnen gerade anliegenden Entodermzellen bedeckt blieben, diese entweder gehoben oder abgeplattet und verbreitert werden müßten. Nach meinen Befunden zeigen sich aber die jüngsten Eizellen in den Hydranthenstielen von Corydendrium unter durchaus andern Begleiterscheinungen. An solchen Stellen sieht man, daß zwischen den gewöhnlichen Epithelzellen des Entoderms hier und dort der Raum einer solchen Zelle von zweien eingenommen wird, von denen die basale durch ihren größeren hellen Kern und die ihn umkreisende dunkle Plasmazone als Eizelle gekennzeichnet, die andre, sie gegen die Lichtung des Entodermschlauchs deckende aber eine einfache Epithelzelle ist (Fig. 115 a). Diese letztere ist nun weder abgeplattet noch gehoben und nur halb so hoch und so groß wie die benachbarten Epithelzellen, während die darunterliegende Eizelle allerdings sehr bald zu wachsen beginnt. Es gibt dafür nur die eine Erklärung, daß eine normale Epithelzelle durch Querteilung in jene beiden Elemente, die tiefere Eizelle und ihre Deckzelle zerfiel, was um so sicherer erscheint, als eine scharfe Trennungsgrenze bisweilen noch fehlt (Fig. 116). Diese an allen jüngsten Eizellen wiederkehrende Erscheinung beweist also, daß jede Eizelle ein Teilungsprodukt einer Entoderm- zelle ist. Sobald sich die junge Eizelle durch Wachstum ausdehnt, hebt und plattet sie natürhch die Deckzelle ab, diese teilt sich oder es schließen sich ihr benachbarte Epithelzellen an, so daß sie zusammen ein Gewölbe über der vergrößerten Eizelle bilden (Fig. 114, 115&). Mit dem Nachweise des entodermalen Ursprungs der Eizellen ist aber die Bedeutung der beschriebenen Befunde nicht erschöpft. Da 60 die junge Eizelle ganz unverkennbar differenziert erscheint, bevor ihre Deckzelle Form, Größe und Lage einer halben Epithelzelle irgendwie verändert hat, ja sogar bevor die Grenzlinie zwischen ihnen deutlich hervortritt, so folgt daraus, daß jene Differenzierung mit der Teilung der ursprünglichen Epithelzelle Hand in Hand geht, und daß der Zustand einer völlig indifferenten » Urkeimzelle « bei Corydendrium gar nicht vorkommt. Genau dasselbe habe ich auch bei andern Hydropolypen, deren große Entodermzellen günstige Bedingungen einer einwandfreien Beobachtung bieten, namentlich bei Clava, Sertidaria und SertidareUa wiedergefunden (s. u.), so daß eine solche Entstehung von entodermalen Keimzellen bereits in erheblichem Umfange festgestellt ist. Da ein solcher Ursprung von entodermalen Keimzellen bisher noch niemals nachgewiesen war, so bestand nicht nur für Corydendrium, sondern für alle Hydropolypen mit entodermaler Keimstätte die Möghchkeit, daß ihre Keimzellen in dem unkenntlichen Zustande von »Urkeim- zellen« vom Ectoderm eingewandert seien. Die angeführten Beobach- tungen sichern aber den Analogieschluß, daß, sobald die Keim statte, d.h. die Schicht, in der allein die jüngsten kenntlichen Ei- zellen vorkommen, das Entoderm ist, dieses auch deren Ursprungsstätte ist, selbst wenn dies noch nicht in der angegebenen Weise unwiderleglich nachgewiesen wurde. Denn gegenüber einer solchen natürHchen Analogie kann die erwähnte, empirisch durch nichts gestützte bloße Möglichkeit kaum in Betracht kommen. Ob die letztere trotzdem durch allgemeine Gründe Bedeutung gewinnen kann, wdrd im vergleichenden Teil zur Sprache kommen. Nach Weismann verhält sich das Sperma von Corydendrium genetisch ebenso wie die Eizellen. Die männlichen Keimzellen werden erst im Entoderm sichtbar; die bloße Möglichkeit ihrer Einwanderung aus dem Ectoderm in einem völlig indifferenten Zustande braucht nach den obigen Bemerkungen jetzt noch nicht erörtert zu werden. Das sich entwickelnde Sperma bleibt auch im Gonanthen einfach unter dem Entodermepithel liegen und veranlaßt keine besonderen Metamorphosen in seiner Umgebung, so daß uns nur noch die Veränderungen der weib- lichen Gonanthen zu beschäftigen haben, die bereits Weismann aus- führlich und zutreffend beschrieben hat. Die jüngsten Gonanthen unterscheiden sich anfangs nur durch den Besitz von Keimzellen von den sterilen Hydranthenknospen desselben Polypen; später steigert sich der Unterschied dadurch, daß die sterilen Hydranthenknospen einen Mund und Tentakel erhalten, die bei den Gonanthen nicht zur Entwicklung kommen, so daß sie bis zur Reifezeit 61 geschlossene, lang keulenförmige Schläuche bleiben. In diesem Zustande verharren die männlichen Gonanthen, die weiblichen werden gerade durch die Eizellen im Innern weiter umgebildet. Da die weiblichen Gonanthen, wie schon erwähnt, in derKeim- zone des Hydranthenstiels hervorwachsen, geschieht die Einwanderung der dort vorhandenen Eizellen vornehmlich passiv, durch die Wachs- tumsbewegung des Entoderms, ohne daß man eine Beteiligung von Eigenbewegungen der Eizellen an jener Wanderung auszuschließen braucht (Fig. 112, 113). Da jedoch in jener ihrer passiven Orts- veränderung auch schon die bestimmte Richtung von der Basis des Gonanthen aufwärts enthalten ist, fehlt der etwaigen Eigenbewegung der Eizellen jede grundsätzliche Bedeutung. — Während die Eizellen in den Gonanthen ansehnlich wachsen, stülpen sie das Entoderm immer stärker gegen die Höhlung vor ; dieses zieht sich wiederum mit scharfem Rand unter jeder Eizelle zusammen und drängt sie auf diese Weise vom Ectoderm ab, bis sie endlich vom Entoderm allseitig wie von einem FolHkelepithel umschlossen ist ^ . Diese Folhkel füllen zuletzt den größten Teil der Höhlung des Gonanthen aus ; und zwar habe ich aus den Quer- schnittserien von sechs Gonanthen verschiedenen Alters feststellen können, daß ihre Eifolhkel stets in zwei einander gegenüberliegenden Reihen angeordnet sind und dabei ziemlich regelmäßig alternieren. Natürhch kann diese Anordnung nicht von den Eizellen spontan ver- anlaßt sein, sondern nur so, daß sie als passive Massen die Anpassung des wachsenden Entoderms an den gegebenen Raum beeinflußten. Hinsichtlich des Austritts der Eier habe ich dasselbe beobachtet, wie Weismann (Nr. 70, S. 44). Die Follikel strecken sich aufwärts, bis sie die verdickte Spitze des Gonanthen erreichen und mit deren Entoderm verschmelzen; über dieser Stelle öffnet sich der Gonanth, worauf das nächste Ei austritt. Nachdem alle Eier den Gonanthen verlassen haben, um sich auf dem Periderm anzuheften, schrumpfen die am Scheitel des Gonanthen befestigten Folhkel und beginnen zu zerfallen, worauf auch der ganze Gonanth sich gegen seine Wurzel zu- sammenzieht und allmählich resorbiert wird. Nach der voranstehenden Beschreibung bedarf es keiner weiteren Erörterung, daß in den Gonanthen von Corydendrium parasiticum jede Spur einer medusoiden Bildung fehlt. Wenn ich trotzdem schon hier, d. h. bevor die Entwicklung der Medusen und sonstigen Keim- träger der verschiedensten Hydropolypen vergleichend geprüft werden 1 Dieser Vorgang kann übrigens schon im Hydranthenstiel beginnen (Fig. 113). 62 kann, auf die Frage eingehe, ob in den Gonanthen von Corijdendrium vollständig zurückgebildete Medusen erblickt werden könnten, so ge- schieht es, weil Weismann als Hauptargument für diese Ansicht den bereits erörterten Ursprung der Keimzellen desselben Polypen anführt. Ohne Rücksicht darauf erschien auch Weismann der medusoide Ursprung jener Gonanthen zweifelhaft (Nr. 70, S. 252); später (S.289, 291) machte er die Entscheidung davon abhängig, daß der entodermale Ursprung der Keimzellen bei Corydendrium so wenig wie bei irgend einem andern Hydropolypen nachgewiesen ist und vielmehr aus mehreren allgemeinen Gründen ihre »ectodermale Abkunft kaum in Abrede zu stellen ist«. Dies bedeute aber eine Verlegung der ursprünglich ectodermalen Keim- stätte in das Entoderm, wo sie sich gegenwärtig befindet; und eine solche Verlegung der Keimstätte ließe sich nur verstehen unter der Annahme einer medusoiden Abstammung der Gonanthen. Die wichtigste Voraussetzung dieser ganzen Schlußfolge ist also der ectodermale Ursprung der Keimzellen von Corydendrium ; und gerade diese Prämisse ist durch meine direkten Beobachtungen über die Ent- stehung dieser Keimzellen aus dem Entoderm widerlegt, worauf denn auch alle weiteren Schlüsse hinfälhg werden. Die Gonanthen von Corydendrium farasiticum zeigen keine Spur einer medusoiden Bildung oder eines medusoiden Ursprungs; sie erscheinen vielmehr durchaus als Hydran- thenknospen, deren normale Ausbildung infolge der Auf- nahme von Keimzellen unterbrochen und wenigstens in weiblichen Stöcken durch Neubildungen (Follikel) ersetzt wird. 9. Eudendrium racemosum und E. rameum (Taf. VI). Der im allgemeinen einfache Bau der Gonanthen der Gattung Eudendrium wurde bisher ziemlich übereinstimmend beschrieben; da- gegen widersprechen einander die Angaben der verschiedenen Beobach- terüber den Ursprung der Keimzellen und insbesondereder Eizellen. Kleinenbekg wies zuerst nach (Nr. 48), daß die jungen Eizellen in den Stämmen von Eudendrium mit größter Leichtigkeit aus einer Körperschicht in die andre, aus dem Ectoderm in das Entoderm und zurück übertreten, weshalb nur der Fundort der allerjüngsten Eizellen als Ursprungsstätte gelten könne. Als solche erkannte dann Kleinen- berg das Ectoderm einer Eudendrium- Kit, wahrscheinlich des Euden- drium racemosum. Weismann (Nr. 70, S. 98) und Ishikawa (Nr. 46) 63 bestätigten dies für die letztgenannte Art ; dagegen gelang es "Weismann aiicli nach wiederholten Untersuchungen nicht, bei Eudendrium capülare Eizellen außerhalb des Entoderms zu finden (a. a. 0., S. 110). Nach TiCHOMiROFF stammen die Samenzellen von Eudendrium armatum aus dem Entoderm (Nr. 66, S. 36), und neuerdings behauptete Haegitt dasselbe von den Eizellen des Eudendrium racemosum, dispar^ tenue, ramosum und capillare (Nr. 37). Ich selbst habe in den beiden von mir untersuchten Arten, Euden- drium racemosum und rameum, die kleinsten männlichen und weib- hchen Keimzellen im Ectoderm angetroffen. Angesichts der wider- sprechenden Angaben der andern Beobachter halte ich mich aber nicht für berechtigt, über den Ursprung der Keimzellen irgend eines Euden- drium ein bestimmtes Urteil zu fällen. Hält man sich streng an die Tatsachen, so muß man es trotz allem für das Wahrscheinlichste er- klären, daß die Keimstätte in den verschiedenen Arten von Eudendriu7n, vielleicht sogar in einer und derselben Art wechselt, und es wird sich zeigen, daß auch allgemeine Erwägungen eher für als gegen eine solche Annahme sprechen. — Wo aber auch die Keimzellen von Eudendrium entstehen mögen, so finden sie sich regel- mäßig zuletzt im Entoderm des Blastostyls, um von dort aus in die Go- nanthen einzuwandern. Ausnahmsweise kommen, wie schon Weis- mann bemerkte (Nr. 70, S. 105) und ich bestätigen kann, fehlgegangene Eizellen im Ectoderm des Blastostyls und der Gonanthen vor. Auch die Bildung der Blastostyle ist bei Eudendrium recht ver- schieden. Die Rückbildung der Gonanthen tragenden Hydranthen zu Blastostylen ist allerdings längst bekannt ; doch wird schon von Hincks angegeben (Nr. 45, S. 81), daß die männlichen Blastostyle von Euden- drium rameum ihren Polypenbau erst spät einbüßen , und Allman beschreibt dasselbe von Eudendrium ramosum, dessen weibliche Blasto- style übrigens stets weniger reduziert erscheinen, während Eudendrium racemosum vollkommene Blastostyle beiderlei Geschlechts erzeuge (Nr. 3, S. 333, 341). Weismann hält dagegen das Vorkommen von Gonanthen tragenden Hydranthen nur für eine Ausnahme (Nr. 70, S. 107), während Seeliger (Nr. 63) die Blastostylbildung allerdings auch schon in der ersten Knospenanlage antrifft, aber doch von den bereits eingewanderten Eizellen abhängig sein läßt, wie schon vorher TiCHOMiROFF behauptet hatte (Nr. 66, S. 33). Im besonderen sollen die männhchen Blastostyle von Eudendrium racemosmn nach Weis- mann Rüssel, Mund und Tentakel entbehren, die weiblichen dagegen einen doppelten Tentakelkranz und vorübergehend einen Mund besitzen. 64 Nun habe ich jene Ausnahmen von Weismann bei Eudendrium rameuni ganz ständig gesehen, und zwar sind die männhchen Gonanthen- träger wenigstens anfangs vollkommene Hydranthen, während im weib- lichen Geschlecht der Mund durch ein dünnes Häutchen verschlossen ist. Bei Eudendrium racetnosum fand ich neben ebensolchen weiblichen Gonanthenträgern andre ohne einen Rüssel, und die männlichen Gonan- thenträger durchweg mit einem dichten Tentakelkranz. Aus allem scheint mir also hervorzugehen, daß dieBlastostylbildung bei Eudendrium nicht sowohl nur durch einige Ausnahmen, sondern durch eine weitgehende Variabilität ausgezeichnet ist, die von voll- kommenen Hydranthen bis zu ganz rudimentären Formen führt. Gegen das Ende der Reifezeit tritt allerdings stets eine Rückbildung der Gonanthenträger ein, was zweifellos nur auf den direkten Einfluß der Gonanthenentwicklung zurückgeführt werden kann. Die Gonanthen von Eudendrium entstehen bekanntlich kranz- förmig um die Basis ihres Trägers, aus dessen Entoderm die Keimzellen in die ersteren einwandern^ wo sie nach Weismann alsbald die Grenz- lamelle durchbrechen und so ins Ectoderm gelangen (Nr. 70, S. 98, 108). Die in den weiblichen Gonanthen eingewanderte Eizelle — sie bleibt die einzige — soll nach demselben Beobachter anfangs an der Spitze des Gonanthen auf dem etwas abgestumpften Ende des Ento- dermschlauchs und noch innerhalb der Grenzlamelle liegen; sobald aber der wachsende Entodermschlauch sich auf einer Seite an der Eizelle vorbei zu schieben und sie hakenförmig zu umgreifen beginnt, soll sie sich außerhalb der Grenzlamelle befinden und durch keine solche Lamelle vom Ectoderm getrennt sein (Nr. 70, S. 104, 105). Ich kann dies nicht bestätigen; denn ich sehe die Eizelle jederzeit durch die ursprüngliche Grenzlamelle vom Ectoderm getrennt bleiben, wozu sich sehr bald eine zweite Grenzlamelle zwischen Eizelle und Entoderm gesellt (Fig. 117). Die Eizellen von Eudendrium liegen also in der Tat zwischen Ecto- und Entoderm (Ciamician). — Bei Eudendrium rameum bleibt der gekrümmte Entodermschlauch einfach, bis er zur Reifezeit atrophiert; bei Eudendrium racemosum spaltet er sich, wie Weismann fand, an der Spitze in zwei Arme, die die Eizelle von zwei Seiten her widderhornartig umgreifen. Von den männlichen Gonanthen wird eine wesentlich andre Entwicklung angegeben. Nach Ciamician (Nr. 14, S. 50G) entständen in dem Entodermschlauch paarweise einander gegenüberliegende Sper- matoblasten, deren Kerne sich alsbald vermehren; durch Wachstum breiten sie sich im queren Umfange des Gonanthen so weit aus, daß 65 sie zuletzt ringförmig und an seiner Spitze kappenförmig zusamnaen- fließen. Auch scheinen nach Ciamicians Abbildungen (Fig. 18, 19, 22) die distalen Hoden später zu entstehen als die proximalen. Weismann läßt dagegen die aus dem Blastostyl eingewanderten Spermatoblasten sich zuerst an der Spitze des Gonanthen ansammeln, so daß dieser erste Hoden über der Entodermkuppe undurchbohrt bleibt, während alle folgenden Hoden gleich ringförmig angelegt werden. Sie verlassen das Entoderm wie die Eizellen nach Durchbruch der ursprünglichen Grenzlamelle und sind vom Ectoderm durch keine Lamelle getrennt. Ich bestätige die Einwanderung der kleinen aber kenntlichen Spermatoblasten aus dem Blastostyl in den Gonanthen und ihre erste Ansammlung an dessen Spitze ; alles übrige finde ich aber nach genauer Prüfung anders. Allerdings verlassen sie das Entoderm, aber ohne die alte Grenzlamelle zu durchbrechen ; nachdem sie sich an der Außenseite des Entodermepithels angesammelt haben und dabei das Ectoderm vorwölben, ist die frühere Grenzlamelle noch vollkommen deutlich, während eine neue Lamelle zwischen Hodenmasse und Entoderm in der Bildung begriffen ist (Fig. 118 — 120). Dies kann man freihch nur an jungen Hodenanlagen erkennen; denn die weiter vorgeschrittenen haben das ihnen eng anliegende Ectoderm außerordentlich ausgedehnt und verdünnt, so daß dort eine Grenzlamelle kaum zu unterscheiden ist (Fig. 121). — Wichtiger scheint mir die eigentliche Formentwicklung der Hoden. Keiner von ihnen wird aus zwei Hälften oder gleich ring- förmig, und der erste auch nicht kappenförmig gebildet. Die erste Hodenmasse liegt freilich zuerst gleich einer Eizelle auf der Kuppe des Entodermschlauchs (Fig. 118); bevor aber beide durch die sekun- däre Grenzlamelle getrennt sind, wächst das Entoderm genau so wie im weiblichen Gonanthen an jener Masse seitlich vorbei, sie ebenfalls etwas umgreifend (Fig. 119, 120). Dann erst beginnt die Hodenmasse mit zwei Zipfeln sich quer um das Entoderm auszudehnen und umwächst ihn schließlich ringförmig, so daß seine Kuppe aus dem Einge frei hervor- tritt und dann mit dem Ectoderm des Gonanthenscheitels bisweilen zu einem unregelmäßigen Zipfel vorwächst (Fig. 121). Auch die folgenden Hoden beginnen stets einseitig und werden erst allmählich ringförmig. Die Entwicklung des ersten und unzweifelhaft phyletisch ältesten Hodens ist deshalb bemerkenswert, weil sie wenigstens anfangs der Entwicklung des weibhchen Gonanthen folgt; die beiderlei Keimträger differieren also im Grunde genommen nicht so sehr, wie es nach ihrer Fertigstellung erscheint. Daß die Gonanthen von Eudendrium keinerlei Merkmale von 5 66 Medusen haben, liegt ebenso auf der Hand wie bei Corydendrium. Dann scheint es mir auch nicht zulässig, den Entodermschlauch jener Gonanthen ebenso »Spadix« zu neimen, wie die entodermale Ausklei- dung des Manubrium einer Meduse. Allman führte diese schon früher benutzte Terminologie ganz allgemein ein (Nr. 3, S. 32, 39, 43, 45), indem er sich auf die äußerliche Ähnhchkeit und einen vermuteten genetischen Zusammenhang der beiden Teile stützte. Weismann scheint dies nicht für ganz passend zu halten, will aber den Ausdruck »Spadix« für den Entodermschlauch der Gonanthen von Eudendrium beibehalten, weil er »eine gewisse Selbständigkeit besitzt« (Nr. 70, S.16). Dieser Gebrauch ist aber irreführend, da derselbe Name innerhalb einer relativ engen Gruppe naturgemäß eine Homologie der so bezeich- neten Teile voraussetzt, und diese Homologie in unserm Fall unter keinen Umständen zutrifft, selbst nicht, wenn man in den Gonanthen von Eudendrium rückgebildete Nachkommen von Medusen zu sehen meint. Homologa wären auch in diesem Fall nur die einfachen, ungeson- derten Entodermschläuche der Gonanthen und der jüngsten Medusen- knospen; sobald nun ein solcher Schlauch in der Medusenknospe sich in die Kadialschläuche, den Centralmagen und die Entodermauskleidung des Manubrium gesondert hat, so kann dieser letztere neugebildete Teil nicht dem ganzen ursprünglichen Entodermschlauch der Medusenknospe oder des Gonanthen homolog sein, und dürfen daher diese heterologen Teile nicht denselben Namen führen. Wem von ihnen der Name »Spadix« ausschließlich belassen werden soll, ist nach praktischen Eücksichten zu entscheiden. Soll der ganze einfache Entodermschlauch der Gonanthen so heißen, so müßte es auch der gleiche Entoderm- schlauch der jüngsten Medusenknospen, während die weiter entwickelten Knospen keinen »Spadix« mehr besäßen — was notwendig zu Miß- verständnissen führte. Beläßt man dagegen den Namen »Spadix« allein der Innenschicht des Manubrium der Medusen, so fällt er für die Gonanthen von Eudendnum und, wie wir sehen werden, aller andern Hydropolypen einfach fort, ohne daß Mißverständnisse zu besorgen wären. Ich werde mich daher nach wie vor an die letztere Terminologie halten. 10. Dicoryne conferta (Taf. VI). Das von mir untersuchte, aus der Nordsee stammende Stöckchen zeigt nüt einer gleich zu erwähnenden scheinbaren Ausnahme alle ö7 Merkmale der genannten Species, sowohl im Bau und der Verzweigung des Stammes und der Hydrantlien, wie in der Bildung der Blastostyle und ihrer Gonanthen (s. Allman, Nr. 3, S. 226, 293). Die schlauch- förmigen und tentakellosen Blastostyle laufen distal in einen langen dünnen Rüssel aus, sind darunter mit den ei- und birnförmigen, von einem Periderm umhüllten Gonanthen besetzt und sitzen auf relativ langen Stielen. Sobald die Gonanthen einigermaßen ausgewachsen sind, enthalten sie innerhalb des Ectoderms einen einfachen Entodermschlauch und meist zwei große Eizellen, die an zwei einander entgegengesetzten Seiten zwischen den beiden Körperschichten liegen. Männliche Blasto- style und Gonanthen wurden nicht bebachtet, obwohl sie nach Allman in demselben Stöckchen mit weiblichen gemischt vorkommen. Nun fehlten aber an den von mir untersuchten Gonanthen die beiden von Allman beschriebenen basalen Tentakel, die nach dem Freiwerden des Gonanthen sich rückwärts umschlagen. Dies kann jedoch kein Grund sein, die Bezeichnung Dicoryne conferta für dasselbe Stöckchen zu beanstanden; denn die ältesten von mir gefundenen Gonanthen waren, nach der Größe der Eizellen zu urteilen, noch nicht ausgewachsen, und es ist ziemlich sicher, daß die Tentakel sich erst an den reifenden Gonanthen entwickeln. Die Entwicklung der Gonanthen ist so einfach wie möglich. Wo das Ectoderm des Blastostyls in geringem Umfange verdickt und etwas vorgewölbt erscheint, wächst eine kleine Ausstülpung des dicken Entoderms mit enger Lichtung in jene Ectodermverdickung hinein, worauf die ganze junge Knospe an ihrer Basis eingeschnürt, gestielt wird (Fig. 122, 123). Ihre weitere Ausbildung hängt mit dem Auf- treten der Eizellen zusammen. Diese entstehen im Ectoderm des Blastostyls und können dort bereits eine ansehnliche Größe erreichen; jenseits der Gonanthen habe ich keine Eizellen im Blastostyl angetroffen. Sie liegen einzeln oder zu zwei und drei gruppiert in wenig vorstehenden Verdickungen des Ectoderms und rücken scheinbar passiv in die an derselben Stelle hervorwachsenden Knospen hinein, wo sie bald am Scheitel, bald seitlich zu sehen sind. Doch fand ich zahlreiche junge Knospen, die keine Eizellen enthielten und deren Blastostyl ebenfalls keine oder etwa nur eine Eizelle zeigte. Angesichts der so außerordent- lich frühe auftretenden Bildung des dünnen Knospenstiels ist es nicht recht wahrscheinlich, daß Eizellen, die etwa später im Blastostyl ent- stehen, durch jene Stücke aktiv in die Knospen einwandern sollten; anderseits sehe ich in einigen dieser Knospen hier und dort eine Ecto- dermzelle mit dunklerem Protoplasma, die ganz wohl zu einer Eizelle 68 auswachsen könnte. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß die Keim- zone von Dicoryne sich vom Blastostyl bis in die Gonanthen ausdehnt. In den Gonanthen bleiben die Eizellen im Ectoderm, unmittelbar an der Grenzlamelle liegen; bei einer gewissen Größe werden sie aber auch außen von einer neuentstandenen Grenzlamelle überzogen und so vom Ectodermepithel getrennt. Die reifenden Eier befinden sich also zwischen dem Ectoderm und dem Entoderm. — In der Regel sind sie in der Zweizahl vorhanden und einander gegenüber gelagert (Fig. 126) ; doch kommen auch drei und vier oder nur eine Eizelle in einem Gonan- then vor (Fig. 123 — 125). Sobald sie größer werden, platten sie sich gegen den Entodermschlauch ab und drücken ihn etwas zusammen, während sie das Ectoderm stark ausbuchten und verdünnen. Dagegen bleibt das letztere in der Zone zwischen den beiden Eizellen, sowohl seitlich wie am Scheitel dick und mit dem Entoderm fest verbunden. Die Gonanthen von Dicoryne gehören zu den einfachsten, die bei den Hydropolypen gefunden werden. Die einzige Veränderung, die die jüngsten zweischichtigen Hohlknospen erfahren, besteht in der Ab- drängung des Entodermschlauchs vom Ectoderm durch die Eizellen. Dadurch gleichen sie den Gonanthen von Heterocotyle coyiyhearei und den weiblichen Gonanthen von Eudendrium. Selbst nachdem die basalen Tentakel in der Hauptebene des Entodermschlauchs entstanden sind, ist an ihnen keinerlei Medusenähnlichkeit erreicht, wie Allman meint (Nr. 3, S. 227). Diese seine Ansicht hängt natürlich aufs engste mit seiner Hypothese von dem Ursprung der Medusen zusammen, wonach hohle Tentakel, die von der Basis des Hypostoms eines Hydranthen aufwüchsen und eine sie verbindende Membran mit sich zögen, die Grundlage der Umbrella mit den Radialkanälen bildeten, worauf das Hypostom direkt in das Manubrium überging. Davon ausgehend hält er die Gonanthen von Dicoryne gewissermaßen für die polypoide Vorstufe einer Meduse, deren Bau erreicht wäre, sobald die Glocke mit allen ihren Teilen um den Gonanthen aufwüchse. Nun zeigt aber die Entwicklungsgeschichte der Medusen, daß deren ganze Organisation innerhalb der Knospe und nicht außerhalb derselben entsteht, und zwar durch vier in ihrer Wand eingeschlossene Radialschläuche und einen inneren Glockenkern, in dem sich das Manubrium erst als Neubildung entwickelt. Von einer medusoiden Bildung kann also bei den Gonanthen von Dicoryne gar rächt die Rede sein; und mit viel größerem Recht kann man be- haupten, daß die basalen Tentakel dieser Gonanthen deren Polypen- ähnlichkeit unzweideutig hervortreten lassen; es fehlt nur noch der Mund, um ein Hydranthenköpfchen vollständig zu machen. 69 11. Hydractinia echinata (Taf. VI). Bekanntlich rührt die erste genaue Untersuchung der Gonanthen von Hydractinia echinata von E. van Beneden her (Nr. 6, S. 38 — 61). Nach ihm sind sie anfangs einfache Ausstülpungen der zweischichtigen Wand des Blastostyls^ an deren Scheitel alsbald eine Verdickung des Ectodernis entsteht und einwärts gegen das Entoderm vordringt, um sich dann in eine flache, zweischichtige Kalotte zu verwandeln, die sich über die Kuppe des Entodermschlauchs oder den »Spadix« aus- breitet. Diese Kalotte (Glockenkern — Weismann) kann aber auch durch eine Einstülpung des Ectoderms entstehen. Während ihrer Abplattung und Ausbreitung dringt der Rand der Entodermkuppe zwischen die Kalotte und das Außenectoderm ein und überzieht die erstere als dünne und einschichtige » Medusoidlamelle « (Entodermla- melle) bis zum Scheitel; dort verwächst die halbkuglige Lamelle, wo- gegen ihr unterer Rand sich vom Spadix ablöst. Die Eizellen entstehen nach L. van Beneden im Entoderm des Blastostyls und wandern in die Gonanthen ein; indem sie dort beträcht- lich wachsen, drängen sie die Entodermzellen in zwei Lagen auseinander, eine äußere, die der Ectodermkalotte anhegt, und eine innere, die die Entodermhöhle begrenzt. — Die Spermatoblasten entständen dagegen aus der dicken tieferen Schicht der Ectodermkalotte, während die Außenschicht dünn bleibt; daher bezeichnet van Beneden die Kalotte schlechtweg als Hodenanlage, die bei den weibhchen Individuen indiffe- rent bleibt, aber immerhin auf einen hermaphroditischen Ursprung der Gonanthen hinweist. Anderseits erkennt van Beneden in der- selben zweischichtigen Hodenanlage die Vorstufe des später soge- nannten Glockenkerns, d. h. des Subumbrellarepithels und des ecto- dermalen Überzugs des Manubrium der Medusen. Weismänn (Nr. 70, S. 78 ff.) bestätigt die Beobachtungen van Bene- dens bis auf zwei Punkte, den Ursprung der männüchen Keimzellen und die Deutung der Gonanthen. Die Spermatoblasten entständen nicht im Glockenkern, vielmehr ebenso wie die Eizellen im Entoderm des Blastostyls; nach ihrer Einwanderung in die am Köpfchen des Blastostyls sprossenden Gonanthen durchsetzen sie in der Kuppe des Entodermschlauchs die siebförmig durchbrochene Grenzlamelle, um sich in der tieferen Schicht des Glockenkerns anzusammeln. Ebenso befinden sich auch die in den Gonanthen eingewanderten Eizellen sehr bald außerhalb der Grenzlamelle, also im Ectoderm, wenngleich sie noch in großen Gonanthen an drei Seiten von Entodermzellen 70 umgeben würden. — Daß die beiderlei Urkeimzellen, obgleich sie sich im Entoderm differenzieren, dennoch aus dem Ectoderm stammen, lasse sich zwar nicht direkt beweisen, aber durch den Vergleich mit andern Formen, wo dieser Ursprung zweifellos sei, sicherstellen. Im übrigen betont Weismann, daß durch van Beneden der medusoice Bau der Gonanthen von Hydractinia nachgewiesen sei, daß diese Über- einstimmung jedoch nur darauf zurückzuführen sei, daß sie von voll- kommenen Medusen abstammten, rückgebildete Medusen seien. Endlich hat Bunting (Nr. 10, S. 208—211) Hydractinia einer erneuten Untersuchung unterzogen und ist dabei zu teilweise andern Ergebnissen gelangt. Der Glockenkern der Gonanthen entsteht wahr- scheinlich aus einzelnen aus dem Ectoderm ins Innere vorrückenden Zellen, die nach ihrer Vermehrung zwei Schichten bilden, von denen die innere in den weiblichen Gonanthen die aus dem Entoderm hervor- tretenden Eizellen überzieht, in den männlichen Individuen aber die Spermatoblasten erzeugt. An den älteren Spermarien lassen sich bis- weilen zwei deckende Schichten unterscheiden, doch wird eine Ento- dermlamelle überhaupt nicht erwähnt und findet sich auch in den Abbildungen nicht vor. Die Gonanthen von Hydractinia echinata sitzen an dem Blastostyl unterhalb der von van Beneden zuerst beschriebenen Cambiumzone, also genau an derselben Stelle wie die Gonanthen von Corydendrium. Wie Weismann mit Kecht hervorhob (Nr. 70, S. 40) gehören die Cam- bium- und die Knospungszone von Corydendrium zum Stiel; denn wollte man diese Zonen zum Köpfchen des Hydranthen rechnen, so entständen nicht nur die Gonanthen, sondern auch die neuen Hydranthen am Köpfchen, was sonst nirgends vorkommt. Wegen der genannten über- einstimmenden Lagebeziehungen bei Corydendrium und Hydractinia muß also auch für die letztere Art angenommen werden, daß ihre Gonanthen am Stiel des Blastostyls knospen. Es ist mir daher nicht recht verständlich, warum Weismann bei Hydractinia nicht nur die Cambiumzone, sondern auch die Knospungszone zum Köpfchen des Blastostyls rechnet und daher die Gonanthen als Knospen des Köpfchens ansieht. Die männlichen Gonanthen. Ich stelle sie voran, weil ich gerade unter ihnen die frühesten Entwicklungsstufen antraf. Die Spermatoblasten zeigen sich schon im Entoderm des Blastostyls, wo sie durch ihre starke Färbbarkeit und ihre unregelmäßigen, eckigen 71 Formen kenntlich sind. Ich sehe sie ungefähr ebenso entstehen wie die Eizellen von CorydeHdrium, Clava u. a. (S. 59, 60) : nachdem der Kern einer Entodermzelle sich verdoppelt hat, sammelt sich um einen der- selben, ohne daß er sich vergrößerte und aufhellte wie an einer Eizelle, eine ziemlich breite dunkle Plasmazone, die nun als junger Sper- matoblast in der Mutterzelle liegen bleibt (Fig. 128—130). Dasselbe kann aber auch um den ungeteilten Kern oder um beide Kernhälften der Bildungszelle geschehen. Ich muß also Weismann gegen van Bene- den und BuNTiNG bestätigen, daß die Spermatoblasten von Hydractinia echinata sich im Entoderm und nicht im Ectoderm differenzieren. Dagegen widerlegt diese Entstehung der Spermatoblasten die Vermutung Weismanns, daß sie aus dem Ectoderm einwanderten, schon deshalb, weil ihre Differenzierung nicht an ganzen Zellen, sondern innerhalb der Epithelzellen des Entoderms beginnt. Auch ist es klar, daß die in ihren Mutterzellen liegenden jungen Spermatoblasten nicht selbständig in die Gonanthenknospen einwandern, sondern nur passiv mit ihren Mutterzellen, d. h. mit dem wachsenden Entoderm dorthin gelangen können. EndUch bliebe noch zu erwähnen, daß die beschriebene Differenzierung von Spermatoblasten vom ersten Stadium an auch inner- halb der Gonanthenknospen anzutreffen ist. Aus allen diesen Befunden ergibt sich daher, daß die Spermato- blasten von Hydractinia in und aus den Entodermzellen entstehen und nur einer passiven Ortsveränderung unter- liegen, daß zweitens die Keimzone dieser Polypen sich vom Blastostyl bis in die Gonanthen hinein erstreckt. Nachdem die Gonanthen als indifferente Hohlknospen hervor- gewachsen sind, findet ihre erste wesentliche Veränderung an ihrem Scheitel statt, wo sich das Ectoderm durch Zellteilungen verdickt und infolgedessen einen knopfförmigen Vorsprung gegen das Entoderm bildet (Fig. 131). Eine vorausgehende »Einstülpung« des Ectoderms (van Beneden) habe ich nicht gesehen; da sie auch in den homologen Scheitelplatten andrer Gonanthen fehlt und auch bei den allgemeinen Vergleichen aller Geschlechtsindividuen keinerlei Bedeutung gewinnt, kann sie, falls sie gelegentlich wirklich vorkommt, nur als eine zufälHge Variante bei der Wucherung des apicalen Ectoderms angesehen werden. Die knopfförmige Gestalt dieser Wucherung, die das Entoderm entsprechend eindrückt, dauert jedoch nur eine kurze Zeit; während sich die kompakte Masse vom übrigen Ectoderm (Außenectoderm) ablöst, plattet sie sich an der Unterseite ab und ruht dann in Gestalt einer plan-konvexen Linse auf der wieder eben gewordenen Entoderm- 72 kuppe (Fig. 130). Durch weiteres Wachstum breitet sie sich über den Entodermschlauch abwärts aus und gewinnt dadurch die von van Bene- den gut gekennzeichnete Form einer in einen scharfen Rand aus- laufenden Kalotte (Fig. 132). Währenddessen spaltet sich eine obere dünne Zellenlage von ihr ab, doch bleibt sie ein Ganzes, da beide Schich- ten am Rande zusammenhängen. Soweit stimme ich mit van Beneden überein. Dagegen muß ich seiner weiteren, von Weismann wiederholten Angabe, daß zwischen die abwärts wachsende Kalotte und das Außenectoderm sich eine dünne Entodermlamelle vorschiebt, um so eine der vermeintlichen Entodermlamelle der Medusen homologe Bildung herzustellen, auf das bestimmteste widersprechen. Eine solche Lamelle kommt in den Gonanthen von Hydractinia niemals vor; denn mag auch die Außen - Schicht der Kalotte gelegentlich und stellenweise zweischichtig erschei- nen, so bleibt die letztere doch stets eine einheitliche ectodermale Bildung und dem Außenectoderm unmittelbar angelagert und nur durch eine Grenzlamelle von ihr geschieden. Eine ebensolche Grenzlamelle ist stellenweise auch zwischen der Kalotte und dem Entoderm wahr- zunehmen ; es ist mir aber nicht möglich gewesen festzustellen, welches die ursprüngliche Grenzlamelle ist und welche neu entsteht. Während der Ausbreitung der zweischichtigen Kalotte vermehren sich die Spermatoblasten durch häufige Teilungen und sammeln sich an der äußeren Peripherie des Entoderms an, um darauf in die dickere Innenschicht der Kalotte überzutreten. Dies vollzieht sich aber nach meinen Beobachtungen nicht zu der Zeit, wann die Anlage der Kalotte noch als ein indifferenter Zellenballen nur über der Entodermkuppe ruht, sondern nachdem sie ungefähr die Hälfte des Entodermschlauchs überzogen hat. Auch konnte ich mich nicht davon überzeugen, daß die Spermatoblasten einzeln durch Löcher der Grenzlamelle lündurch- treten; meine Befunde sprechen vielmehr für eine ganz andre Art der »Auswanderung« der Samenzellen aus dem Entoderm. Nachdem sie sich in der Tiefe des Entoderms angesammelt haben, sind sie zunächst noch durch die Grenzlamelle von der Ectodermkalotte getrennt, hängen aber mit dem übrigen Entoderm mehr oder weniger kontinuierlich zusammen, obgleich sie als zwei gesonderte Schichten imponieren. Etwas später schwindet jene Grenzlamelle völlig, so daß Samenzellen und Kalotte zu einer einzigen Schicht zusammentreten. Dies kann aber nicht die Folge einer Einwanderung der Samenzellen durch die Grenzlamelle in die Kalotte sein ; denn wie die größere untere Hälfte des Querdurchschnitts Fig. 133 zeigt, besteht der frühere Zu- 73 sammenhang der Samenzellen mit dem übrigen Entoderm noch unver- ändert. Nur in einem kleineren (oberen) Abschnitt des Durchschnitts zeigt sich bereits eine Trennung beider Teile, die sich weiterhin über deren ganzen Umfang ausbreitet. Dabei handelt es sich, wie der Ver- gleich mit dem früheren Zustande beweist, keineswegs um eine Lage- veränderung der Samenzellenschicht, sondern nur darum, daß die mit ihr zusammenhängenden Entodermteile sich ablösen und zu einem glatt begrenzten Epithel werden, ähnlich wie die oben erwähnten jungen Eizellen von Corydendrium sich von ihren Deckzellen trennen. Zwischen den auf diese Weise getrennten beiden Schichten derGonanthen Aron Hydractinia, dem Spermarium und dem Entoderm, scheint sich zuletzt eine neue Grenzlamelle zu bilden (Fig. 134). Das Ergebnis dieser Befunde würde also lauten: nachdem die Samenzellen sich an der äußeren Peripherie des Entoderms angesammelt haben, schwindet die sie deckende Grenz- lamelle, und vereinigen sie sich mit der Ectodermkalotte zu einer Schicht; darauf trennen sie sich ohne jede Orts- veränderung von dem übrigen Entoderm, das sich zu einem gegen sie scharf abgegrenzten Epithel ordnet. Die Außenschicht oder »Deckschicht« der Kalotte ist anfangs nicht nur scharf von der Innenschicht getrennt, sondern durch eine bedeutende Abplattung von ihr unterschieden. Ihre Zellen erscheinen auf Durchschnitten in der Spindelform, wie sie von jedem Platten- epithel bekannt ist (Fig. 132). Sehr bald verliert sich aber die bestimmte Abgrenzung dieser Schicht, so daß man nur stellenweise einige ihrer Plattenzellen erkennt (Fig. 133, 134). — über die Schicksale der Innenschicht finde ich keine Angaben. Nach ihrer Vereinigung mit den Samenzellen zu der eigentlichen Hodenanlage sind ihre Zellen zwischen den letzteren noch einigermaßen zu unterscheiden (Fig. 134); sobald aber der Zerfall der Samenzellen in immer kleinere Elemente fort- geschritten ist, fehlt in den mittelgroßen Spermarien, die den sich allmählich zusammenziehenden Entodermschlauch wie ein dicker Mantel umschließen, jedes Unterscheidungsmerkmal zwischen den Sexualzellen und dem interstitiellen ectodermalen Gewebe. Erst später, wann die Lichtung des Entodermschlauchs zu schwinden beginnt, und seine Zellen der Auflösung entgegengehen, zeigen sich in der kompakten dunklen und kleinzelligen Samenmasse unregelmäßige oder kughge helle Lacunen, in denen ein Zellengerüst mit helleren und größeren Kernen als diejenigen des Sperma liegt (Fig. 135). Dieses Zwischen- gewebe, das uns noch in andern Spermarien {Cordylojjhora, Theca- 74 fhora) begegnen wird, ist natürlich der Rest der früheren Innenschicht der Kalotte, der wahrscheinlich an halbentleerten Gonanthen noch deutlicher als richtiges bindege websartiges Füllgewebe hervortreten würde, wie es sich auch in den weiblichen Gonanthen unverkennbar zeigt. In den reifenden männlichen Gonanthen ist das Außenectoderm namentlich in der distalen Hälfte außerordentlich verdünnt. Dies nimmt an den Vollreifen Gonanthen so zu, daß sie wie dünne mit Sperma gefüllte Blasen erscheinen, in deren Mitte die undeutlichen Reste des Entodermschlauchs liegen. Die weiblichen Gonanthen durchlaufen im allgemeinen dieselbe Entwicklung wie die männlichen. Die aus dem Blastostyl eingewander- ten Eizellen liegen an der äußeren Peripherie des Entoderms; sie sind dann schon so groß, daß unter ihrem Druck die sie bedeckenden Entc- dermzellen abgeplattet werden, während die sie seitlich einfassenden Zellen cyhndrisch bleiben (Fig. 136). Auch nach außen wirken die größeren Eizellen in ähnlicher Weise; denn die doppelschichtige ecto- dermale Kalotte wird durch die nach außen vorspringenden Eizellen stellenweise bis zur Unkenntlichkeit zusammengedrückt (Fig. 137). Eine Grenzlamelle ist zwischen dem Entoderm und der Kalotte zunächst weniger sicher nachzuweisen als zwischen der letzteren und dem Außen- ectoderm. Wie Weismann richtig angibt, bleiben die Eizellen nicht im Ento- derm, sondern verlassen es und gelangen ins Ectoderm. Den Vorgang selbst hat er nicht verfolgen können, ihn aber aus den Beobachtungen an älteren Gonanthen erschlossen. Da die Eizellen dort außerhalb der das Entoderm überziehenden Grenzlamelle, also innerhalb der ecto- dermalen Kalotte liegen, müßten sie nach seiner Ansicht durch die Grenzlamelle hindurch aus dem Entoderm ausgewandert sein. »Wäh- rend sie (die Grenzlamelle) aber vorher glatt unter diesen (Eizellen) weg lief, sendet sie jetzt spitze Ausläufer in die Lücken zwischen den rundlichen Eizellen hinein, welche natürlich von Entodermzellen ge- tragen werden. So liegen dann also die Eizellen zwar außerhalb der Stützlamelle, werden aber trotzdem von drei Seiten her vom Entoderm umfaßt« (Nr. 70, S. 78). Nur außen liegen Reste des »Glockenkerns« (Kalotte) in den Furchen zwischen den Eizellen. Diese Darstellung und Deutung ist nach meinen Beobachtungen nicht richtig. Die wachsenden Eizellen wölben sich, wie schon bemerkt wurde, schon während der Ausbreitung der Kalotte über das Niveau des Entoderms nach außen hervor, oft mit ihrer ganzen äußeren Hälfte; 75 dabei verlassen sie aber keineswegs ihren Platz, da gerade die größeren unter ihnen nach wie vor bis dicht an die freie Innenfläche des Ento- derms reichen (Fig. 137, 138). Jene Vorwölbung beruht also nur auf dem ansehnlichen Wachstum der Eizellen. Daher ist auch das Ento- derm trotz seiner Dicke zwischen den äußeren Vorwölbungen der Ei- zellen eingesenkt, und diese Einsenkungen werden von Zellen der Kalotte ausgefüllt. Eine das Entoderm und die Eizellen überziehende Grenz- lamelle ist dann noch weniger kenntlich als vorher (S. 74), also offen- bar wie in den männlichen Gonanthen im Schwunde begriffen. In dem Maße als die Eizellen sich vergrößern und dichter zusammenrücken, werden auch die zwischen sie eingesenkten Kalottenteile ebenso zu- sammengepreßt wie zwischen den Eizellen und dem Außenectoderm. Unterdessen geraten alle EntodermzeUen an die Innenseite der Eizellen und ordnen sich dort zu einem gleichmäßigen, glatten Epithel an (Fig. 138, 139). Diese Erscheinung könnte natürlich am einfachsten im Sinne Weismanns als eine Folge eines aktiven Austritts der Eizellen aus dem Entoderm aufgefaßt werden. Da jedoch der Entodermschlauch während dieser Veränderung merklich enger wird, so ist es ausgeschlossen, daß das Entodermepithel an seiner alten Stelle liegen bleibt und nur die Eizellen aus ihm heraustreten; es muß vielmehr angenommen werden, daß es sich unter dem Druck der Eizellen nach innen zusammenzieht. Die Eizellen werden also passiv an die Außenseite des Ento- dermepithels verlagert, ohne eine Grenzlamelle zu durch- brechen ; denn die angebliche Grenzlamelle, die nach Weismann unter den Eizellen glatt hinweglaufen und dann Ausläufer zwischen sie entsenden soll, ist etwas ganz andres. Während der beschriebenen Entoderm Verschiebung rücken nämlich die zwischen die Eizellen vorgedrungenen Teile der Kalotte an die Stelle des zurückweichenden Entoderms vor und umwachsen die Eizellen sehr bald allseitig. Allerdings sind die Zellkerne dieses Füllgewebes infolge des von den Eizellen ausgeübten Druckes in der Regel, aber nicht ohne Ausnahmen, auf die Zwickelräume beschränkt; doch bleiben die sie verbindenden, auf die Stärke von Cuticularmembranen reduzierten Zellenleiber stets ebenso deutlich wie die kernhaltigen Strecken (Fig. 139). Und daran ändert sich nichts, wenn später die noch weiter vergrößerten Eizellen den Entodermschlauch so zusammendrücken, daß er mit scharfen Kanten zwischen ihre konvexen Innenflächen vorspringt: ihre eigentliche und vollständige Umhüllung nach der Art von Ei- follikeln liefert die ectodermale Kalotte, und sie sind durch dieses Ge- 76 webe von dem Entoderm völlig geschieden (Fig. 140). Die Einlagerung der Eizellen in eine ectodermale Schicht ist also viel vollständiger, als es Weismann infolge einer nicht zutreffenden Deutung annahm. Nur an einer Stelle, am Scheitel, wird der Entodermschlauch nicht von Eizellen überlagert, sondern nur durch eine dünne Kalottenschicht vom Außenectoderm getrennt. Die Deckschicht der Kalotte bleibt in den weiblichen Gonanthen so wenig wie in den männlichen deutlich gesondert ; auf den späteren Entwicklungsstufen ist sie selbst auf kurze Strecken nur schwer und selten nachweisbar. — Das Außenectoderm verdünnt sich über den Ovarien ebenso wie über den Spermarien. Wie wir sahen, halten van Beneden und Weismann die ursprüng- lich zweischichtige innere Ectodermkalotte in den Gonanthen von Hydractinia echmata für einen echten Glockenkern und glauben ferner eine zwischen ihm und dem Außenectoderm hegende »Entodermlamelle« zu erkennen, so daß die Hauptgrundlagen der Medusenbildung in jenen Keimbehältern nachweisbar seien. Natürlich ist damit die Frage, ob die letzteren als Vorstufe einer Medusenbildung (van Beneden) oder als rückgebildete Medusen aufzufassen seien (Weismann), nicht ent- schieden, sondern erst gestellt. Doch braucht auf deren Diskussion hier gar nicht eingegangen zu werden, da, wie gesagt, die Befunde und Annahmen beider Forscher nicht zutreffen. Selbst wenn die Gonanthen von Hydractinia ecJiinata wirklich die fragliche Entodermlamelle be- säßen, so wäre dies für den Vergleich mit echten Hydromedusen ziemlich gleichgültig, nachdem es sich herausgestellt hat, daß eine solche Lamelle in jenen Medusen überhaupt nicht vorkommt, wie meine voranstehenden Untersuchungen an sieben verschiedenen Gattungen — wozu noch Ohelia und Clytia kommen (s. u.) — beweisen. Nun beruht aber des weiteren die Annahme jener Entodermlamelle bei Hydractinia, wie ich zeigte, auf einem Irrtum, und so entfällt dieses das Entoderm betreffende Moment überhaupt gänzlich für den Vergleich mit Hydro- medusen. DieGonanthen von iy?/(Zrac^ü^^a echinata enthalten zu keiner Zeit eine andre Entodermbildung als den ursprüng- lichen ungeteilten Entodermschlauch, der folglich ebenso- . wenig wie derjenige in den Gonanthen von Eudendrium und Dicoryne (S. 66) u. a. Hydropolypen als »Spadix« bezeichnet werden kann. Folglich bliebe für den Vergleich unsrer Gonanthen mit echten Hydromedusen nur die ectodermale innere Kalotte der ersteren übrig. 77 Nach ihrer Entstehung aus einer apicalen Verdickung und Einwuche- rung des Knospenectoderms, die alsdann sich vom letzteren ablöst, um als zweischichtige Kappe die Keimzellen zu umhüllen und in sich aufzunehmen, kann sie allerdings bis zu einem gewissen Grade mit dem Glockenkern einer Medusenknospe verglichen werden. Dies genügt aber noch keineswegs zur Lösung der oben ausgesprochenen Frage, in welchem besonderen Zusammenhang die Gonanthen von Hydractinia mit wirklichen Hydromedusen stehen. Da der Glockenkern nur eine von den integrierenden Grundlagen des Medusenbaues ist, und die andern mindestens ebenso wichtigen Grundlagen, nämlich die Radialschläuche, in den fraglichen Keim- trägern vollständig fehlen, kann von einer medusoiden Bildung dei Gona.nth.enYon Hydractinia echinata nicht wohl die Rede sein. Nun kann man ja allerdings bis auf weiteres die Möglichkeit zugeben, daß dieser Zustand derselben Gonanthen durch eine voll- ständige Rückbildung der einst vorhanden gewesenen Radialschläuche und aller daraus entwickelten Gebilde herbeigeführt worden sei. Diese vage Möglichkeit könnte aber für die Geschichte der Gonanthen nur dann in Frage kommen, wenn sie von andern tatsächhchen Befunden genügend unterstützt würde. Solche fehlen aber nicht nur in den bis- her erörterten Erscheinungen, sondern auch, wie wir sehen werden, in der Entwicklungsgeschichte der Gonanthen überhaupt. Anderseits ist aber auch die entgegengesetzte Ansicht von der stammesgeschichtlichen Bedeutung der Gonanthen von Hydractinia, daß sie nämlich eine Vorstufe der Medusenbildung darstellten, nicht weniger hypothetisch als die zuerst erörterte Möglichkeit. Wenn diese letztere mit der Rückbildung der Radialschläuche rechnet, würde die zweite Hypothese so lauten, daß die Medusenbildung mit einem glocken- kernartigen Organ begann, neben dem die Radialschläuche noch fehlten, um erst auf einer weiteren Stufe hinzuzukommen. Aber auch in diesem Fall kann ein irgendwie beachtenswertes Urteil erst nach einer Prüfung möglichst zahlreicher andrer Gonanthen gefällt werden. Vorläufig muß ich mich daher auf die Erörterung beschränken, ob die innere Ectodermkalotte von Hydractinia nach ihren jetzt festgestellten Lage- beziehungen einem echten Glockenkern vollständig homolog ist. In ihrer ersten Anlage entspricht diese Kalotte im allgemeinen allerdings einem sich einsenkenden und aushöhlenden Glockenkern; darauf divergieren-aber die beiden Entwicklungsverläufe sehr wesentHch. Der echte Glockenkern paßt sich dem von den peripherischen Radial- schläuchen abgesteckten Binnenraume an, liegt also innerhalb der 78 entodermalen Teile der Umbrella, wobei die Erhebung des Manubrium nur eine sekundäre Erscheinung ist, die, wie sich zeigen wird, auch ausbleiben kann, ohne den Medusenbau aufzuheben {Eucofella, Cam- fanularia calyculata). Die Ectodermkalotte von Hydractinia um- schließt dagegen den ganzen Entodermschlauch, der in der fertigen Meduse überhaupt kein Homologon mehr hat, namentlich nicht im Spa- dix (S. 76). Würde sich also diese zweischichtige Kalotte selbst ähnlich einer Glockenhöhle aufblähen, so würde der von der Gonade überdeckte Entodermschlauch bloß eine täuschende Ähnlichkeit mit einem Manu- brium haben, im Grunde aber jede Homologie mit einem Medusen- innern aufheben. Die Übereinstimmung zwischen einem Glockenkern und der Kalotte bliebe also auf die schon bezeichneten Punkte, den ectodermalen Ursprung und die Beziehung zu den Gonaden, beschränkt, und folglich nur eine ganz allgemeine Homologie. Nimmt man dazu, daß dieselben Homologa andrer Gonanthen {Cordylophora, viele Theca- 'phora) sogar die äußere Formähnlichkeit der ersten Kalottenanlage mit einem Glockenkern vollständig vermissen lassen, so wird man jener allgemeinen Homologie keinen höheren Wert beimessen als derjenigen einzelner Embryonalschichten, z. B. des Mesoderms in verschiedenen Tierstämmen. — Ich werde daher alle jene vom ursprünglichen Ecto- derm sich ablösenden und nach innen zur Aufnahme der Keimzellen einwuchernden Teile ganz allgemein als Parectoderm oder Innen - ectoderm bezeichnen. Das außen zurückbleibende Ectoderm behält dann den schon gebrauchten Namen »Außenectoderm«. 12. Clava multicornis (Taf. VII j. Bisher wurden nur die Gonanthen von Clava squamata untersucht, der aber die Clava multicornis, die zu meinen Beobachtungen diente, sehr nahe steht. Die Gonanthen von Clava sprossen gruppenweise an den unverästelten Hydranthen, dicht unter der Tentakelzone. Jede solche Gonanthengruppe entspringt auf einem ganz kurzen gemeinsamen Stiel, der im allgemeinen ebensp wie bei Tubularia dadurch entsteht, daß aus der Basis der ersten Knospe neue Knospen hervorwachsen, und diese gemeinsame Wurzel sich später etwas zusammenzieht. Ich sehe daher keinen triftigen Grund, in dieser gemeinsamen Wurzel, die niemals als ein besonderes Individuum zwischen den Gonanthen hervor- tritt, ein rudimentäres Blastostyl zu erbUcken (Harm Nr. 39 S. 118) und bleibe daher bei der schon von Allman und Weismann vertretenen 79 Ansicht, daß jene Gonanthenstiele nur aus einer Anhäufung von Knospen entstehen, und daß die eigentUchen Träger der letzteren die Hydranthen sind. Nach Weismann (Nr. 70, S. 21 — 25) entsteht in männUchen und weibhchen Individuen von Clava squamata am Scheitel der hohlen Gonanthenknospe, wahrscheinhch durch Einstülpung des Ectoderms, ein hohler Glockenkern, dessen Vordringen gegen den Entodermschlauch eine doppelwandige Entodermlamelle hervorruft, die ihn wie ein Becher aufnimmt und später ganz umwächst. Unter dem flach gewordenen Glockenkern erhebt sich ein »Spadix« aus der Entodermkuppe. Der wesentlichste Unterschied in beiden Geschlechtern ist der, daß die Spermatoblasten aus dem ectodermalen Überzug des Spadix entstehen, die Eizellen aber im Entoderm des Gonanthen oder im gemeinsamen Stiel eines Gonanthenbündels. Im Hydranthen kämen keine Eizellen vor; auch sei ihre Entstehung aus Entodermzellen nicht nachweisbar, so daß sie möglicherweise aus dem Ectoderm einwanderten. Die Eizellen, von denen stets zwei sich schon in den jüngsten Gonanthen befinden, liegen anfangs unter der Wurzel der Entodermlamelle, d. h. unter dem aufgebogenen Entodermrande, rücken aber später darüber vor und zugleich aus dem Entoderm in den ectodermalen Überzug des Spadix, »also in die untere Wand des Glockenkerns«. — Alle genannten Teile der »Medusenglocke« bleiben lange kenntlich; zuletzt zieht sich aber der Spadix zwischen den Eizellen zurück. Harm (Nr. 39 S. 123—129) läßt den Glockenkern ebenfalls durch eine Einstülpung entstehen, die den zweischichtigen Entodermbecher erzeugt. Die später einschichtig gewordene Entodermlamelle bleibt sichtbar, nachdem der Glockenkern schon verschwunden ist. Über den Ursprung der Keimzellen erfahren wir folgendes (a. a. 0. S. 119 — 121). Die Eizellen entstehen im Ectoderm der jungen Hydranthen als plasma- reiche, intensiv färbbare Elemente mit pseudopodienartigen Fortsätzen ; um die Zeit, wann die Gonanthen knospen, sind jene »Keimzellen« sämtHch ins Entoderm übergetreten, wo sie sich zu den eigentlichen »Eizellen« differenzieren und durch Nährzellen vergrößern. Ausnahms- weise finden sich auch im Ectoderm der Gonanthen junge Eizellen, die sich aber nicht weiter entwickeln (a. a. 0. S. 127). — Die männlichen Keimzellen entstehen ebenso, ähneln auch den jungen Eizellen außer- ordentlich; sie wandern noch vor der Bildung des Glockenkerns in das Entoderm der Knospen ein und sammeln sich dann unter dem Glocken- kern an (a. a. 0. S. 132). Diese ausführliche Darstellung der Entstehung der beiderlei Keim- 80 Zellen von Clava squamata veranlaßte mich^ dieselbe Entstehung auch bei Clava multicornis genauer zu verfolgen. Ich stimme mit Harm darin überein, daß die Keimzone der Eizellen von Clava sich über den Hydranthen und dessen junge Knospen erstreckt und nicht bloß auf die letzteren und ihre Stiele beschränkt ist, wie Weismann annahm ; ich kann noch hinzufügen, daß bei Clava multicornis junge aber unver- kennbare Eizellen auch über der Knospungszone und selbst über der Tentakelzone im Hydranthen vorkommen, dort aber natürlich als aberrante Bildungen einer Kückbildung anheimfallen. Bei dieser Aus- dehnung der Keimzone erreichen manche Eizellen im Hydranthen die doppelte Größe der jungen Eizellen in den Knospen; ferner ent- halten einige von den aller jüngsten Knospen schon Eizellen, während ältere bereits keulenförmige Knospen solche noch entbehren. Kurz — irgend eine Regelmäßigkeit existiert in der Entwicklung der Ei- zellen nicht. Bezüghch der Keimstätte der Eizellen bin ich aber zu ganz andern Ergebnissen gelangt als Harm; denn ich sehe die Eizellen von Clava multicornis überall, im Hydranthen und seinen Knospen, aus- schließlich im Entoderm entstehen, und zwar in derselben Weise, wie ich es bereits für Corydendrium beschrieb. Die erste Veränderung der sich zur Eizellenbildung anschickenden Entodermzellen besteht darin, daß ihre Kerne sich auf zwei bis drei vermehren (Fig. 167); dann erweitert sich ihre untere Hälfte auf Kosten der zusammengedrückten Nachbarzellen, so daß die ganze Bildungszelle sehr auffallend konisch wird, zugleich vergrößert sich der in der Tiefe befindliche Kern und der glänzende Nucleolus erhält einen hellen Hof oder der größere Teil des Kerns wird durchsichtig (Fig. 167, 168). End- lich verändert sich auch das den wachsenden Kern umgebende Proto- plasma: es verdichtet sich zu einer dichten, dunklen Zone, die anfangs noch sehr dünn ist und wie ein dunkler Ring erscheint, aber allmählich an Umfang zummmt (Fig. 169). Um dieselbe Zeit trennt sich die untere Hälfte der Bildungszelle, die den vergrößerten halben Kern mit der dunklen Plasmazone enthält, von der unveränderten oberen Zellhälfte und stellt nunmehr die junge Eizelle dar. Während des weiteren Wachs- tums füllt sie den ihr zugewiesenen unregelmäßigen Raum mit ihrem dunklen Plasma völlig aus (Fig. 170); später rundet sich aber dieses so ab, daß es die Nachbarzellen in entsprechende Formen zusammen- drückt (Fig. 148 ff.). Die genetische Zusammengehörigkeit der neu- gebildeten Eizelle mit der sie überlagernden kleinen konischen Epithel - zelle kann unter Umständen noch einige Zeit kenntlich bleiben; dies 81 wird aber undeutlich, sobald die wachsende Eizelle sich unter mehrere Nachbarzellen vorgeschoben und sie abgeplattet hat (Fig. 171). Diese vollkommen zusammenhängende Entwicklungsreihe der Ei- zellen im Entoderm von Clava multicornis ist noch dadurch zu ergänzen, daß ich im Ectoderm dieses Polypen und seiner Knospen keine Spur von eizellenähnlichen Elementen antraf. Für mich besteht daher kein Zweifel, daß die Eizellen von Clava multicornis nur aus um- gebildeten halben Entodermzellen hervorgehen. Für die grundsätzlich abweichenden Befunde von Harm bliebe daher, falls sie ebenso evident wären, nur die Erklärung übrig, daß sie eben an einer andern Art derselben Gattung, nämlich an Clava squamata erhalten wurden. Ich vermisse aber die Bedingung dieser Erklärung, jene Evi- denz der HARMschen Angaben. Seine »Keimzellen« erscheinen im Ectoderm nur im völlig differen- zierten Zustande und durchaus verschieden von dessen Epithelzellen, sowie von den jüngsten Eizellen: kleiner als diese, mit einem Kern, der kleiner ist als selbst die normalen Entodermkerne, aber mit durchweg dunklem Protoplasma und Pseudopodien. Ihre Abstammung von Ectodermzellen ist also keineswegs evident, sondern bestenfalls wegen ihrer Lage wahrscheinlich. Unverändert treten sie alsdann ins Ento- derm über, wo Harm später ohne alle Übergänge die jungen Eizellen in der beschriebenen, durchaus abweichenden Bildung antraf. Also auch hier fehlt ein gesicherter Zusammenhang zwischen den HARMSchen Keimzellen und den wirklichen Eizellen, der vielmehr nur aus ihrer Lage in derselben Körperschicht des Polypen, dem Entoderm erschlossen wurde. Den Ausschlag gibt aber meines Erachtens die folgende Tatsache. Wie bei zahlreichen andern Hydropolypen sehe ich auch bei Clava multicornis recht häufig coccidienartige Körper mit relativ kleinem Kern, sehr dunklem Plasma und zackigen Umrissen sowohl im Ectoderm als auch bisweilen an der entodermalen Seite der Grenzlamelle ; sie sind also in ihrer Organisation und ihrem Vorkommen mit Harms Keimzellen identisch, verändern sich auch ebensowenig — außer gelegentlich durch reichliche Kernvermehrung — und haben mit den Eizellen, die sich neben ihnen entwickeln, nichts zu tun. Auf Grund dieser Tatsachen zweifle ich nicht daran, daß Harm in seinen »Keimzellen« jene Para- siten vor Augen hatte; und dies um so mehr, als Harm, wie gesagt, den Beweis schuldig blieb, daß die angeblichen Keimzellen aus Ecto- dermzellen hervorgingen und sich in Ei- oder Samenzellen verwandelten, während ich anderseits ihnen ähnliche Vorstufen wirklicher Geschlechts- zellen in den zahlreichen Fällen, wo ich deren Entwicklung in ununter- 6 82 brocheneni Zusammenhange verfolgte, vor allem bei Clava selbst, dann bei Corydendrium, Hydractinia, Sertularia, Gonothyraea, Ohelia stets vermißt habe. — Dagegen bezweifle ich nicht die Beobachtung von Harm, daß ausnahmsweise wirkliche, aber abortive Eizellen im Ecto- derm von Clava anzutreffen sind, worauf ich später zurückkomme. Über die männlichen Keimzellen von Clava multicornis kann ich nur aussagen, daß ich sie weder im Außenectoderm noch im Ento- derm der Knospe oder gar des Hydranthen gesehen habe, und ihre Entwicklung nur in das aus dem sogenannten Glockenkern, d. h. aus dem Innenectoderm hervorgehende Spermarium selbst verlegen kann. Ich schließe mich also darin Weismann und Thallwitz an; die An- gaben Harms über die Samenzellen von Clava sind natürlich ebenso zu beurteilen wie diejenigen über die Eizellen. Ich wende mich nun zur Entwicklungsgescliichte der weiblichen Gonanthen von Clava multicornis. Sobald sie annähernd kuglig oder fingerförmig geworden sind, zeigt sich an ihrem Scheitel eine Veränderung des Ectoderms (Fig. 148). Durch Zellteilungen sondert sich an der Grenze der Entodermkuppe ein Zellenhäufchen, das sich gelegentlich, noch bevor es die Grenze des Ectoderms überschritten hat, vom übrigen Ectoderm scharf absetzt und dann in Gestalt eines Kugel- segments auf demEntoderm ruht (vgl. Fig. 172). Stets ist dieses künftige Innenectoderm (Glockenkern aut.) von einer einfachen Fortsetzung des Außenectoderms bedeckt und veranlaßt eher eine Erhebung als eine Einsenkung des Knospenscheitels, so daß seine Entstehung durch eine Einstülpung des ursprünglichen Ectoderms völlig ausgeschlossen ist. Erst später zeigt sich ausnahmsweise über dem bereits in das Entoderm eingesenkten Innenectoderm eine kleine Delle an der Außenfläche der Knospe, wie es auch Weismann und Harm sahen, was aber mcht ein Rest von der ersten Anlage des Innenectoderms, sondern nur eine gelegentliche Folge derselben ist (Fig. 154). Die Zellen des sich sondern- den Innenectoderms ordnen sich bald radiär zum Scheitel an, ver- mehren und strecken sich, bis das ganze Gebilde linsenförmig wird und mit der untern Hälfte sich in das Entoderm vorwölbt (Fig. 149, 150). Zuletzt rückt es ganz aus dem Ectoderm heraus, das sich darüber wieder zu einem gleichmäßigen Epithel zusammenzieht (Fig. 151, 152). Dieses linsenförmige Innenectoderm zeigt bisweilen schon eine kleine excentrische Höhlung und plattet sich alsdann unter gleich- zeitiger Vergrößerung immer mehr ab; dabei erhält es einen zugeschärften Rand, und die Delle des Entoderms, in der es ruht, wird immer flacher. Dies geschieht oft nicht gleichmäßig, sondern auf einer Seite schneller 83 als auf der andern, wie es die zwei derselben Knospe entnommenen Durchschnitte Fig. 154, 155 beweisen. Links ist der scharfe Rand des Innenectoderms durchweg vorhanden, rechts fehlt er in Fig. 154 so vollständig, daß das Entoderm mit einer etwas aufgebogenen Kante das abgerundete Innenectoderm umgreift, gerade so wie es in den jüngeren Knospen das linsenförmige Innenectoderm rundum einfaßt. Einige Schnitte weiter ist aber das Bild verändert (Fig. 155): die Ab- plattung und Ausbreitung des Innenectoderms hat nun auch auf der rechten Seite begonnen und die Kante des Entoderms vollständig nieder- gedrückt, so daß dieses statt einer Delle eine ganz ebene Oberfläche unter dem Innenectoderm zeigt. Schon zu der Zeit, wann die Anlage des Innenectoderms noch ganz oder zur Hälfte im Außenectoderm liegt, sieht man die äußeren Zellen der Anlage sich von dem Kern ablösen (Fig. 150, 172, 173); dies wird noch deutlicher an dem abgeplatteten, scharfrandigen Innenectoderm, an dessen Oberseite sich sehr bald eine mehr oder weniger zusammen- hängende Zone zwischen dem Rande und dem Scheitel von der soUden oder hohlen Kernmasse getrennt hat (Fig. 153 — 158). Diese Zone ver- wächst später auch am Scheitel zu einer den Kern oder das eigentliche Innenectoderm vollständig überdeckenden »Außenkappe«, deren Rand sich abwärts auch über die seitlichen Teile des Entoderms vor- schiebt (Fig. 159 — 162). Bevor dies geschieht, kann aber zwischen diesem Rande der Kappe und dem Entoderm ein sehr merklicher Abstand bestehen, indem sich das centrale Innenectoderm oder die Eizellen dazwischen schieben (Fig. 153, 157); wie denn überhaupt alle hier in Betracht kommenden Vorgänge ziemlich unregelmäßig verlaufen. Durch die Entwicklung der Kappe unterscheidet sich das Innen- ectoderm von Clava von demjenigen der Hydractinia; dagegen ist jene Kappe nach den Beschreibungen und Abbildungen von Weismann und Harm zweifellos identisch mit der »Entodermlamelle« dieser Beobachter, die bei Clava squamata angeblich aus der Kante des Entoderms hervor- gehe, die das linsenförmige Innenectoderm (Glockenkern) anfangs umgreift. Diese Auffassung liegt allerdings sehr nahe, wenn man im Hinblick auf die vielberufene Entodermlamelle der Hydromedusen an den Knospen von Clava die Längsdurchschnitte mit dem Hnsenför- migen, von der aufgebogenen Entodermkante umfaßten Innenectoderm nur mit dem Durchschnittsbilde des vollständig abgeplatteten Innen- ectoderms vergleicht, in dessen Umkreise die Entodermkante ver- schwunden und dafür eine Lamelle sichtbar ist, die oft oder meist bis an das Entoderm reicht. Denn nichts scheint dann natürlicher, als die 84 Identifizierung der früheren Entodermkante mit der vorher nicht be- merkten Lamelle. Und doch ist diese Deutung nach meinen Beobach- tungen durchaus unrichtig. Erstens verliert sie dadurch, daß eine Entodermlamelle bei den Hydromedusen gar nicht existiert, die Stütze der Analogie in gleicher Weise, wie es für Hydractinia ausgeführt wurde (S. 76); namentlich aber ergibt sich bei genauer Prüfung aller Zwischenstufen das Un- zureichende jenes Vergleichs von nicht unmittelbar zusammenhängen- den Zuständen 1. Die fertige Kappe des Innenectoderms oder die vermeintliche Entodermlamelle hängt eben niemals mit dem Entoderm zusammen, sondern ist stets deutlich von ihm getrennt, bisweilen, wie vorhin bemerkt, durch einen recht merklichen Abstand ; entscheidend sind ferner die Beobachtungen, daß die erste Anlage der Kappe sich oft schon innerhalb des ursprünglichen Ectodermepithels zeigt, und daß ander- seits die aufgebogene Entodermkante, woraus die * Entodermlamelle« entstehen sollte, verstreicht, ehe eine lamellöse Kappe sichtbar wird (Fig. 155, 157). Die scheinbare »Entodermlamelle« von Clava multicor- nis entsteht also nicht aus dem Entoderm, sondern spaltet sich als ectodermales Blatt (Außenkappe) vom Innenecto- derm (Glockenkern aut.) ab; und da die Gonanthen von Clava squamata auf den einzelnen von Weismann und Harm erwähnten Ent- wicklungsstufen sich ebenso verhalten wie Clava multicornis, so fehlt jeder Anlaß, für sie eine völlig andere Entwicklung anzunehmen. Die übrigen Entwicklungserscheinungen in den *weibhchen Go- nanthen von Clava hängen hauptsächhch mit der Lage der Eizellen im Entoderm zusammen. In der Regel erhält jeder Gonanth allerdings zwei Eizellen; es finden sich aber doch nicht selten Gonanthen mit je einer oder selbst drei Eizellen (Fig. 150, 161, 163). Die im Gonanthen von Anfang an vorhandenen oder in ihn einwandernden Eizellen rücken wäh- rend seines Wachstums aufwärts ; sie liegen dabei beständig in tiefen Nischen des Entoderms, indem sie es gegen dieEntodermhöhle entsprech end verdünnen. Die Art und Weise, wie sie bis zum Innenectoderm vor- dringen, ist jedoch verschieden nach dem Zeitpunkt, wann es geschieht. 1 Ich bemerke dazu, daß die sichere Feststellung der Entwicklung des Innenectoderms nicht ganz leicht ist, weil die nach allen Seiten divergierenden Knospen eine bestimmte Orientierung für die Durchschnitte erschweren oder ausschließen. Ich habe deshalb die vollständigen Durchschnittsserien von rund 30 Hydranthen von Clava mtiUicornis mit ihren meist recht zahlreichen Go- nanthen untersucht, ehe ich die mitgeteilten Angaben für gesichert hielt. 85 Ich beginne mit dem Hergang in den jungen Gonanthen, deren Entodermkuppe von dem noch Hnsenförmigen Innenectoderm ein- gebuchtet ist und daher eine aufgebogene Kante besitzt (Fig. 148 — 152). Die sich ihr nähernden Eizellen sollten nach Weismanns Ansicht diese Kante, die angebUche Wurzel der Entodermlamelle, überschreiten und dann auf ihr ruhen, worauf ein zapfenförmiger Auswuchs der Entoderm- kuppe als Spadix zwischen ihnen aufsteigen sollte. Diese Angaben bestätigen sich aber nicht. Wenn man sich nicht auf einzelne Durchschnittsbilder beschränkt, sondern zahlreiche Schnittserien durchmustert, erhält man eine ge- schlossene Stufenreihe vom Vorrücken der Eizellen. Sobald sie in ihren Nischen bis an die Entodermkuppe gelangt sind, klemmen sie jederseits zwischen sich und das linsenförmige Innenectoderm eine Falte desEntoderms samt seiner oberen aufgebogenen Kante, der angeb- hchen Wurzel der Entodermlamelle ein (Fig. 152); unter ihrem fort- dauernden Druck verdünnen sich diese beiden Falten und ziehen sich zuletzt in den Mittelteil der Entodermkuppe zurück, wobei natürlich auch jene »Wurzel der Entodermlamelle« verschwindet (Fig. 149, 150). Dann berühren beide Eizellen das Innenectoderm und fassen die zusammengedrückte Entodermkuppe zwischen sich, während die tiefere seitliche Entodermkante, auf der sie ruhen, dieselbe Nischen- wand ist, die schon vor dem Schwunde der oberen Kante existierte, also mit dieser nicht identisch sein kann (Fig. 153, 156). Mit andern Worten: die vorrückenden Eizellen übersteigen nicht die obere Entodermkante, um auf ihr, also der Entodermkuppe selbst, ruhen zu bleiben, sondern bringen sie zum Schwunde und liegen neben der zwischen ihnen eingeklemmten Entodermkuppe, die nur täuschen- der Weise als ein neu hervorgewachsener Spadix erscheint. Denn die Querdurchschnitte zeigen, daß der vermeintHche Spadix überhaupt kein zapfenförmiges Gebilde ist, sondern sich zwischen den Eizellen hindurch bis an das Außenectoderm und um die Eizellen sich so aus- breitet, daß diese immer noch in vollkommenen, tief en Entodermnischen liegen (Fig. 164, 165). Längsdurchschnitte in der eben angegebenen Richtung zwischen den Eizellen hindurch zeigen denn auch eine schein- bar unveränderte Entodermkuppe (Fig. 159). Sobald die Eizellen das Innenectoderm erreicht haben, beginnt auch dessen Metamorphose, namentlich die Abspaltung der Kappe von dem sich aushöhlenden Kern, worauf sie noch einige Zeit über den Eizellen lagert und vom Entoderm entfernt bleibt (Fig. 153). In seltenen Fällen sah ich die Eizellen sich der Entodermkuppe 86 erst in späterer Zeit nähern, nämlich dann, wann das Innenectoderm schon ganz flach und die Endfläche der Entodermkuppe ganz eben geworden war, wobei ihre Ränder sich abrundeten (Fig. 157). Dann wurden diese von den herangerückten Eizellen offenbar einfach nieder- gedrückt und der zwischen ihnen liegende Mittelteil der Entodermkuppe wie in den erstbeschriebenen Fällen zusammengedrückt. Alle diese Befunde bestätigen einmal, daß es in den Gonanthen von Clava eine Entodermlamelle nicht gibt, und daß auch der angebliche Spadix auf einer Täuschung beruht. Weitere Zeugnisse dafür bringt die Untersuchung der späteren Entwicklungsstufen. In dem Zustande der Gonanthen, den ich als den gewöhnlichen, regelmäßigen nach dem Vorrücken der Eizellen bis in die Entoderm- kuppe beschrieb, liegen die beiden Eizellen noch immer in mehr oder weniger tiefen Buchten des Entoderms, sind also aus ihm noch nicht herausgetreten (Fig. 156, 160). Dies geschieht erst später und allmählich, aber nicht durch aktive Ortsveränderung der Eizellen, sondern rein passiv dadurch, daß das zwischen ihnen eingeklemmte Entoderm sich zurückzieht (Fig. 162). Offenbar ist dabei vor allem der Druck der wachsenden Eizellen auf jenes Entoderm mit tätig; denn es kann ge- legentlich in seinem Mittelteil zu einer dünnen Lamelle zusammen- gepreßt sein (Fig. 165). — Unterdessen wächst die Kappe des Innen- ectoderms über die Oberfläche der Eizellen aus, bedeckt sie außen ganz und erstreckt sich bisweilen noch darüber hinaus auf die Außenseite des Entoderms (Fig. 160, 161, 166). Das centrale sackförmige Innen- ectoderm folgt dieser ^Ausbreitung seiner Kappe nicht und bleibt größten- teils über der zusammengedrückten Entodermkuppe liegen, während nur sein Rand sich ein wenig auf die Eizellen vorschiebt i. Bisweilen stülpt sich sein Scheitel als hohler Zapfen in das Außen- ectoderm vor, wie ich es häufiger in den männlichen Gonanthen antraf (Fig. 163); anderseits kann es der sich zurückziehenden Entodermkuppe folgend sich zwischen die Eizellen einkeilen. Im ganzen beginnt es, wie schon Harm angab, sehr frühe sich zurückzubilden und zu atro- phieren, während die Kappe länger ausdauert und zuletzt die Eizellen über dem abgeflachten Entodermschlauch allein bedeckt. Ich muß daher Harm gegen Weismann beistimmen, daß die Eizellen von Clava niemals in einen Teil des »Glockenkerns« oder des centralen Innei - 1 Dies widerspricht ebenfalls der Annahme einer Entodermlamelle, denn eine Schicht, die wie die Kappe die Eizellen und den angeblichen Spadix rundum überzieht, hat allenfalls die Lagebeziehungen eines Manubrium-Ectoderms und nicht diejenigen eines umbrellaren Entoderms. ectoderms eintreten ; und selbst wenn man sich von dem ectodermalen Ursprung der Kappe überzeugt hat, genügt dies nicht, um damit einen Übertritt der von ihr bedeckten Eizellen in das Ectoderm zu konstru- ieren. Denn erstens verlassen sie das Entoderm, wie wir sahen, ganz passiv und zweitens bleiben sie mit ihm auf einer Seite ebensogut in Berührung, wie sie auf der andern Seite von der Kappe überzogen werden, während die sonst in dieser Frage herangezogene Grenzlamelle unkenntlich bleibt. Dies finde ich besonders gut durch jene Gonanthen illustriert, die nur je eine Eizelle enthalten i. Natürhch wird durch ihr Vorrücken gegen die Entodermkuppe diese seithch verschoben (Fig. 161); sobald aber die letztere sich zurückgezogen hat, lagert sich die Eizelle, und zwar bisweilen ziemlich frühe, gerade unter das Innenectoderm, bleibt also genau zwischen diesem und dem Entoderm liegen (Fig. 163). Wenn aber die passive Verlagerung der Eizellen an die Außenseite des Ento- derms Clava und Hydractinia gemeinsam zukommt, so bleibt doch der Unterschied bestehen, daß die Eizellen bei Hydractinia vom Innen- ectoderm völlig umsponnen, bei Clava dagegen nur überdeckt werden. Die männlichen Gonanthen von Clava multicornis unterscheiden sich von den weiblichen nur darin, daß ihre Keimzellen, wie ich nach Weismanns Vorgange (S. 79) annehme, aus dem Innenectoderm hervorgehen; im übrigen zeigen sie nur untergeordnete Eigentümlich- keiten. Die erste Anlage des Innenectoderms zeigt sich wiederum als eine deutlich gesonderte solide Zellenmasse innerhalb des ursprünglichen Ectodermepithels, aus dem sie allmählich hervortritt (Fig. 172, 173); von einer Einstülpung jenes Ectoderms habe ich dabei rüchts gesehen. Auch die Ablösung der Außenkappe von dem Kern des Innenectoderms beginnt meist schon im Außenectoderm ; und sobald diese Teile aus dem Außenectoderm ganz hervorgetreten sind, wachsen sie ansehnlich unter Abplattung und Verbreiterung (Fig. 175). Der Kern des Innen- ectoderms wird dabei flach kegelförmig und hohl, die Kappe zu einer breiten Zone, die am Entoderm oder dicht darüber mit scharfem Rande ausläuft, ohne sich mit ersterem zu verbinden. Eine Entodermlamelle existiert natürlich nicht; auch habe ich an den sämtlichen von mir untersuchten männlichen Gonanthen von Clava multicornis jede Spur einer spadixähnlichen Bildung des Entodermschlauchs vermißt. 1 Selbstverständlich wurde ein solcher Befund nicht aus einzelnen Durch- schnitten, sondern aus den ganzen Schnittserien festgestellt. Es mag noch erwähnt sein, daß ich solche Gonanthen einmal in größerer Zahl in einem Hydranthen antraf. 88 Dies steht natürlich in keinem Widerspruch mit den Befunden an den weibHchen Gonanthen. Denn da der vermeintHche Spadix dort nur von dem, durch die Eizellen zusammengedrückten Mittelteil der Entodermkuppe vorgetäuscht wird, so kann die letztere in den männ- lichen Gonanthen in Ermangelung der Eizellen nur durch das darüber- liegende umfängliche Innenectoderm abgeplattet werden. Möglicher- weise entsteht aber die niedrige centrale Erhebung des Entoderms, die Weismann in älteren männlichen Gonanthen von Clava squamata beobachtet hat, auch in denen von Clava multicornis, sobald sie älter geworden sind, als wie sie mir vorlagen. Während das eigentliche Innenectoderm noch kegelförmig ist, dringt seine Spitze als hohler Knauf in das apicale Außenectoderm ein (Fig. 174, 176) und diese Bildung erhält sich noch auf den folgenden Entwicklungsstufen, weshalb ich vermute, daß sie die spätere Eröffnung des reifen Gonanthen vorbereitet. Daim beginnen die Seitenteile des Innenectoderms zu schwellen und die centrale Höhlung zu verengern, während die Kappe sich verdünnt und über jene Seiten ausbreitet. Das auf diese Weise hergestellte, aber noch unreife Spermari um hat die Form einer Halbkugel mit eingeschlossener axialer Höhlung, die von einem einfachen Epithel überdeckt ist (Fig. 176). Die Hodenmasse besteht noch aus indifferenten rundlichen Zellen, und nur in der seitüchen Aus- kleidung der Höhle erscheinen etwas gestreckte Zellen, ohne jedoch ein deutlich abgesetztes Epithel zu bilden. Nachdem die Höhlung vöUig zusammengedrückt und verschwunden ist, erkennt man auch immer die Reste der zu einem unregelmäßigen axialen Strange zusammengerückten gestreckten Zellen, so daß die Annahme begründet ist, daß dieser Teil des Innenectoderms nicht zu Spermatoblasten, sondern zu einem das Spermarium durchsetzenden Füllgewebe bestimmt ist. Weismann hat diese Zellen bereits beschrieben und den axialen Strang für den Ecto- dermüberzug des »Spadix«, dagegen die äußere Decke des Spermarium für das Subumbrellar epithel erklärt. Nach der Auseinandersetzung über die WeismannscIicu Deutungen unsrer Gonanthen, die ich weiter oben darlegte, brauche ich auf die obigen Bezeichnungen wohl nicht weiter einzugehen. Die Gonanthen von Clava haben in Bau und Entwicklung, und abgesehen von dem Ursprung der Keimzellen, noch die meiste Ähnlich- keit mit denen von Hydractinia echinata. Beide Gattungen stimmen darin überein, daß sie in ihren Gonanthen ein Innenectoderm entwickeln, das ähnhch wie ein Glockenkern entsteht, die Keimzellen überdeckt 89 und durchsetzt, und daß der Entodermschlauch durch die Eizellen mehr oder weniger unregelmäßig zusammengepreßt wird, bis er sich unter ihnen wieder glatt zusammenzieht. Der Hauptunterschied be- steht darin, daß das Innenectoderm von Hydractinia sich in ein plattes Säckchen verwandelt, ohne sich weiter zu sondern, und mit seinen zwei Blättern die Keimzellen nicht nur überdeckt, sondern auch umwächst, wogegen sich bei Clava von dem ähnhchen sackförmigen Innenectoderm eine äußere Kappe abspaltet und die eigenthche Hülle der Gonade dar- stellt, worauf das Säckchen wenigstens in den weibhchen Gonanthen untätig zugrunde geht. So wenig wie bei Hydractinia läßt sich bei Clava ein Medusenbau in den Gonanthen nachweisen. Was ich schon früher über die Ähnhch- keit des Innenectoderms von Hydractinia mit einem Glockenkern sagte (S. 77), gilt ebenso für Clava: wenn man auch eine ganz allgemeine Ho- mologie dieser beiden Teile zugestehen muß, so fehlen doch die über- einstimmenden Lagebeziehungen und gar für einen wirkhchen Medusen- bau die mindestens ebenso unentbehrlichen entodermalen Anlagen. Denn das, was die früheren Beobachter für einen Spadix und eine Entodermlamelle hielten, hat sich eben nach Ursprung und Lage- beziehungen als etwas ganz andres erwiesen. Die am meisten an einen Spadix erinnernde Bildung der weibhchen Gonanthen wächst überhaupt nicht in den »Glockenkern« oder das centrale Innenectoderm hinein, wie in einer Medusenknospe, sondern ist die an ihrem Platz zu- sammengedrückte Entodermkuppe selbst, die zudem anfangs zwischen den Eizellen unmittelbar an das Außenectoderm anstößt (Fig. 164, 165) — eine Lage, die für einen Spadix ganz ausgeschlossen ist. Ferner ist die vermeinthche Entodermlamelle, die Außenkappe, nicht nur ectodermalen Ursprungs und wächst von oben herab, statt umgekehrt, sondern nimmt auch eine Lage ein, die für eine umbrellare Entodermschicht ganz undenkbar ist, da sie einerseits die Eizellen und anderseits die Entodermkuppe direkt überzieht (Fig. 166). Und selbst wenn der Nachweis erbracht würde, daß ich mich geirrt hätte, und die Entodermlamelle bei Clava zu Recht bestände, so wäre damit keine wirkhche Homologie unsrer Gonanthen mit den Hydromedusen, son- dern im Gegenteil ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen beiden festgestellt, da bei den Hydromedusen eine primäre Entodermlamelle und vollends mit den genannten Lagebeziehungen, wie ich genugsam erörtert habe, gar nicht vorkommt. Wollte man endlich das Fehlen der wichtigsten Medusenteile in den Gonanthen von Clava durch eine weit vorgeschrittene Rückbildung 90 erklären, so drehte man sich zunächst im Kreise herum. Denn durch die Untersuchung dieser Gonanthen sollte ja erst festgestellt werden, ob in ihnen die unzweifelhaften Rudimente aller wichtigen Medusenteile vorhanden seien, um dann zutreffendenfalls dieselben Gonanthen für rückgebildete Medusen erklären zu können. Mit dem negativen Ergebnis ist die Frage allerdings noch nicht endgültig abgetan, aber doch wenigstens sichergestellt, daß die unmittelbare Beobachtung keinen Anlaß zu jener Erklärung bietet. Unter den Befunden meiner Untersuchung an Clava multicornis sind endlich noch die auf den Ursprung der Keimzellen bezüglichen besonders hervorzuheben. Wenn die Theorie van Benedens vom zweifachen Ursprung der Keimzellen (entodermale Eizellen, ectodermale Samenzellen) für Hydractinia, für die sie zuerst aufgestellt wurde, gerade nicht zutrifft, so liefert doch Clava ein ausgezeichnetes Beispiel eines solchen Verhaltens, indem die Entstehung der Spermato- blasten im Innenectoderm ebenso sichergestellt ist, wie die Herkunft der Eizellen aus dem Entoderm. Ebenso bestimmt läßt sich nach- weisen, daß die weibliche Keimzone nicht nur im Hydranthen liegt, sondern sich bis in die Knospen hinein erstreckt, eine Ausdehnung der Keimzone, die uns schon bei den weiblichen Pennaria und den männlichen Hydractinia begegnete, und deren Bedeutung für die Stammesgeschichte der Gonanthen und Medusen in dem vergleichen- den Teil dieser Arbeit gewürdigt werden soll. Nicht minder interessant ist der Umstand, daß manche Eizellen von Clava multicornis schon durch den Ort ihrer Entstehung — in der oberen Hälfte des Hydranthenköpfchens — dem Untergange geweiht sind, was sonst nur bei den auf ihrer Wanderung fehlgegangenen Eizellen {Podocoryne S. 26, Pennaria S. 48, Sertularia, AglaopJienia , Hale- cium usw.) vorkommt. Auch dieser Umstand ist geeignet, auf gewisse allgemeine Fragen ein neues Licht zu werfen. 13. Coryne pusilla (Taf. VH). Die anfangs hügligen und dann birnförmigen Gonanthen von Coryne pusilla sitzen ebenso wie diejenigen von Clava nicht an Blasto-. stylen, sondern an normalen Hydranthen, und zwar an der proximalen Hälfte der Köpfchen, etwa so wie die Gonanthen von Eudendrium rameum und Eudendrium racemosum. Die Kenntnis ihrer Entwicklung verdanken wir Weismann (Nr. 70, S. 50 — 5-1). Schon an den jüngsten Knospen verdickt sich der Scheitel des Entodermschlauchs zu einem 91 Ballen, der sich alsbald in drei Schichten sondert : zu unterst die defini- tive Epitheldecke des Schlauchs^ darüber die Keimzellenmasse und zu oberst, unmittelbar unter dem Ectoderm^ die dünne »Entodermlamelle«. Unter dieser letzteren, sowie zwischen der Keimzellenlage und dem Entodermschlauch (Spadix, Weismann) entstehen hyaline Membranen. In der weiblichen Keimzellenmasse sondern sich die Eizellen von einem sie deckenden kleinzelligen Epithel, worin Weismann das Homologen der beiden Schichten des Glockenkerns (Subumbrellarepithel, Manubrium- Ectoderm) erblickt; die Epithelzellen füllen die oberflächlichen Spalten zwischen den Eizellen, und in der Tiefe des Ovarium finden sich eben- falls kleine Zellen, die eine »Muskellage« darstellen. Unter den Eizellen bleiben einige im Wachstum zurück, um zuletzt als »Nährzellen« sich ganz aufzulösen. Wie schon die Namen der Einzelteile besagen, steht der Medusen- bau der Gonanthen von Coryne für Weismann fest; da jedoch der Glockenkern im Gegensatz zu seinem typischen Verhalten nicht aus dem Ectoderm, sondern aus dem Entoderm hervorgeht, so denkt Weismann an die Möglichkeit, daß einzelne Ectodermzellen in das Entoderm einwanderten und dort sich zu der normalerweise ecto- dermalen Glockenkernanlage vereinigten. An einigen Stöckchen von Coryne pusilla, die ich auf andern, aus Helgoland stammenden Hydropolypen fand, konnte ich mich davon überzeugen, daß die Beschreibung Weismanns von der Entstehung der Keimzellen und der sie umgebenden Gewebe aus dem Entoderm richtig ist^ und ferner, daß ein Unterschied der männlichen und der weiblichen Go- nanthen anfangs nicht vorhanden ist. Ich halte mich daher vorherrschend an die weiblichen Gonanthen. An jungen, halbkuglig vorragenden Knospen ist die Kuppe des Entodermschlauchs bereits verdickt (Fig. 141 ) ; die dem Hohlraum zugewandten Epithelzellen sind wenig verändert, über ihnen befindet sich aber eine kompakte Masse dunkler und kleiner, also jugendlicher, durch wiederholte Teilungen entstandener Zellen. Diese Entodermverdickung wird alsbald durch eine quere Spalte und eine in ihr entstandene Grenzlamelle in zwei Hälften geteilt (Fig. 142). Die untere Hälfte umfaßt jene weniger veränderten, die Entodermhöhle ^ begrenzenden Epithelzellen und wird nun zur Decke des definitiven Entodermschlauchs; die obere kleinzellige Hälfte, die als flache, in der Mitte dickere und am Rande zugeschärfte Kappe auf dem Entoderm- schlauch ruht, sondert sich wieder in zwei Schichten. Dies geschieht dadurch, daß die dem Ectoderm anliegenden Entodermzellen sich in 92 einer zusammenhängenden Schicht abplatten und von dem darunter- liegenden Zellpolster abheben; dieses schon in seiner Anlage gewölbte Deckepithel bleibt aber an seinem Rande mit dem tieferen Zellpolster verbunden, so daß die ursprüngliche und dauernde Zusammengehörig- keit beider Teile nicht zweifelhaft sein kann. Ein Zusammenhang des Deckepithels mit dem sekundären Entodermschlauch, wie ihn Weis- mann noch an vorgeschrittenen männlichen Gonanthen abbildet (Nr. 70, Taf. XIII, Fig. 4, 5, 16) kommt nach meinen Beobachtungen zu keiner Zeit vor. Anfangs ist an der Unterseite des Deckepithels eine Grenz- lamelle nicht vorhanden; später ist aber jene Unterseite allerdings so scharf begrenzt wie von einer solchen Lamelle. Das unter dem Deckepithel befindliche dicke Zellenpolster oder die künftige Gonade enthält anfangs größere und kleinere Zellen ungeordnet nebeneinander; allmählich wird dieser Unterschied bedeu- tender und die größeren Zellen verwandeln sich in Eizellen mit großem hellen Kern und einer ihn umgebenden dunklen Plasmazone, während die kleineren Zellen die Zwischenräume zwischen den Eizellen ausfüllen (Fig. 143). Nicht selten traf ich jedoch an solchen weiblichen Gonanthen unverkennbare Eizellen in dem sekundären Entodermschlauch, und zwar unmittelbar unter der Gonade an, die sich gerade so wie die jüngsten Eizellen von Corydendrium, Clava u. a. als Abspaltungsprodukte benach- barter Entodermzellen darstellen (Fig. 143 — 145). Diese Eizellen hegen teils noch der Grenzlamelle dicht an, teils ist aber die letztere über ihnen deutlich unterbrochen, aufgelöst, und die Zellen ragen mehr oder weniger in die Gonade vor; sie sind also zweifellos in der Einwanderung in die Gonade begriffen. Da nun der entodermale Ursprung dieser Nachzügler besonders evident ist, kann auch für die übrigen, erst in der Gonade sich differenzierenden Eizellen ein andrer Ursprung gar nicht vermutet werden. Die kleinen Interstitialzellen des Ovarium passen sich natürhch den Zwischenräumen zwischen den kugligen Eizellen an. Wo die letzteren an der Oberfläche und in der Tiefe Zwickelräume freilassen, sammeln sich jene kleinen Zellen in Nestern an, die durch dünne, in den engeren Zwischenräumen verlaufende Stränge miteinander zusammen- hängen (Fig. 145, 146). Selbst nachdem die Eizellen schon ansehnUch herangewachsen sind, erscheinen die Interstitialzellen noch in der ganzen Dicke des Ovarium in vollständigem Zusammenhange, bilden also in ihrer Gesamtheit ein die Eizellen umspinnendes, kontinuierliches Füll- gewebe, dem sich am Rande das Deckepithel der Gonade anschließt. Erst gegen das Ende der Reifezeit, wann die großen Eizellen sich mit ebenen 93 Flächen aneinander und an das Entoderm pressen, verschwinden unter ihrem Druck die zwischenUegenden Teile des Füllgewebes, so daß nur seine oberflächliche Schicht übrig bleibt (Fig. 147). Aber die Unregel- mäßigkeit dieser Schicht, ihre langen, zwischen die Eizellen sich ein- senkenden Fortsätze und ihre Verlötung mit dem ebenfalls in Auflösung begriffenen Deckepithel beweisen hinlänglich, daß es sich dabei nicht um ein selbständiges Epithel, sondern nur um die Reste des früheren Füllgewebes handelt. Daß ein Teil der Eizellen frühzeitig im Wachstum zurückbleibt und sich dann auflöst, also wohl die Rolle von Nährzellen spielt (Weismann), halte ich ebenfalls für sehr wahrscheinlich; denn ich habe sehr häufig die Reste von solchen Eizellen, namentlich ihrer unverkenn- baren Kerne zwischen und auf den reifenden großen Eiern gesehen (Fig. 1-47). — Zuletzt überziehen das ganze Ovarium und sein Deck- epithel, ähnlich wie bei Hydractinia, den ganzen Entodermschlauch und drücken ihn dabei mehr und mehr zu einem bloß axialen Gebilde des Gonanthen zusammen. Seine letzten Schicksale habe ich aber nicht verfolgen können. Die Spermarien unterscheiden sich nur darin von den Ovarien, daß die Teilungsprodukte der Spermatoblasten das Füllgewebe ver- decken, und daß der Entodermschlauch während seiner Umwachsung durch die Hoden häufig eine etwas unregelmäßige Form annimmt. Obgleich die Beobachtungen Weismanns und die meinigen über Bau und Entwicklung der Gonanthen von Coryne pusilla in dem wich- tigsten Punkt, nämlich darin übereinstimmen, daß die zwischen dem Ectoderm und dem Entodermschlauch gelegenen Teile entodermalen Ursprungs sind, gehen unsre Deutungen derselben vollkommen aus- einander. Er ist nämlich der Ansicht, daß der »entodermale Glocken- kern« dieser Gonanthen und die ihn von Anfang an kappenförmig über- ziehende »Entodermlamelle« eine so »vollständige Homologie« mit den gleichnamigen Teilen einer Meduse darstellten, daß jener entodermale Glockenkern von einem ectodermalen, und zwar der nächstverwandten Syncoryne abstammen müsse. Ich kann mich dieser Auffassung nicht anschließen. Weismann verbindet mit dem Wort »Homologie« einen, wie nur scheint, wenigstens heutigen Tages ungewöhnhchen Sinn. Er versteht darunter die Über- einstimmung in den Form- und Lagebeziehungen auch solcher fertigen Teile, deren individuelle Entwicklung, wie im vorliegenden Fall, auch nach seiner eignen Beobachtung vollständig auseinandergeht; und in 94 einer solchen »Homologie« heterolog entstehender Teile erbUckt er den ausreichenden, ja zwingenden Beweis für einen direkten stammes- geschichtUchen Zusammenhang der vergUchenen Formen, hier der Gonanthen von Corijne und der Medusen von Syncoryne. Die all- gemeine Berechtigung eines solchen Schluß Verfahrens werde ich an andrer Stelle kritisieren und beschränke mich hier auf den Nachweis, daß es im vorHegenden Fall schon deshalb hinfälHg wird, weil es sich auf unrichtige Beobachtungen stützt. Beginnen wir mit dem Deckepithel von Coryne, das Weismann von vornherein »Entodermlamelle« genannt und mit dem gleichnamigen Teil der Medusen verglichen hat. Eine solche Lamelle sollte nach all- gemeiner, von Weismann bestätigter Annahme in den Medusenknospen aus dem Rande der Entodermkuppe aufsteigen und oben becherförmig offen bleiben; das Deckepithel von Coryne ist aber nach meiner Er- fahrung ein oben geschlossenes gewölbtes Blatt, dessen Rand mit der Entodermkuppe niemals zusammenhängt, sondern nur mit der Gonade {Glockenkern, Weismann), zu der das Deckepithel auch abgesehen von der Entstehung beider Teile gehört. Von einer »vollständigen« Übereinstimmung zwischen dem Deckepithel der Gonade von Coryne und der angeblichen Entodermlamelle der Hydromedusen kann also gar keine Rede sein. Vollends unmögUch wird aber der Vergleich da- durch, daß, wie wir jetzt wissen, jene Entodermlamelle bei den Hydro- medusen gar nicht vorkommt, also auch nicht das Vorbild des Deckepithels von Coryne sein kann. Eine der Hauptgrundlagen der Hydromedusen, die umbrellaren Entodermteile oder die Radialschläuche, sind also in den Gonanthen von Coryne durch keine, auch nur entfernt ähnliche Bildung vertreten; und folglich fehlen ihnen auch Spadix und Manubrium (S. 76). Ferner hält Weismann die unter dem Deckepithel befindhche eigent- liche Gonade für einen Glockenkern mit einem selbständigen »Sub- umbrellarepithel« an der Oberfläche und einem tieferen Manubrium- Ectoderm. Ein solches Epithel existiert jedoch nach meinen Beobach- tungen nicht, da die an der Oberfläche der Gonade befindliche Zellenlage des Füllgewebes ganz deutlich mit den tieferen Schichten zusammen- hängt und mit ihnen ein einheitliches Gewebe bildet. Dann wird aber auch niemand behaupten können, daß unsre Gonade, an der weder die zwei Schichten des Glockenkerns noch eine Glockenhöhle vorhanden sind, und die ebensowenig außen von Radialschläuchen oder auch nur einer Entodermlamelle umfaßt wird, dennoch eine »vollständige« ana- tomische Übereinstimmung mit einem echten Glockenkern darböte. 95 Wenn überhaupt von einer anatomisclien Übereinstimmung die Rede sein kann, so finde ich eine solche zwischen dem zweischichtigen Innenectoderm von Uydractinia und der entodermalen Gonade samt Deckepithel von Coryne; aber abgesehen davon, daß diese Ähnlichkeit heterologer Teile nur eine äußerliche, eine Homoidie sein kann, so wäre sie für den Vergleich der Gonanthen von Coryne mit Hydromedusen schon deshalb wertlos, weil dadurch der Mangel eines den umbrellaren Entodermteilen entsprechenden Teils bei Coryne nur bestätigt wird. Denn die Deckschicht von Hydractinia entspringt auch nach Weismann aus dem Ectoderm. Kurz — die Gonanthen von Coryne besitzen keine Teile, die dem Glockenkern und den Radialkanälen der Medusenknospen anatomisch irgendwie entsprächen. So erweist sich also die für Weismann allein maßgebende »voll- ständige Homologie« zwischen den Hauptteilen einer Hydromeduse und den Bestandteilen der Gonanthen von Coryne fusüla als eine Täu- schung, und damit entfallen alle daran geknüpften Schlußfolgerungen sowie die Nötigung, den heterologen Ursprung der verglichenen Teile durch die oben erwähnte Hypothese (S. 91) zu erklären. Halten wir uns bloß an die Tatsachen, so führt ihre Vergleichung zu ganz andern Schlüssen als den eben bezeichneten. Da die Gonade von Coryne samt ihrem Deckepithel sowohl nach ihrem entodermalen Ursprung wie nach ihren Form- und Lagebeziehungen von jeder Homologisierung mit medusoiden Teilen ausgeschlossen ist, so fehlt den Gonanthen dieser Art jedes Medusenmerkmal ebenso wie den bisher besprochenen Gonanthen. Dagegen läßt sich allerdings aus der bereits angedeuteten Homoidie, d. h. der äußerlichen, nicht verwandt- schaftHchen Übereinstimmung der entodermalen Sonderteile von Coryne mit dem Innenectoderm von Hydractinia — woran sich mit einer gewissen Einschränkung auch Clava anschließt — eine bestimmte Vorstellung über den Formwert dieser Gonaden gewinnen. Das Deckepithel und das von den Keimzellen durchsetzte Füll- gewebe von Coryne, die eine zusammenhängende und zusammengehörige Bildung darstellen, sind nach ihrer völligen Trennung von den beiden Hauptschichten des Gonanthen, dem Ectoderm und dem Entoderm- schlauch, nach ihrer Lage zwischen beiden und nach ihren Beziehungen zu den Keimzellen dem genannten Innenectoderm andrer Gonanthen soweit analog, daß sie diesem Parectoderm als Parentoderm an die Seite gestellt werden können. Nun ist es aber keineswegs ein merk- würdiger Zufall, daß diese beiden Gewebe überall dieselbe Form einer den Entodermschlauch überziehenden Kappe oder Kalotte aufweisen. 96 Denn indem die beiden Binnengewebe in den Zwiscbenraum zwischen den beiden Hauptschicliten einwachsen und sich dort ausbreiten, wird ihnen die gleiche Form ganz offenbarvon diesen sie begrenzenden Schichten vorgeschrieben, so daß nur die beiderseits übereinstimmende Form der letzteren die äußerliche Ähnlichkeit unsres Parectoderms und Parento- derms hervorruft. Beide entbehren also eine an sich eigentümliche, ererbte Form, sind nicht ursprünglich morphologische, sondern rein ge webliche, den jeweiligen äußeren Formbedingungen sich anpassende Bildungen, was freilich erst dann vollends evident wird, sobald man das ganz abweichend geformte Parectoderm und Parentoderm andrer Gonanthen {CordijIopJwra, viele Tecaphora) kennen gelernt hat. Die Keimzellen YonCoryne, die in der Regel erst im abgesonder- ten Parentoderm entstehen, sind schon dadurch unbedingt ento- dermalen Ursprungs. Wenn Weismann dies für unentschieden erklärte (Nr. 70, S. 216), so geschah es natürhch nur im Hinbhck auf die Hypothese vom ectodermalen Ursprung der ganzen Gonade; ein tat- sächlicher Grund liegt dafür nicht vor, während die einzelnen von mir beobachteten Eizellen, die nachträglich aus dem Entodermschlauch in das Ovarium einwandern, m. E. unzweifelhafte Teilungsprodukte von Entodermzellen sind. Man kann also behaupten, daß die Keim- zone von Coryne im allgemeinen mit der Reifungsstätte zu- sammenfällt, teilweise jedoch sich bis in den Entoderm- schlauch erstreckt. 14. Cordylophora lacustris (Taf. VIII). Die Fortpflanzung der allbekannten Cordylophora lacustris be- schrieb zuerst ausführlich Allman (Nr. 2), worauf die vollständigste Untersuchung desselben Hydropolypen durch F. E. Schulze folgte, die ich der folgenden Übersicht zugrunde lege. Die zerstreut an Hydranthenstielen sitzenden Gonanthen von Cordylophora sind birnförmige Ausstülpungen beider Körperschichten des Polypen, die alsbald durch eine Zusammenziehung der Basis gestielt werden, worauf der eigentliche Körper des Gonanthen länglich eiförmig wird und diese Gestalt bis zum Ende seines Wachstums behält. Dies bezieht sich jedoch nur auf die äußeren Schichten, das Periderm und das Ectodermepithel ; der entodermale Sack verwandelt sich dagegen in ein Bündel von verzweigten Schläuchen, die von einem gemeinsamen, über dem Stiel befindlichen Basalabschnitt sich gegen den Scheitel erstrecken (Nr. 61, S. 33 ff.). Dies werde durch Wucherungen an der 97 Basis des Ectoderms herbeigeführt, die als netzförmig verbundene, nach innen gerichtete Vorsprünge centralwärts vorwachsen, dadurch den entodermalen Sack einbuchten und durchsetzen, bis er in die mit Seiten- zweigen besetzten Schläuche verwandelt ist (a. a. 0. S. 24, 25) i. Bei diesem Vorgange sondere sich das Ectoderm in zwei, jedoch durch keine besondere Cuticularlamelle getrennte Schichten: während die inneren Wucherungen sich als unregelmäßige Zellenmassen darstellen, bleibt an der Oberfläche ein regelmäßiges Plattenepithel zurück, das nur am Scheitel des Gonanthen verdickt ist. In der Regel seien in jedem Gonanthen vier Hauptschläuche vor- handen, die niemals miteinander anastomosieren (gegen Allman), in den weiblichen Gonanthen peripherisch und in den männlichen tiefer im Innern hegen. Das alle Zwischenräume zwischen diesen Schläuchen und dem Außenepithel ausfüllende unregelmäßige ectodermale Gewebe verwandle sich entweder in Sperma, oder nehme in den weiblichen Stöcken die Eizellen auf, die aus dem Ectoderm einwanderten und sich in dem centralen Raum zwischen den peripherischen Schläuchen an- sammelten. Bis zur vollen Reife der beiderlei Geschlechtsprodukte bliebe der geschilderte Bau der Gonanthen unverändert; dann bilde sich am verdickten Scheitel des Ectoderms eine Öffnung, durch welche die reifen Geschlechtsprodukte austreten 2, worauf der Zellkörper des Gonanthen sich gegen den Stiel zurück- und zusammenzieht und nach Ausgleichung der Schläuche zu einem kleinen einfachen Kolben wird (a. a. 0. S. 35-37). Dieser ausführlichen Darstellung der Gonanthenbildung wäre noch hinzuzufügen, daß bereits Schulze die Eizellen im Ectoderm der Hy- dranthenstiele, an denen die Gonanthen sprossen, und selbst der Haupt- stämme antraf und überhaupt den ectodermalen Ursprung der beiderlei Geschlechtsprodukte annahm (a. a. 0. S. 36 — 38). — Dies bestätigte Weismann mit der Maßgabe, daß die Eizellen regelmäßig im Stamm entstehen und von dort bis in die Gonanthen vorrücken, die männhchen Keimzellen jedoch erst an der Ursprungsstelle des Gonanthen sich 1 Allman ließ anfangs (Nr. 2, S. 373, 377) die Schläuche als »Radialkanäle« seitlich aus dem einfachen Entodermsack hervorwachsen, so daß der letztere als »Spadix« zurückbleibe; er nahm dies jedoch später als irrig zurück und bezeich- nete die Gesamtheit der Schläuche der Gonanthen als einen verzweigten Spadix (Nr. 3, S. 254). 2 Die ausgetretenen befruchteten Eier bleiben bis zur Planulabildung inner- halb des Peridermsacks zurück, das ausgetretene Sperma verläßt dagegen den Peridermsack sofort durch eine Öffnung desselben. 7 98 entwickeln und das ganze Ectoderm desselben umfassen (Nr. 70, S. 30 bis 33). Auch im übrigen will sich Weismann von der Richtigkeit der ScHULZEschen Darstellung überzeugt haben. Die Herstellung der Entodermschläuche faßt Pauly ebenso auf wie Schulze (Nr. 59, S. 771); nur sollen in den weiblichen Individuen die Eizellen zugleich mit den Ectodermwucherungen ins Innere dringen und sich daher an der Umbildung des Entodermsacks beteiligen. Diese Wucherungen beschreibt Pauly als netzförmig verbundene Zellen und bezeichnet sie teils als FoUikelbildungen, teils als Nährmaterial der Eier; in den männlichen Individuen gingen sie ganz in das Sperma über. Die weiteren Schicksale der Gonanthen werden aber von Pauly wesent- lich anders als von Schulze geschildert (a. a. 0. S. 772 — 774). Das ins Innere eingedrungene Keimgewebe (Spermazellen — Eizellen mit Nährzellen), soll am Entodermsack allerdings Einbuchtungen und röhrige Anhänge hervorrufen^ doch könne von einer regelmäßigen Anordnung und Verzweigung der entodermalen Röhren keine Rede sein. Ferner würden sie durch das wachsende Keimgewebe in getrennte Stücke zerschnürt, zusammengepreßt und zum Schwinden gebracht, indem sie ebenfalls als Nährmaterial für die Keime verbraucht würden, so daß zuletzt nur im Grunde des Gonanthen ein kleiner Entoderm- zapfen übrig bleibe. Endlich soll das Keimgewebe an den Stellen seines Ursprungs das ganze Ectoderm in seine Bildung einbeziehen, so daß nur an den dazwischenüegenden indifferenten Partien desselben ein Epithel zurückbleibt, das jedoch zuletzt ebenfalls schwindet, worauf nur das Sperma oder die Eier bzw. Embryonen den Peridermsack ausfüllen. Unter diesen Umständen kann natürlich von der Bildung einer Austrittsöffnung am Scheitel des Ectodermepithels und vom Austritt der Geschlechtsprodukte aus dem eigentlichen Gonanthen keine Rede sein, ebensowenig von einer Zusammenziehung jenes Epithels und der von ihm umschlossenen Schläuche. Nach Pauly ist vielmehr die ganze Entwicklung der Gonanthen von CordyJophora, vom Eindringen des Keimgewebes an nur ein ganz unregelmäßiger Rückbildungsprozeß i. Auf Grund meiner eignen Untersuchungen kann ich die Angaben Schulzes über den Bau der Gonanthen von Cordylophora lacustris im 1 Die von Motz-Kossowska neuerdings beschriebene Cordylophora jmsilla n. sp. (Nr. 58, S. 03) soll in diesem Gonanthen einen Glockenkern und eine Ento- dermlamelle entwickeln. Wenn sich dies bestätigen sollte, so hätten die Gonanthen dieser neuen Art und der altbekannten Cordylophora lacustris miteinander nichts gemein. 99 wesentlichen bestätigen. Die Umbildungen beider Körperschichten beginnen schon an den jüngsten kolben- oder birnförmigen Gonanthen beiderlei Geschlechts. Das Ectoderm sondert sich in der Tat in zwei Schichten, von denen die äußere ein zusammenhängendes Epithel bleibt (Außen ectoderm), die innere aber zu einem central wärts einwachsen- den Füllgewebe wird, das ich 'ebenso wie die bereits besprochenen entsprechenden Bildungen von Hydractinia und Clava als Innenecto- derm bezeichne. Das Außenectoderm erhält sich bis zur Reife und dem Austritt der Geschlechtsprodukte intakt und kann selbst nach jenem Zeit- punkt in ununterbrochenem Zusammenhange zurückbleiben (Fig. 192). Von seiner frühzeitigen Unterbrechung und Auflösung (Pauly) habe ich nirgends etwas gesehen. Während des Wachstums der Gonanthen wird es zu einem Plattenepithel, und nach der Entleerung des Gonanthen zieht es sich wieder zu einem Pflasterepithel zusammen ; nur am Scheitel bildet sich in ihm eine Kuppe von Cylinderzellen. Das Innenectoderm und die Entwicklung des Entodermschlauchs zeigen sich in beiden Geschlechtern etwas verschieden, weshalb hier die weiblichen und die männüchen Gonanthen getrennt behandelt werden sollen. Die weiblichen Gonanthen. Die Eizellen, die nur im Ecto- derm anzutreffen sind und zweifellos auch dort entstehen, wandern sehr frühe aus dem Hydranthenstiel in die Gonanthenknospen ein, wo sie außerhalb der ursprünghchen Grenzlamelle bleiben, sowohl anfangs, wann sie der glatten Oberfläche des Entodermsacks aufliegen, wie auch später, wann sie sich zwischen dessen Verzweigungen ins Irmere ein- senken und dort im centralen Binnenraum ansammeln. Sie verlassen also ebenso wie die Spermatoblasten niemals ihre ectodermale Ursprungs- stätte. Sobald ihr Durchmesser die Höhe des eigentlichen Ectoderm- epithels übertrifft, wölben sie dieses nach außen vor, während einzelne und offenbar jüngere Ectodermzellen sich in der Tiefe um die Eizellen anhäufen (Fig. 177), um diese bei ihrer Einwanderung nach innen zu begleiten (Follikelepithel, Pauly). Von diesen Zellen sah ich regel- mäßig einige in die Eizellen eindringen, wo sie allmählich assimihert werden (Fig. 182); es sind dies also echte Nährzellen, wie sie uns schon bei Tuhularia und Coryne begegneten und bei Hydra allbekannt sind. Aber auch dort, wo keine Eizellen dem Entoderm auf hegen, ent- stehen in der Tiefe des Ectoderms der jungen Knospe gruppenweise junge, dunkle und stärker färbbare Zellen, die, sobald das Entoderm sich einzubuchten beginnt, sich in diese Vertiefungen einsenken (Fig. 180 bis 182). Sehr bald schheßen sich diese selbständigen so wie die andern. 100 die Eizellen begleitenden Sonderungen einer tieferen Ectodermschicht nacli außen gegen das einfache Ectodermepithel ganz glatt und scharf ab, indem zwischen ihnen eine neue Grenzlamelle entsteht, die an den Stellen, wo das Entoderm das Ectodermepithel oder Außenectoderm berührt, sich an die ursprüngliche, stets erhalten bleibende Grenz- lamellei anschließt (Fig. 179). Die ganze zwischen beiden Lamellen befindliche ectodermale Zellenmasse ist eben das Innenectoderm, das auf den angegebenen Wegen nach innen vorwachsend, sehr bald zwischen den Entodermschläuchen zu einem einheitlichen Gewebe ver- wächst, das Pauly ganz richtig als ein netzförmiges Zellenwerk be- schreibt. Dazu wird es aber durch eine ganz eigentümliche Entwicklung. Anfangs erscheinen die Zellen unsres Innenectoderms dicht zu- sammengefügt; dann werden sie so vacuolisiert, daß das dunkle Proto- plasma sich sternförmig um den Kern zusammenzieht und der Zwischen- raum zwischen ihm und der Peripherie der Zelle von einer klaren Flüssig- keit eingenommen wird (Fig. 179). Dies stimmt also mit der von Schulze beschriebenen Bildung der Zellen des Ectodermepithels und der bekannten Achsenzellen der Tentakel der meisten Hydropolypen und Hydromedusen überein. Wo jene klaren Zellen des Innenectoderms von Cordylophora lacustris zusammenstoßen, fließen sie meist so zu- sammen, daß die Flüssigkeit sich zu einer kontinuierlichen Intercellular- substanz vereinigt, in der die sternförmigen und kernhaltigen Proto- plasmakörper sich netzförmig verbinden (Fig. 180, 181). Diese Meta- morphose scheint sich auf die meisten Zellen des Irmenectoderms auszu- dehnen ; doch mögen sich einzelne kompakte Zellenstränge im Netzwerk erhalten. Allmählich nimmt die Intercellularsubstanz dieses Füllgewebes zu, es wird lockerer und weiter und gestattet den darin angesammelten Ei- zellen zu wachsen und sich abzurunden. Dagegen wird es, abgesehen von den schon erwähnten Nährzellen, keineswegs für die Eizellen ver- braucht (Pauly), sondern zeigt sich noch in reifen Gonanthen unver- ändert, und seine Reste lassen sich nach dem Austritt der Eier noch in dem darunter zusammengezogenen Gonanthen nachweisen (Fig. 192). Das Innenectoderm der weiblichen Gonanthen von CordylopJiora lacustris ist also ein selbständiges, integrierendes Gewebe derselben, das wegen seiner vollkommenen Trennung von den beiden ursprüng- 1 Pauly vermißt diese ursprüngliche Lamelle ebenso wie, im Anschluß an Schulze, die sekundär entstehende (Nr, 59, S. 772) ; sie ist aber sicher vorhanden und nur gelegentlich schwer nachweisbar. 101 liehen Epithelschicliten und wegen seines Charakters als ein in erster Linie stützendes Füllgewebe ihnen gleichwertig gegenübersteht. Gleichzeitig mit der Einwucherung des Innenectoderms ins Innere des Gonanthen beginnt die Bildung seiner Entodermschläuche, die sich mir im allgemeinen ebenso wie Schulze mit einer nicht zu ver- kennenden Regelmäßigkeit in Zahl^ Form und Lage zeigten i. Die Anlagen der Schläuche stimmen in beiden Geschlechtern überein, und nur auf späteren Entwicklungsstufen geht ihre Bildung in den männ- lichen und den weibhchen Gonanthen mehr oder weniger auseinander. Die erste Veränderung des birnförmigen Entodermsacks besteht in Einkerbungen seiner distalen Hälfte von oben her, wodurch sie in mehrere Vorwölbungen geteilt und von der unveränderten proximalen Hälfte gesondert wird (Fig. 194). Diese bleibt kelchförmig; die aus diesem Basalkelch sich erhebenden Vorwölbungen werden bald schlauchförmig (Hauptschläuche) und ordnen sich peripher, gewisser- maßen am Rande des Basalkelches an (Fig. 188), so daß sie einen cen- tralen Raum umgeben und außen das Ectodermepithel (Außenectoderm) berühren (Fig. 179—182). Die Zahl der Hauptschläuche ist normalerweise vier oder fünf; doch mag die Fünfzahl bisweilen durch eine nachträgliche Spaltung eines von vier ursprünglichen Hauptschläuchen entstehen. Sie sind entweder alle ziemHch gleich stark, oder einige von ihnen überwiegen in der Breite ; an diesen zeigen sich dann auch neue Kerben, wodurch bei weiterem Wachstum des Schlauches schräg aufsteigende Seitenzweige hervorgerufen werden (Fig. 189). Doch kann die Verzweigung in andern Fällen ziemlich lange auf sich warten lassen, so daß die Haupt- schläuche inzwischen lang fingerförmig geworden sind. Infolge ihrer Anlagerung an das oval sackförmige Außenectoderm krümmen sie sich vom Basalkelch aus gegen den Scheitel des Gonanthen hin. Im ganzen habe ich sie weniger schlank und weniger verzweigt angetroffen, als ich es nach den Abbildungen der früheren Beobachter erwartete; dagegen habe ich die von Allman beobachteten, aber von Schulze durchaus vermißten queren Anastomosen einzelner Schläuche nicht selten ge- sehen (Fig. 190). Diese Bildung der Entodermschläuche erhält sich in den weibhchen Gonanthen unverändert bis zur vollendeten Reife der Eizellen, die sich zuletzt sämtlich im Centralraum zwischen den Schläuchen zusammen- 1 Zur Erläuterung dieser Verhältnisse habe ich die aus den ganzen Durch- schnittsserien rekonstruierten Gesamtbilder der Entodermschläuche wiederge- geben (Fig. 188—191, 194—197). 102 finden, umhüllt und gestützt vom Füllgewebe des Inneneetoderms. Den Austritt der reifen Eier aus diesem Raum durch eine Öffnung am Scheitel des Außenectoderms (Schulze) habe ich nicht unmittelbar beobachtet; die Richtigkeit dieser Angabe ergibt sich aber daraus, daß die entleerten Gonanthen sich unter den Eiern und Embryonen nur zusammenziehen, ohne sich aufzulösen oder ihren Zusammenhang zu unterbrechen (Fig. 191). Das Außenectoderm erscheint, nachdem die Austrittsöffnung wieder verschwunden ist, vollkommen geschlossen, aber infolge der allgemeinen Zusammenziehung verdickt; die entodermalen Hauptschläuche ver- kürzen sich ebenfalls, und die Seitenzweige verschwinden ganz oder bleiben nur als Buckel sichtbar. Zwischen dem Außenectoderm und den Schläuchen befinden sich die schon erwähnten Reste des Füllgewebes (Fig. 192). Kurz, diese Rückbildung des verbrauchten Gonanthen ist offenbar keine Auflösung, sondern nur eine durch allmähliche Resorption desselben von selten des Stammes herbeigeführte Schrumpfung, die zuletzt so weit führt, daß der zellige Teil des Gonanthen nur noch als knopfförmige Anschwellung seines Stiels erscheint, worin seine früheren Teile zu einer kompakten Masse verschmelzen, oder, wenn noch gesondert, bis zur Unkenntlichkeit verkleinert sind (Fig. 193). Die Rückbildung der weiblichen Gonanthen von Cordylophora lacustris beginnt also erst nach dem Aufhören seiner Funktion als Reifungsstätte; von einer wirklichen Zerstörung und Auflösung der- selben vor jenem Zeitpunkt, und zwar zum Zweck der Ernährung der reifenden Keime (Pauly), habe ich nichts bemerkt. Die männlichen Gonanthen. — Die Einwucherung des Innen- eetoderms vollzieht sich in den männlichen Gonanthen klarer und übersichtlicher als in den weiblichen Gonanthen, weil es nicht durch die großen Eizellen unterbrochen und verdeckt wird. In den jüngsten männlichen Gonanthenknospen ist das Ectoderm, wie bereits Weis- mann angab, ziemlich gleichmäßig verdickt und mehrschichtig; doch sind die tieferen Schichten dunkler und schon mehr oder weniger deutlich vom äußeren Epithel abgesetzt (Fig. 183). Sie entstehen aus einzelnen, in der Tiefe neugebildeten Zellen, die sich schnell zu einer ziemlich kontinuierlichen Zellenlage ansammeln und früher oder später durch . eine Grenzlamelle von dem Außenectoderm getrennt werden. Dieses gewissermaßen kappenförmige Innenectoderm verdickt sich fortdauernd und wird dann in dem Maße, als die Entodermschläuche hervorwachsen, dort, wo diese sich gegen das Außenectoderm vorwölben, verdrängt und in die Buchten zwischen den Schläuchen zusammengeschoben, von wo 103 es in den sich bildenden Centralraum hineinwächst und ihn ausfüllt (Fig. 184). Es verhält sich demnach anfangs ebenso wie das Innen- ectoderm der weiblichen Gonanthen. Währenddessen vollzieht sich an ihm auch eine gewebliche Son- derung, die ebenso beginnt vde im Innenectoderm der weibhchen Go- nanthen, aber weiterhin doch teilweise eine andre Kichtung einschlägt. Nachdem die ersten verflüssigten Zellen aufgetreten sind, bleibt die übrige, sie umgebende Zellenmasse scheinbar kompakt und bildet den überwiegenden, immer dunkler werdenden Hauptteil des Innenecto- derms, worin die vacuolisierten Zellen wie helle Tröpfchen verteilt sind (Fig. 185). Im Innern dieser Tröpfchen zeigen sich deuthch die blassen, sternförmigen Zellen; die Hauptmasse wächst aber und wird dunkler durch die enorme Vermehrung der dicht zusammengedrängten kleinen Kerne, die natürlich ebenso vielen Zellen, eben den Samenzellen ent- sprechen. Man könnte daher meinen, daß das Innenectoderm der männlichen Gonanthen bis auf die beschriebenen Sternzellen für die Herstellung des Sperma völlig aufgebraucht werde. Sobald man aber reife und teilweise schon entleerte Gonanthen untersucht, erkennt man innerhalb der weniger dichten Samenmasse ebenfalls größere hellere Zellkerne, und an den Stellen, wo das reife Sperma beinahe ganz ver- schwunden ist, ein ziemlich engmaschiges Zellennetz mit verhältnismäßig wenigen Kernen, in dessen Plasma hier und dort noch einzelne Sperma- tozoen lagern (Fig. 186). Daraus folgt, daß das netzförmige Gefüge des ursprünglichen Innenectoderms der männlichen Gonanthen von Cordylo- fhora sich dauernd erhält, aber durch die in seinen dichteren Partien entstehenden und sich anhäufenden Samenelemente größtenteils ver- deckt wird. So erweist sich dieses Innenectoderm der männlichen Gonanthen von Cordylophora lacustris als ein von Spermatoblasten durch- setztes Füllgewebe, das aber deshalb noch nicht grundsätzlich von demjenigen der weiblichen Gonanthen desselben Polypen verschie- den ist. Allerdings erscheint das letztere Innenectoderm von Anfang an von den aus dem Polypenstiel eingewanderten Eizellen gesondert, während das Innenectoderm der männlichen Gonanthen die Spermato- blasten selbst erzeugt. Dieser Gegensatz schwindet jedoch, wenn man überlegt, daß alle diese Gewebe gleicherweise Erzeugnisse der tieferen Ectodermschichten sind, und daß daher der Unterschied sich darauf beschränkt, daß Eizellen und Füllgewebe getrennt, Spermatoblasten und Füllgewebe gewissermaßen unkenntlich verbunden ins Innere der Gonanthen gelangen. Dieser Unterschied ist aber ganz untergeordnet 104 gegenüber der früheren Annahme, daß das Innenectoderm in den weib- lichen Individuen allerdings ein Lager für die Eizellen bilde, in den männlichen Individuen dagegen völlig in die Spermabildung aufgehe. Befriedigender klang schon die Auffassung Paulys, daß das Innen- ectoderm von Cordylophora in beiden Geschlechtern zur Herstellung der Geschlechtsprodukte verbraucht werde; da sich aber auch diese Auffassung nicht bestätigt hat, bleibt es dabei, daß das Innenecto- derm von Coräylophora lacustris in beiden Geschlechtern eine homologe Bildung ist, von der man allerdings annehmen darf, daß sie stammesgeschichtlich durch die Bildung und Ansammlung der Keimzellen in den Gonanthen allmählich hervorgerufen sei. Das Entoderm der männlichen Gonanthen unterscheidet sich ebenfalls nur in geringem Grade von demjenigen der weibhchen Gonan- then und zwar nach meinen Beobachtungen in der Regel erst auf den späteren Entwicklungsstufen. Anfangs treten auch aus dem Basalkelch der männhchen Gonanthen peripher, also rund um einen dadurch ent- stehenden Centralraum vier bis fünf Hauptschläuche hervor (Fig. 19-1, 195). Sie scheinen allerdings stets einen ungleichen Durchmesser zu haben, und die breiteren unter ihnen beginnen sich frühzeitig zu ver- zweigen. Diese Ungleichheit nimmt nun weiterhin in der Weise zu, daß die stärkeren Hauptschläuche sich unregelmäßig verzweigen und die schwächeren dagegen im Wachstum zurückbleiben und sich wenig oder gar nicht verzweigen (Fig. 197). Immerhin kann die periphere Anordnung der Hauptschläuche noch bis zur Reifezeit des Sperma erhalten bleiben (Fig. 185); meist treten aber Verschiebungen dadurch ein, daß auch die Basen der stärkeren Schläuche sich ausdehnen, mit- samt den unregelmäßigen Zweigen den Centralraum an die Peripherie verdrängen und die schwächeren Hauptschläuche zuletzt nur als ihre Zweige erscheinen lassen (Fig. 196). Natürlich kann dabei auch der Basalkelch seine ursprüngliche regelmäßige Form völlig einbüßen. Kurz — die älteren männlichen Gonanthen erfahren in der Regel eine solche Veränderung an der ursprünglich ziemlich regelmäßigen Anlage ihrer Entodermschläuche, daß das ganze Entoderm völlig regellos geformt erscheint. Offenbar hat also Pauly nur solche extreme Bil- dungen beobachtet, Schulze dagegen die weniger abweichend gebauten, da er von den Entodermschläuchen der männlichen Gonanthen nur angibt, daß sie stärker verzweigt seien als in den weiblichen Gonan- then und sich mehr ins Innere zurückziehen. Von einem Zerfall und Schwund der Entodermschläuche habe ich 105 in den männlichen Gonanthen bis zum Eintritt der Samenreife so wenig gesehen wie in den weibhchen. Auch in halbentleerten Gonanthen, deren Sperma nur durch eine besondere Öffnung hinausgekommen sein kann, habe ich noch ebenso wie Schulze die verzweigten Schläuche beobachtet. Freilich war dann der ganze Gonanth durch Zusammen- ziehung etwas verkleinert und die Schläuche erschienen bereits atrophisch, wenn auch durchaus nicht zusammengefallen. Mag nun diese Atrophie auch schon kurz vor der Entleerung des Samens beginnen, so hat dies doch keine besondere Bedeutung, da nach jener Entleerung der ganze Gonanth zweifellos zugrunde geht. Diese allen Gonanthen gemeinsame Erscheinung der Rückbildung nach der Keimreife ist aber etwas ganz andres, als was Pauly beobachtet haben wollte, daß nämlich die ganze Entwicklung des eigentlichen Gonanthen von Anfang an ein regelloser Rückbildungsprozeß sei. So ergeben sich also für die Gonanthen beiderlei Geschlechts eine relative Regelmäßigkeit ihres Baues und dessen Fortbestand bis zum Eintritt der Ge- schlechtsreife. Jene Regelmäßigkeit bezieht sich auf die Gesamtform des ge- stielten Gonanthen, die wesentlich von dem gut gesonderten und intakten Außenectoderm abhängt, und dann vor allem auf die eigentümliche Umbildung des Entoderms. Diese letztere führt nun allerdings nicht zu einer vollkommen regelmäßigen Form, doch lassen sich bei sämtlichen weiblichen und vielen, namentlich den jüngeren männlichen Gonanthen die Grundzüge einer regelmäßigen Bildung gar nicht verkennen. Die Sonderung des Basalkelchs und der aus ihm hervorwachsenden ver- zweigten Schläuche, ihre Zahl (vier bis fünf) und periphere Anordnung um einen Centralraum sind der deutliche Ausdruck eines im allgemeinen ganz bestimmten Baues ; wogegen allerdings hervorgehoben werden muß, daß er nirgends gewisse Schwankungen im einzelnen vermissen läßt. Es handelt sich also gar mcht um eine feste Norm mit gelegentlichen Ausnahmen, sondern um eine noch nicht fixierte, variable Form. Und diese Variabilität führt eben, wie wir sahen, bei den älteren männhchen Gonanthen zu jener unregelmäßigen Ausgestaltung der Entoderm- schläuche, deren Extreme Pauly mit Unrecht für die typische Bildung aller Gonanthen von Cordyhphora lacustsis erklärte. Diese Erörterung steht in nahem Zusammenhang mit der Frage nach den Ursachen der Entwicklung unsrer Gonanthen, vor allem der variablen, aber doch relativ regelmäßigen Entodermschläuche. Es wurde bisher allgemein angenommen (S. 97, 98), daß das Innenectoderm und die Keimzellen die Metamorphose des ursprünglichen, einfachen 106 Entodermsacks unmittelbar und mechaniscli bewirkten, indem sie ein- wärts gegen ihn vorwüchsen oder vordrängen und ihn dadurch ein- buchteten und spalteten. Allerdings wurde dies nicht weiter begründet, sondern galt wahrscheinlich für selbstverständlich, weil jenes Vordringen des Innenectoderms und der Eizellen eben als aktiver Vorgang erschien. Dieser Vorstellung widersprechen aber gewisse Tatsachen ganz bestimmt, vor allem das nachweisbar passive Verhalten der Eizellen. Man vergleiche z. B. die beiden jungen Knospen Fig. 177, 178. In der unbedeutend größeren (Fig. 178) ist der Entodermsack mehrfach ein- gebuchtet und die annähernd kugigen Eizellen sind in die Buchten so eingelagert, als wenn sie dieselben allerdings durch ihren Druck er- zeugt hätten. Dies wird aber durch die etwas jüngere Knospe (Fig. 177) widerlegt. Denn obgleich dort sogar größere Eizellen als im ersten Fall vorhanden sind, fehlen die Einbuchtungen am Entodermsack voll- ständig; statt dessen sind die Eizelen an dem unverändert glatten Entoderm abgeplattet und wölben velmehr das Ectoderm nach außen vor, d. h. sie werden in ihrer Form und Lage vom Entoderm beeinflußt und nicht umgekehrt. Noch auffälliger wird dieser Einfluß etwas später, wann die Eizellen bereits in das Innere eingewandert sind und die Zwischenräume zwischen den Schläuchen ausfüllen; denn dabei passen sie sich mit ihren vieleckigen Formen, die ihnen doch nicht eigen sind, offenbar jenen Räumen und den sie begrenzenden Entodermschläu- chen an (Fig. 179). Angesichts dieser Tatsachen muß das erste Bild (Fig. 178) so gedeutet werden, daß die Eizellen, statt durch ihren Druck die Entodermbuchten zu erzeugen, vielmehr passiv in die sonstwie entstehenden Buchten eindrangen, weil sich ihnen dort freier Raum und der geringste Widerstand darbot. Den unzweideutigsten Beweis dafür, daß die ganze Umbildung des Entodermsacks unabhängig von den Eizellen erfolgt, liefern endlich solche bereits mit peripherischen Entodermschläuchen versehene Go- nanthen, denen die Eizellen noch ganz oder doch im Bereich der Schläuche fehlen. So enthielt der Gonanth, dem die drei Durchschnitte Fig. 180 bis 182 entnommen sind, nur eine einzige Eizelle am Basalkelch, so daß also seine vier, oben verzweigten Entodermschläuche entstanden waren, ohne daß dabei eine Mitwirkung von Eizellen in dem bisher angenom- menen Sinne hätte in Frage kommen können. Und da die angeführten Fälle nicht vereinzelte Ausnahmen, sondern nur eine Auswahl von zahl- reichen gleichen Beobachtungen darstellen, so haben die Eizellen bei der Frage nach den Ursachen der Entwicklung der Entodermschläuche ganz auszuscheiden. 107 Nicht anders steht es mit der angeblich gleichen form- bildenden Tätigkeit des Füllgewebes in den Gonanthen beiderlei Geschlechts. Das Innenectoderm der jüngsten männlichen Knospen verhält sich ähnlich wie die Eizellen gleich junger weiblicher Knospen: es kann, wenn es eine gewisse Stärke erreicht hat, wohl die Außenfläche des Gonanthen vorwölben, bleibt aber an derselben Stelle ohne jede Einwirkung auf das konvex gewölbts Entoderm, während es auf der andern Seite des Gonanthen bei geringerer Mächtigkeit sich in einer Ectodermbucht angesammelt hat (Fig. 184). Und nachdem das Innenectoderm in männlichen und weiblichen Gonanthen ins Innere eingedrungen ist und die Zwischenräume zwischen den Entoderm- schläuchen einnimmt, kommt es doch häufig genug vor, daß die letzteren sich mit breiten Flächen unmittelbar berühren, ohne jede Spur eines- trennenden Füllgewebes, das doch angeblich die Ursache der Trennung sein sollte. Zu allen diesen Tatsachen gesellt sich endlich eine nicht zu unter- schätzende allgemeine Überlegung. Die hier in Betracht kommenden ectodermalen Gewebe erscheinen morphologisch völlig indifferent: die in eine Gonanthenknospe einwandernden Eizellen sind völlig regellos über den Entodermsack verteilt und die kappenförmige Anlage des männlichen Innenectoderms zeigt keine Spur einer Gliederung. Wie soll man sich nun denken, daß morphologisch so indifferente Gewebe durch ihren auf den Entodermsack ausgeübten Druck ihn in ganz be- stimmter Weise und mit der beschriebenen Regelmäßigkeit umformen? Warum sollten jene Einwucherungen wenigstens in der Regel so ver- laufen, daß nur vier bis fünf Schläuche gebildet werden, die am Basal- kelch wurzeln, oben frei auslaufen, nur peripherisch stehen usw.? — Ich wüßte in der Tat nicht, wie diese Inkongruenz zwischen der Form- bildung der Schläuche und dem Mangel jeghcher bestimmten Form an den sie angeblich verursachenden Eizellen und dem Innenectoderm ausgeglichen und erklärt werden könnte i. Kommt nun dazu, daß, wie ich zeigte, ein solcher Causalzusammenhang vielfach unmittelbar 1 Gerechterweise muß ich hervorheben, daß für Pauly eine solche Schwie- rigkeit nicht bestand, da er weder die Regelmäßigkeit der Schläuche noch ihren unversehrten Zustand in den älteren Gonanthen anerkannte. Indem er überdies nach einer weitverbreiteten Auffassung jeden Gonanthen ohne weiteres für eine rückgebildete Meduse, also seinen Bau für ein phyletisches Rückbildungsprodukt hielt (Nr. 59, S. 769), mochte dies eine weitere Veranlassung sein, in der ganzen Entwicklung der Gonant'ien von Cordylophora nur eine ungeordnete Rückbildung und in der Einwiicherung der Keimzellen ihre unmittelbare Ursache zu erbUcken, 108 ausgeschlossen werden muß, und eine wirkliche Begründung desselben überhaupt nicht versucht worden ist, so bleibt nur übrig, diese Annahme vollständig abzulehnen und nach andern Ursachen jener Gonanthen- bildungen von Cordyloj)hora lacustris zu suchen. Um nicht mißverstanden zu werden, schicke ich voraus, daß ich den Geschlechtszellen durchaus nicht ganz allgemein jede Beziehung zur Gonanthenbildung abspreche. Denn wie man auch die Entstehung der Medusen und Gonanthen auffassen mag, so hat man doch immer mit der Tatsache zu rechnen, daß sie im Gegensatz zu den zugehörigen, sterilen Hydranthen allein die definitiven Keimträger sind, und daß daher die Keimzellen bei der Entstehung dieser Keimträger irgendwie mitgewirkt haben dürften. Dieses allgemeine Zugeständnis ist aber etwas ganz andres als eine Erklärung der concreten Bildung des Go- nanthen in der einzelnen Species durch einen angeblich formbildenden Einfluß der Keimzellen und des sie begleitenden Innenectoderms, der bei Cordylofhora, wie wir sahen, bestimmt fehlt. Unter solchen Um- ständen erscheint das bestimmt gerichtete und geregelte Wachstum des Entodermsacks als ein durchaus selbständiges, dessen Ursachen im Entoderm selbst zu suchen sind. Nun wachsen die fraglichen Schläuche nicht unvermittelt wie ein- fache Ausstülpungen aus dem Basalkelch hervor, sondern es gehen ihnen entsprechende Einkerbungen des Entodermsacks voraus, die noch nach dem Hervortreten der Schläuche im Basalkelch sichtbar bleiben und sich als longitudinale, nach innen vorspringende Falten darstellen, so zwar, daß die zwischen ihnen liegenden Rinnen in die Schläuche aus- laufen (Fig. 182). Es zeigt sich hier also dasselbe wie bei der Entwick- lung der Radialschläuche der Medusen, die durch die Täniolen des Knospenentoderms hervorgerufen werden; und sowie diese Täniolen sich als Homologa derjenigen der Hydranthen ergeben (S. 10), so lassen sich auch an den Hydranthenköpfchen von Cordi/lopJiora teils solide, teils faltige Täniolen nachweisen, die ebenso zweifellos als Homologa der Falten im Basalkelch der Gonanthen anzusprechen sind (Fig. 198, 199), mögen die letzteren nun direkt oder auf dem Umwege durch die Medusen von den Hydranthen abgeleitet werden. Denn auch die Zahl der Täniolen des Basalkelchs stimmt im allgemeinen mit der Zahl der Täniolen in den Hydranthen: im Hypostom sind es vier bis fünf und erst weiter abwärts vermehren sie sich ebenso wie die Tentakel, indem jeder Tentakel im Verlaufe einer von Täniolen begrenzten Rinne ent- springt. So erklärt sich die Entstehung der Entodermschläuche in den 109 Gonanthen von Cordylophora ebenso einfach wie befriedigend dadurch, daß das distalwärts gerichtete Wachstum des Entodermsacks durch die von den Hydranthen ererbten Täniolen in bestimmter Weise differenziert wird und in schlauchförmige, peripherische Fortsetzungen ausläuft. Allerdings vermißt man dabei eine vollkommene Regelmäßigkeit der Schläuche in Form, Zahl und Lage; ihre bereits erörterte Variabilität beweist jedoch nur, daß die Täniolenbildung in den Gonanthen von Cordylophora noch ebensowenig fixiert ist wie in ihren Hydranthen. Mit dieser Einschränkung stimmen also die Entodermschläuche der Gonanthen von Cordylofhora nach ihrem Ursprünge mit den Radialschläuchen der Hydromedusen überein. Aus diesem identischen Ursprünge ergeben sich aber auch für die beiderlei Schläuche im allgemeinen dieselben Lagebeziehungen. Denn die Lage der Täniolen bringt es mit sich, daß die Schläuche in beiden Fällen vom Rande der Entodermkuppe, d. h. des künftigen Basalkelchs {Cordy- lophora) oder Centralmagens (Hydromedusen) und daher peripher längs des Außenectoderms aufwachsen, wodurch eben der Binnenrauni für das Innenectoderm oder den Glockenkern geschaffen wird. Die Entodermschläuche der Gonanthen von Cordylojjhora und die Radialschläuche der Hydromedusen sind also wirkliche Homologa. Dies gilt nun aber nicht in demselben Maße von den beiden eben genannten Ectodermprodukten, dem Innenectoderm von Cordylophora und dem Glockenkern der Medusen. Denn in der Form seiner ersten Anlage und seines definitiven Zustandes weicht jenes Innenectoderm nicht unbedeutend von einem Glockenkern ab. Indem es aber schließlich als kompakte Masse innerhalb der peripherischen Ectodermschläuche immerhin dieselben Lagebeziehungen aufweist wie ein solider Glocken- kern, steht es ihm in diesem entscheidenden Verhalten immer noch näher als das Innenectoderm von Hydractinia und Clava, das anfangs aller- dings einem Glockenkern so ähnhch sieht, aber wegen der Abwesenheit von Radialschläuchen jene Homologie der Lage niemals erreicht. W^enn also auch das Innenectoderm von Cordylophora lacu- stris nnv in gewissen Grenzen einem Glockenkern homolog ist, so muß doch anerkannt werden, daß die Gonanthen dieses Hydropolypen die Grundzüge eines Medusenbaues, nämlich allgemeine Homologa der Radialschläuche und des Glockenkerns enthalten. Kann nun daraus gefolgert werden, daß diese Gonanthen rückgebildete Medusen sind? Weismann, der in ihnen »keine Spur von medusoidem Bau« findet, hält daher auch ihre medusoide Abstammung für unentschieden (Nr. 70, 110 S. 251, 252) ; ich glaube dagegen aus meinen Befunden an denselben Oonanthen folgern zu können, daß sie trotz ihres medusoiden Baues keine rückgebildeten Medusen sind. Bei der Untersuchung, ob ein bestimmter Organismus ein Rück- bildungsprodukt ist oder nicht, hat man sich vor allem die Kriterien «iner phyletischen Rückbildung zu vergegenwärtigen, die für den ganzen Organismus natürlich wesentlich dieselben sind wie für den einzelnen Körperteil. Nun ist es ja ein allgemein anerkannter elementarer Satz, daß die phyletische Rückbildung eines Körperteils sich am vollständigsten in seinem fertigen Zustande zeigt, auf den vorausgehenden Stufen der individuellen Entwicklung dagegen gradatim abnimmt, so daß die ersten dieser Entwicklungsstufen dem Zustande desselben Körperteils bei den noch nicht zurückgebildeten Vorfahren ähnlicher sind als die späteren Entwicklungsstufen. Das nächste Beispiel dafür bieten die Medusoide von Tuhularia^ die als vollkommene Medusenknospen be- ginnen, dann aber die medusoiden Anlagen völlig zurückbilden und unterdrücken : die Radialkanäle schwinden, Ringkanal, Velum, Tentakel, Glockenhöhle werden ganz oder teilweise unterdrückt usw. In den Gonanthen von Coräylophora vermisse ich eine solche fort- schreitende Rückbildung durchaus: die ersten Anlagen erhalten sich nicht nur bis zuletzt, d. h. bis zum beginnenden Absterben der Go- nanthen i, sondern zeigen teilweise selbst eine fortschreitende Umbil- dung, so daß umgekehrt wie bei der Rückbildung der Medusoide von Tubularia die Medusenähnlichkeit jener Gonanthen im Verlaufe ihrer individuellen Entwicklung eher zunimmt als abnimmt. Ich erinnere hier vor allem an das Innenectoderm, dessen erste Anlage mit einem Glockenkern nur die Abstammung vom Ectoderm gemein hat; sie ver- breitet sich, namentlich deutlich in den männlichen Gonanthen, über •die ganze Außenseite des noch ungesonderten Entodermsacks und wiederholt dadurch die kappenförmige Bildung des Innenectoderms von Hydmctmia, deren Gonanthen ebenfalls keine Rückbildung, aber auch keinen Medusenbau erkennen lassen (S. 77). Erst durch die Entstehung der Entodermschläuche wird es dem Innenectoderm von 122 Die schon im Eingange dieses Kapitels angeführte Auffassung, daß in jedem Gonangiimi ein polypoides Blastostyl durch Knospung Medusen oder »Gonophoren« von dem phyletischen Wert einer Meduse erzeugt, erfreut sich noch immer allgemeiner Zustimmung, da sie teils durch unmittelbare Beobachtungen, teils durch Vergleiche gestützt wird. In der Tat kann es nicht bezweifelt werden, daß, wie ich selbst es noch ausführen werde, die Medusen und sonstigen Keimträger der Campanu- lariden {Gonothyraea, Cam'panulana, Ohelia usw.) aus den ursprüngHchen Individuen der Gonangien wirküch hervorknospen; und da solche Knospenträger bei den Athecata {Podocoryne, HydracUnia, Euden- drium usw.) sich in überzeugendster Weise als mehr oder weniger modi- fizierte Hydranthen oder »Blastostyle« erweisen, konnten auch die Träger der Geschlechtsindividuen bei den Camp anulari den scheinbar mit Recht für Blastostyle erklärt werden. Diese Deutung wurde alsdann auf den ganz ähnlichen Inhalt der Gonangien der übrigen Thecaphora übertragen, wo sich überdies ein direkter Beweis für den Polypencharakter des knospentragenden Blasto- styls fand, indem das Blastostyl der weibhchen Gonangien in mehreren Halecium- Arten neben dem Gonophor richtige Hydranthenköpfchen trägt (HiNCKS, Nr. 45, S. 221, Allman, Nr. 3, S. 58). So entstand die Überzeugung, daß jedes Gonangium ganz allgemein nicht wie das »Gonophor« der Athecata ein einzelnes Geschlechtsindividuum vorstelle, sondern gewissermaßen einen Stock einschließe, bestehend aus einem Hydranthen (Blastostyl) und den daran knospenden Geschlechts- individuen (Gonophoren, Medusen). — Und dennoch lehrt uns die Ent- wicklungsgeschichte der Gonangien zunächst von Sertularia argentea, der sich aber, wie wir sehen werden, alle untersuchten Sertulariden und Plumulariden sowie Halecium anschließen, daß die Auffassung ihres Gonangieninhalts in dem angegebenen Sinn eine irrige und nur daraus zu erklären ist, daß dessen Entwicklung sehr unvollkommen oder gar nicht untersucht wurde. Nach der üblichen Terminologie würde das »Blastostyl« eines jeden älteren Gonangium von Sertularia argentea die Deckenplatte, die ganze Halsröhre und den Basalabschnitt des Gonanthen umfassen, während der gestielte Keimsack das medusoide »Gonophor« darstellte, das durch Knospung aus dem Blastostyl hervorginge. Nach Ausweis der geschil- derten Entwicklungsgeschichte dieser Teile wird man jedoch jenes angebliche Gonophor auch bei weitherzigster Interpretation nicht als Knospe des Blastostyls bezeichnen können. Denn es wächst nicht in völlig indifferentem Zustande aus seinem Träger hervor, um seine be- 123 sonderen Gewebe und Organe erst während seiner individuellen Existenz zu entwickeln^ w^ie wir es an den knospenden Medusen und Gonanthen derAthecata sahen; vielmehr entwickelt und entfaltet jeder Keimsack von Sertularia argentea schon vor seiner Abschnürung, also während er noch ein integrierender Abschnitt des ganzen Gonanthen ist, alle besonderen Teile, die ihn später auszeichnen (eingebuchteter Entoderm- schlauch mit den Eizellen, Innen- und Außenectoderm) und zeigt nach der Abschnürung keine andre Veränderung, als die durch die wachsenden Eizellen bedingte Vergrößerung. Die angeblichen Gonophoren oder die gestielten Keim- säcke von Sertularia argentea entstehen daher nicht als Knospen, sondern je als integrierender und Hauptabschnitt des ursprünglichen und ungeteiltenWeichkörpers desGonan- gium oder eben des Gonanthen, und erhalten eine gewisse Selbständigkeit erst durch eine relativ späte Abschnürung von der andern Gonanthenhälfte. Folgerichtig ist denn auch die längste Zeit der ganze einheitliche Gonanth das eigentliche Geschlechtsindividuum, dessen nach der Abschnürung des Keimsacks zurückbleibender Best oder das sogenannte Blastostyl überhaupt kein wirklich selbständiges Indivi- duum darstellt. Infolge dieser Feststellungen erhalten auch die Fragen nach dem polypoiden oder medusoiden Charakter der besprochenen Teile andern Sinn und andre Kichtung. Statt irgendwelche Wahrscheinhchkeits- gründe dafür zu suchen, daß der, den bereits gestielten Keimsack tragende reduzierte Gonanthenrest ein polypoides Individuum (Blasto- styl) sei, können wir jetzt vielmehr nur fragen, ob das einzige unzweifel- hafte Individuum des Gonangium, nämlich der ungeteilte Gonanth, etwa ein modifizierter Polyp ist. Und dies glaube ich bestätigen zu können, aber gar nicht nur auf Grund allgemeiner Erwägungen oder wegen der obenerwähnten Befunde an Halecium, sondern ganz besonders auf Grund einer Beobachtung an Sertularia argentea selbst. An meinem einzigen Stöckchen fand ich zufälligerweise — und dies mag sich nicht selten wiederholen — in der Reihe von Gonangien, wo sonst keine Hydranthen vorkommen, doch einen solchen, aber mit bemerkenswerten Abweichungen von den normalen, an den Seiten des Stammes sitzenden Hydranthen (Fig. 218, 219). Er war erstens merklich größer als die letzteren und seine Hydrotheca rücht mit dem Stamm seithch verwachsen, sondern bis zum kurzen Stiele ganz frei; ferner war sein Tentakelkranz schwach entwickelt, und in seinem Darmraum 124 befanden sich einige unverkennbare Eizellen. Mit einem Wort: dieses merkwürdige Individuum war durch seinen Ursprungsort zum Gonan- gium bestimmt, erreichte auch in einigen Stücken dessen Bildung, um in der Hauptsache doch zu einem Hydranthen auszuwachsen. Mag dieser Befund auch nur eine Ausnahme sein, so beweist er immerhin, wie mir scheint, unmittelbar, daß die jungen, ungeteilten Go- nanthen von Sertularia argentea umgewandelte Hydran- then sind. Die Betrachtung desselben Hydranthen zeigt uns aber noch eine Eigentümhchkeit, die, so weit ich sehe, bisher nirgends beachtet worden ist, obgleich sie sich bei allen normalen Hydranthen von Sertu- laria argentea, sowie überhaupt aller Sertulariden und Plumulariden wiederholt. Ich meine die bruchsackähnliche Ausstülpung der unteren Hälfte des Hydranthenköpfchens, die sich auf derselben vom Stamm abgewendeten Seite befindet, wo bei den Gonanthen der Keimsack sich abzuschnüren beginnt (Bauchseite s. o.). Die Übereinstimmung beider Teile, des Bruchsacks des Hydranthen und des sich eben ab- schnürenden Keimsacks der Gonanthen, ist so vollständig, daß, nach- dem die Identität dieser beiderlei Individuen im ganzen eben nach- gewiesen worden ist, an der echten Homologie jener ihrer Säcke nicht zu zweifeln ist (Fig. 205, 218). Natürlich ist dann der Bruchsack der Hydranthen als der älteren Formen durch Vererbung in den Keimsack der Gonanthen übergegangen, und folglich der letztere ein polypoides Organ, das sich äußerlich nur durch eine weiter fortschreitende Ab- schnürung, bedeutsamer jedoch durch seine neuerworbene Funktion als Reifungsstätte sich von seiner Ausgangsform, dem Bruchsack des Hydranthen unterscheidet. Doch bleibt hier, um jedem Einwände zu begegnen, noch ein Punkt aufzuklären übrig. Der beschriebene Bruchsack der Hydranthen zeigt sich, wie man sieht, an den in ihrer Hydrotheca ruhenden Individuen; man könnte daher vermuten, daß jener Sack keine dauernde Bildung, sondern nur der Ausdruck einer vorübergehenden starken Zusammen- ziehung des Hydranthen sei. Und in der Tat sehe ich einen starken Rückziehmuskel aus dem Grunde der vom Sack gebildeten Bucht schräg hinab zur Hydrotheca ziehen, sowie auch die ebenso gebauten Hydran- then von Sertularella nach meiner Beobachtung bei vollständiger Streckung und verdoppelter Länge den Sack ganz ausgleichen. Nun kann man es dahingestellt sein lassen, ob dieser letztere Zustand ohne weiteres als der normale zu bezeichnen ist oder nicht ; denn entscheidend scheint mir die Entwicklung des Sackes zu sein. 125 Die Hydranthenknospe beginnt genau wie der knospende Gonantli als eine distal verbreiterte und am Ende abgestutzte Ausstülpung, die in der Hydrotheca noch vollständig eingeschlossen ist (Fig. 220). Sobald die ersten Andeutungen der Tentakel im Umkreise der Decke auf- treten, erscheint auch schon die Anlage des Bruchsacks, obgleich von einer Zusammenziehung des unfertigen, den Rückziehmuskel noch entbehrenden Hydranthen nicht die Rede sein kann (Fig. 221). Mag also auch der Bruchsack unsrer Hydranthen ursprünglich im Zusammen- hang mit ihrer bedeutenden Contractionsfähigkeit entstanden sein, so zeigt er sich gegenwärtig als eine dauernde Formbildung derselben, die, worauf es doch zunächst allein ankommt, auf die Gonanthen ver- erbt werden konnte. Der Keimsack der Gonanthen von Sertularia argentea ist also nicht nur kein Knospungsprodukt (S. 123), sondern er- weist sich schlechtweg als ein von den Hydranthen ererbtes polypoides Organ, ohne eigne genetische oder physiologische Indivi- dualität. Dadurch gewinnt aber die Auffassung des ganzen Gonanthen samt dem Keimsack als eines einzigen polypoiden Geschlechtsindivi- duums und folgUch eines Homologons der Gonanthen der Athecata eine neue Stütze. Man kann dies auch so ausdrücken: das Gonan- gium von Sertularia und jedes ähnliche Gonangium ist den Gonanthen der Athecata homolog. Denn daß die Gonotheca dem Periderm der letztgenannten Gonanthen gleichwertig ist, bedarf keines Beweises. Nunmehr erledigt sich aber auch die weitere Frage nach der medu- soiden Natur des Keimsacks in sehr einfacher Weise. Die Ansicht, daß er eine rückgebildete Meduse sein könnte, hat jetzt aus der Dis- kussion überhaupt auszuscheiden. Denn mag eine durch Knospung entstandene vollkommene Hydromeduse durch andauernde Rückbildung nicht nur sessil werden, wie etwa bei Tubularia, sondern auch dem Zustande jenes Keimsacks sich noch so sehr nähern, so kann doch von ihrer Verwandlung in den letzteren, nachdem er sich als ein von den ältesten Individualformen der Hydropolypen, nämhch den Hydranthen ererbtes Organ erwiesen hat, natürhch nicht mehr die Rede sein. Da- gegen wäre es umgekehrt denkbar, daß derselbe Keimsack allmählich zu einer medusoiden Bildung gelangte. Nun fehlt aber in ihm jede wirkhche Medusenähnlichkeit, wozu doch wenigstens die Bestandteile einer Umbrella vorhanden sein müßten. Weder anfangs noch später finden sich Spuren der Radialschläuche oder selbst einer Ento- dermlamelle; und die Ähnhchkeit in der Anlage des Innenectoderms 126 und eines Glockenkerns hat genau dieselbe Bedeutung wie bei Hydrac- tinia (S. 77) : man kann ihre Homologie ganz im allgemeinen zugeben, ohne daß dadurch ein unmittelbarer und bestinimt gerichteter Zu- sammenhang zwischen den beiden ganzen Formen erwiesen wäre. Innenectoderm und Glockenkern verhalten sich in diesem Fall ungefähr so zueinander wie das Mesoderm vieler Bilaterahen, dessen allgemeine Homologie niemand leugnen, aber ebensowenig ohne weiteres als Beweis einer ganz bestimmten Descendenz ansehen wird. Die Keimsäcke von Sertularia argentea enthalten keiner- lei Merkmale wirklicher Medusen; sie von solchen abzu- leiten ist vollends ausgeschlossen. Kann nun aber das, was für Sertularia argentea gilt, ohne weiteres auf Sertularia fumila, das mir aus eigner Anschauung nicht bekannte Untersuchungsobjekt der früheren Beobachter, übertragen werden, bloß deshalb, weil ich meine durchaus abweichenden Befunde an Ser- tularia argentea mit aller Bestimmtheit glaube vertreten zu können? — Da es sich schon gezeigt hat und noch zeigen wird, wie verschieden die Entwicklung der Geschlechtsindividuen auch innerhalb relativ enger Grenzen der Hydropolypen verlaufen kann (vgl. Syncoryne — Coryne)^ so würde ich es nicht von vornherein für unmöglich halten, daß Ser- tularia fumila^ entsprechend jenen schon aufgezählten älteren Angaben, in der ganzen Bildung und Entwicklung der Gonangien gewässermaßen grundsätzlich von jener andern Art derselben Gattung, Sertularia argentea, abwiche — falls diese Angaben sich als begründete darstellten. Für Agassiz (Nr. 1, S. 329) und noch mehr für Allman (Nr. 3, S. 47) gilt es auch ohne Untersuchung der Entwicklung der Gonangien aller Thecaphora für selbstverständlich, daß sie ein polypoides Blastostyl mit daraus hervorknospenden medusoiden Gonophoren oder Medusen enthielten; auf diese nicht weiter begründete Annahme brauche ich also nicht einzugehen. Auch für Weismann stand es von vornherein fest, daß alle in Gonangien vorkommenden Gonophoren »durch Kno- spung« entständen (Nr. 70, S. 14); den medusoiden Charakter dieser Knospen suchte er dagegen aus ihrem Bau oder ihren Verwandtschafts- beziehungen im einzelnen nachzuweisen, allerdings wie immer ohne sonderliche Berücksichtigung ihrer Entwicklung. Bezüglich des ersten Punktes verweist Weismann zum Beweise >Entodermlamelle<< zusammen, während in den vier Radien vier Entodermkanäle zurückbleiben. Die Entodermlamelle verschwinde aber sehr frühe, worauf die Kanäle sich selbständig verlängern; an ihren Enden kämen sie durch seitliche Wucherungen in Verbindung, und der so entstandene >> Ringkanal« fheße unter dem Scheitel der Gonotheca zu einem breiten, einer Deckenplatte ähnlichen Schlauch zusammen. — Das Ectoderm löse sich unterdessen in ein Netzwerk auf, dessen Stränge sowohl den Binnenraum des Go- nanthen durchziehen, wie auch die Kanäle umhüllen und miteinander und mit der Gonotheca verbinden, v. Lendenfeld will auch Spuren eines Manubrium im Grunde des Gonanthen gesehen haben, wie er denn auch die Medusenlcnospen von Laomedea repens — und folgUch auch 195 von Campanularia calyculata — für ein großes Manubrium hält. Dem- nach erklärt er den Gonanthen von Eucopella für eine Über- gangsform vom Polyp zur Meduse. Statt des mit Keimzellen gefüllten Manubrium von Laomedea erzeuge der Gonanth von Eucopella Medusenknospen, und zwar nur an einem seiner Kanäle, der an einer Schmalseite des Gonangium Hegt. Die Knospen folgen einander wie gewöhnlich von oben nach unten, und sind gleichzeitig in der Zahl von zwei bis drei vorhanden. Das Entoderm einer solchen Knospe wird durch einen Glockenkern ein- gebuchtet, worauf in den vier Interradien durch Verlötungen des zwei- schichtigen Entodermbechers eine einschichtige Entodermlamelle und dazwischen passiv vier Radialkanäle entstehen. Ein Ringkanal kommt ebenso wie am Gonanthen zustande, und an den Radialkanälen wachsen Seitenzweige hervor und dringen teils nach innen zwischen die Eizellen und in die Hodenmasse, teils tangential in die Entodermlamelle ein. Der Glockenkern verwandelt sich zuerst in ein Netzwerk, worin später eine Glockenhöhle entsteht. Ein Manubrium ist nur andeutungsweise vorhanden. Die Eizellen von Eucopella entstehen im Entoderm der Hydrorhiza aus je einer ganzen Zelle, begeben sich unter das Epithel und wandern in die Gonangien ein, wo sie stets zwischen dem Entodermepithel und seiner Grenzlamelle, also innerhalb des Entoderms liegen bleiben. Jedoch dringen sie nicht unter irgend einem Zwange bloß in die Medusenknospen ein, sondern ebensogut in die Entodermröhren des Gonanthen, wo sie ohne zu reifen zugrunde gehen. Die Spermatoblasten sind ectodermalen Ursprungs, indem sich der subumbrellare Überzug der Radialkanäle vollständig in jene Keimzellen verwandelt. Die Medusenknospen von Eucopella erhalten niemals Manubrium und Tentakel, lösen sich aber trotzdem schUeßhch von dem Gonanthen ab und verlassen das Gonangium, um ihre Geschlechtsprodukte ins Wasser austreten zu lassen. Ich habe nur wenige ältere Gonangien beiderlei Geschlechts von Campanularia calyculata untersuchen können. In ihrer äußeren Form stimmen sie mit den Gonangien von Eucopella überein: sie sind abge- plattet, von der Breitseite gesehen becherförmig und längs des distalen Randes eingebuchtet (Fig. 313, 314). Der Weichkörper besteht aus zwei Hauptteilen, einem becherförmigen, durch eine Deckenplatte geschlossenen Mantel und einer aus dem Grunde der Mantelhöhle auf- 13* 196 gewachsenen Meduse, wozu noch einige kleinere Medusenknospen kommen. Der Mantel besteht wie immer aus einer ungeschichteten und unregelmäßigen Ectodermschicht, reicht vom Basalabschnitt des Go- nanthen bis an die flache Deckenplatte und ist durch lockere Zellen- stränge mit der Gonotheca verbunden. In ihm sind fünf Entoderm- röhren eingeschlossen, die dicht unter der proximalen Grenze des Mantels, also am Basalabschnitt des Gonanthen, aus dessen Entodermschlauch entspringen und innerhalb des Mantels bis an dessen Scheitel verlaufen, wo sie in den Entodermsack der Deckenplatte einmünden (Fig. 313). Der Ausgangspunkt dieser Röhren sind vier im Basalabschnitt des Gonanthen befindliche Entodermrinnen, die distalwärts in verschie- denem Niveau sich zu Röhren schheßen, von denen einige sich weiter verästeln (Fig. 316 — 319). Eine centrale Röhre tritt in die älteste, die Mantelhöhle füllende Meduse ein, eine seitliche ist für die jüngeren Medusenknospen bestimmt, und fünf (rücht vier, wie Agassiz angibt) durchsetzen den Mantel in der angegebenen Weise. Aus der Darstellung von Agassiz und seinen Abbildungen der jüngsten Gonangien von Cam/panularia calyculata, sowie aus meinen eignen Beobachtungen an den noch zu beschreibenden jungen Medusen- knospen geht mit der größten Bestimmtheit hervor, daß der fragUche Mantel ebenso entsteht, wie bei andern Thecaphora, nämhch als Ab- spaltung vom Ectoderm des Gonanthen im ganzen Umfange der aus dem letzteren hervorknospenden Meduse, und daß folghch eine von den späteren Mantelröhren die ursprüngliche Halsröhre des Gonanthen ist. Nur ist diese Halsröhre später als solche lücht zu unterscheiden, da die sekundär entstehenden Mantelröhren in Form und Verlauf mit ihr völHg übereinstimmen. Die in die Medusenknospen eintretenden Entodermröhren haben wieder mit den erstgenannten nichts zu tun, da sie natürlich nichts weiter sind, als das Entoderm der Knospenstiele. Nach allem ist die Medusenähnlichkeit des Mantels in den Gonangien von C^mpanularia calyculata ebenfalls eine rein äußerliche (S. 177). Weder sind die fünf Mantelröhren unter sich gleichen Ursprungs, noch besteht die Mantelwand gleich einer Umbrella aus zwei ectodermalen Schichten; ferner entsteht die Mantelhöhle nicht in einem Glockenkern, der dem Gonanthen völUg fehlt, sondern rund um die erste Medusenknospe, so daß sie keinerlei Beziehung zu einer Glockenhöhle hat. Ich erwähne dies besonders im Hinblick auf v. Lendenfelds Darstellung von der Entwicklung des Blastostyls (Gonanthen) von 197 Eucopella. Obgleich er selbst dieses Blastostyl mit demjenigen von Campanularia calyciilata vergleicht, und beide im fertigen Zustande in allen wesentlichen Teilen übereinstimmen, müßten sie nach v. Lenden- feld in ihrer Entwicklung vollständig auseinandergehen. Meines Er- achtens sind aber seine nicht ganz klaren und durch keine Abbildungen illustrierten Angaben über die Entstehung des Blastostyls von Eucopella nicht einwandfrei und am wenigsten geeignet, einen wirklichen Medusen- bau dieses Blastostyls zu begründen. Dies ergibt sich schon aus der Er wähnung. einer >>Entodermlamelle<< und ihrer Bedeutung für die Entstehung der >>Radialkanäle << (Mantel- röhren); denn solche Bildungen und Vorgänge fehlen in allen von mir untersuchten Medusenbildungen der Athecata und Thecaphora. Ebenso ist die Verwachsung der angeblichen Radialkanäle zu einem decken- plattenähnlichen Gebilde den Medusen fremd. Am auffäUigsten bleibt aber, daß v. Lendenfeld eine Sonderung von Glockenkern und Ex- umbrellarepithel in der angeblichen Medusenglocke (Mantel) überhaupt nicht kennt und im Gegenteil jene Umbrella zwischen den Radial- kanälen aus einem ungeteilten und netzförmig gelockerten Ectoderm bestehen läßt. Auf Grund dieser Angaben v. Lendenfelds muß eine direkte Beziehung zwischen dem Blastostyl oder Gonanthen von Eu- copella und echten Hydromedusen in Abrede gestellt und kann nur zugegeben werden, daß jener Teil bloß in demselben Sinn wie der Go- nanth von Campanularia hincksi und Campanularia calyculata^ d. h. nur äußerlich medusenähnlich ist. Mit andern Worten: diese Ähnlichkeit ist nichts weiter als eine täuschende Homoidie. Auf der andern Seite weicht jene Beschreibung von der Entstehung des Mantels so sehr von allem ab, was wir jetzt von andern mit Mantelröhren versehenen und auch sonst gleichgebildeten Gonanthen der Thecaphora, namentlich der offenbar recht nahe verwandten Campa- nularia calyculata wissen, daß nur das Dilemma übrig bleibt: entweder nimmt die Gonanthenbildung von Eucopella unter den Thecaphora eine ganz merkwürdige Sonderstellung ein, oder die bezügUchen An- gaben v. Lendenfelds sind mehr oder weniger irrig. Jedenfalls sind sie belanglos für die Interpretation des Baues und der Entwicklung der Gonanthen von Campanularia calyculata, die, wie wir sahen, sich ebenso darstellen wie bei Campanularia hincksi und bei den weibHchen Halecium tenellum. Ich gehe nun zu den Medusenknospen über, die sich an den Gonanthen von Campanularia calyculata entwickeln. In den Gonangien die ich zur Verfügung hatte, war die in der ursprüngHchen Mantelhöhle 198 eingeschlossene Meduse schon weit entwickelt; dagegen befanden sich in denselben Gonangien, aber außerhalb jener Mantelhöhle jüngere Medusenknospen verschiedenen Alters, so daß ich alle wesenthchen Entwicklungsstufen unmittelbar beobachten konnte. Die Knospen entstehen unter- und nacheinander, jede scheinbar aus der Wurzel der vorausgehenden älteren Knospe (Fig. 320, 321); ich halte dies aber für eine Verschiebung eines ursprünglichen Verhaltens, wonach sie getrennt aus dem Gonanthen selbst hervorgingen. Die jüngsten Knospen bestehen scheinbar nur aus einer kurzen und dünnen Entodermröhre, die in den verdickten, aber noch völhg soliden und ungesonderten unteren Saum des Mantels der nächst älteren^ vorausgehenden Medusenknospe eingewachsen ist (Fig. 313, 320, 321). Natürhcher ist aber die Auffassung, daß, während eine junge Knospe an der Außenseite des Mantels der nächstälteren Knospe emporwächst, ihr Ectoderm, das ja auch ihren künftigen Mantel enthält, mit dem erst- genannten Mantel in Zusammenhang bleibt. Denn eine solche Ver- bindung der benachbarten Mäntel kommt auch an den jüngsten Knospen- anlagen der Cam/panularia flexuosa, Gonothyraea loveni und der Ohelia vor, und beeinträchtigt anderseits auch nicht die Annahme einer freien Knospenbildung. Die Kuppe jener die Knospenbildung einleitenden Entodermröhre ist sehr bald gegen die Lichtung derart verdickt, daß diese im Längs- durchschnitt in zwei seitKche Zipfel ausläuft (Fig. 321). Dies sind wie etwas ältere Knospen beweisen (Fig. 320), die ersten Anfänge der Radialschläuche, die folglich wie in allen Hydromedusen, unabhängig von einem Glockenkern entstehen. Auch traf ich auf Querdurchschnitten jener nächst älteren Knospen unter den Radialschläuchen faltenförmige Täniolen, die sich distalwärts zu den Schläuchen zusammenschheßen (Fig. 319); wie denn auch die Hydranthen desselben Polypen ähnliche Täniolen besitzen. Die Homologie und Bedeutung dieser Erscheinungen wurden schon mehrfach erörtert (S. 10, 108, 187, 192): die Täniolen der Hydranthen vererbten sich auf die Gonanthen und deren Knospen, wo sie dann zum Ausgangspunkt der Entstehung der Radialschläuche wurden. Sobald der beschriebene Entodermschlauch der jungen Knospe sich ziemlich verlängert und die ersten Anlagen der Radialschläuche hervor- getrieben hat, sind zwei neue Bildungen an der Knospe hinzugekommen (Fig. 320). Erstens hat sich das den Schlauch umgebende Ectoderm so gespalten, daß eine glatte Epithelschicht ihn bis an die Wurzel über- zieht (Exumbrellarepithel), und die durch einen Spaltraum (Mantel- höhle) davon getrennte Außenschicht oder eben der neuentstandene 199 Mantel derselben Knospe allein mit dem Mantel der vorausgehenden Knospe im Zusammenhang bleibt. Dadurch wird die junge Knospe bis an die Wurzel aus der Kontinuität mit der Mantelwand der nächst- älteren gelöst und vollkommen selbständig; doch bleibt sie zunächst noch in ihre eigne Mantelhöhle eingeschlossen, und ich halte es nach Analogien mit den übrigen noch zu beschreibenden Campanulariden für wahrscheinlich, daß jede Knospe mit ihrer besonderen Mantelhöhle an die Stelle der nächst älteren, vorausgehenden rückt, sobald diese nach Abschluß ihrer Entwicklung verschwindet. Die zweite der erwähnten Neubildungen der jungen Knospe ist ein echter Glockenkern, der an ihrem Scheitel entsteht und zwischen die noch auseinanderstehenden Radialschläuche ein wuchert; alsbald folgen auch seine Ablösung vom Exumbrellarepithel und seine Aus- höhlung, sowie die Ausbildung von Subumbrellarzipfeln. Mit der Anlage der Radialschläuche und des Glockenkerns ist aber an den jungen Gonanthenknospen von Campanularia caly- culata der Charakter einer Meduse unzweideutig ausge- sprochen. An denselben Medusenknospen sind noch weitere Einzelheiten nachzuholen. Während der Entwicklung ihrer Radialschläuche zeigt sich darin eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit Campanularia hincksi, daß im Magenraum nur drei Täniolen und Magenrinnen vor- handen sind, die in ebenso viele Radialschläuche auslaufen, und daß erst etwas höher darüber durch die Gabelung eines dieser Schläuche die typische Vierzahl erreicht wird (Fig. 323, 324). Durch Messungen läßt es sich ferner nachweisen, daß die Radialschläuche sich anfangs vorherrschend abwärts verlängern, nämhch durch den in derselben Richtung fortschreitenden röhrenförmigen Verschluß der Magenrinnen. Eine primäre, zweischichtige Entodermlamelle fehlt dabei ebenso wie bei allen übrigen Hydromedusen ; dagegen entwickelt sich allmählich eine Umbrell